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Teil 1
 

 

Teil 2

 

Gesamtcharakter der Serie

 

Die Entwicklung der Geschichte

 

Was spielt sich zwischen den beiden eigentlich ab?
 




Zum Inhalt des ersten Teils

 

Im Prolog erfahren wir, was man als Sterblicher tun muss, um vom Tod des Lebens verwiesen zu werden, und dass der Tod in Wirklichkeit gar kein guter Schachspieler ist.

Die Handlung setzt in der Jetzt-Zeit ein, in einem unbestimmten Land, jedoch an einem genau definierten Ort: der Autobahn.
Der Tod schlendert seines Weges und trifft dabei zum ersten Mal (zumindest für den Leser) auf das Mädchen, die ihn, im Gegensatz zu seinen vorhergehenden Opfern, als das erkennt, was er ist, und vor ihm flüchtet. Stur wie er ist, heftet er sich an ihre Fersen und holt sie sogar ein - jedoch nur um festzustellen, dass sie nicht weniger dickköpfig ist, als er selbst. So leicht gibt er jedoch nicht auf.

Es folgt eine gemeinsame Reise die Autobahn entlang, mit mehr oder minder größeren Abenteuern und Erinnerungssequenzen seitens der Protagonisten, bis schließlich das geschieht, was man erahnen konnte: die zwei werden einander sympathisch.

Ist es nun aber der Tod, der sich in das Mädchen verliebt, oder ist es das Mädchen, das für den Tod eine klammheimliche Zuneigung hegt? Auf alle Fälle endet die gemeinsame Reise mit einem Paukenschlag - um sich im zweiten Abschnitt der Handlung zu einem kleinen Melodram auszuweiten.
Das letztliche Ende der Geschichte indes hinterlässt ein Vakuum in den Beteiligten wie im Leser.

 

Zum Inhalt des zweiten Teils

Zwei Erdenjahre sind nach dem Ende von Teil 1 vergangen. Wieder gibt es einen Prolog, welcher sich in einem (noch) nicht näher definierten Domizil des Todes abspielt. Der Tod brüllt und wütet und zeigt sich als überaus ruppig im Umgang mit seiner Dienerschaft.
Schon bald steht unliebsamer Besuch vor der Tür: es ist der Kleine Tod, der dem großen als Aufpasser zugewiesen wurde. Und zwar, weil der Tod sein kleines Problem (die Zuneigung zu dem Mädchen) noch immer nicht so ganz im Griff zu haben scheint.
Oder ist dies alles nur ein Vorwand? Zweifellos steckt hinter der Geschichte, die der Tod dem Kleinen Tod auftischt, mehr. Die Sanduhr des Todes wurde gestohlen, soviel ist klar, aber welche Auswirkungen hat dies konkret?

Ortswechsel: Das Mädchen ist mittlerweile Blumenladenbesitzerin. So ruhig die letzten 2 Jahre für sie verliefen, so verwirrend überschlagen sich mit einem Mal die Ereignisse. Erst taucht eine merkwürdige Frau in ihrem kleinen Geschäft auf. Warum Mercedes von Bonnie (so der Name der Unbekannten) beeindruckt ist, kann sie selbst nicht begründen. Sie kann auch nicht lange darüber nachdenken, denn zu ihrem Problem, eine Vertretung für jene paar Tage zu finden, während derer sie eine Gartenmesse zu besuchen gedenkt, gesellt sich ein weiterer unverhoffter Besucher: Es ist der Tod, der wieder einmal nicht imstande ist, seine Beweggründe auf den Tisch zu legen und das Mädchen damit in zusätzliche Verwirrung stößt.

Viele ungelöste Fragen türmen sich auf, nicht nur für die Protagonisten (allen voran das Mädchen), sondern auch für den Leser. Bis sich das Netz der Ungereimtheiten entwirrt, werden neue Fragen auftauchen, die bisherige Antworten relativieren, ehe diese überhaupt auf dem Tisch liegen.
Ich wage zu behaupten, dass niemand den Ausgang der Geschichte vorherahnen wird können, die Sache ist nämlich derart verzwickt, dass ich selbst ständig in meinen Notizen nachschlagen muss, um nicht den Faden zu verlieren.

Ich lade alle Leser herzlich dazu ein, sich an diversen Spekulationen im Forum zu beteiligen. Oder zumindest, sich dort den einen oder anderen Beitrag der Protagonisten durchzulesen, denn sowohl Tod, als auch Mädchen, als auch der kleine Tod verraten ab und zu Details (ohne etwas von der Handlung zu verraten, da passe ich schon auf!).

 

 

Zum Gesamtcharakter der Serie

Teil 1:
Der Cartoon wurde in Form und Aufmachung für die Veröffentlichung im ORF Comic-Kanal zugeschneidert. Dementsprechend ziehen sich manche 'Pointen' über mehrere Folgen, obwohl sie ebensogut in einer einzigen (oder gar nicht) Platz gefunden hätten, ich wurde immerhin pro Stück bezahlt und nicht pro originellem Witz. Soviel zum Thema Realismus.

Stilistisch bin ich bei vorliegender Serie wie in den meisten meiner Arbeiten von Slapstick-Komödien und Cartoons der 30er und 40er Jahre beeinflusst. D.h.: klare, teilweise oberflächliche Handlungen, sehr kindisch, verspielt und in keine Kategorie einzuordnen (Erwachsenencomic? Kindercomic?). Man vergesse nicht - jene Cartoons mit Bugs Bunny und Betty Boop, die heutzutage im Kinderprogramm vergammeln, waren einst Vorfilme und Gaudium für ein erwachsenes Kinopublikum!
Trotz der erwähnten Verspieltheit besitzt die Geschichte aber durchaus Tiefe (diesen Punkt muss ich besonders hervorstreichen, da er allzu leicht übersehen wird). Wer hinter die oberflächliche Handlung schaut, wird genügend basisphilosophische Ansatzpunkte finden, über die es zu sinnieren sich lohnt. Eingedenk dessen wird auch klar, warum die Geschichte letztlich so endet wie sie endet. Wer nur an der Oberfläche hängen bleibt, sieht zwei nette Charaktere die lustige Abenteuer erleben. Dabei gilt es jedoch im Auge zu behalten, wer diese Figuren sind!

Ohne allzu aufdringlich den mahnenden Zeigefinger erheben zu wollen, muss ich doch zugeben, dass ich mit der Geschichte etwas bezwecke. Der Leser wird zunächst humorvoll mit dem Tod bekannt gemacht, aus dem simplen Grund, weil ich ihn (den Leser) nicht sogleich verschrecken will. Die wenigsten Menschen sind bereit, sich über den Tod, mit dem wir schließlich alle früher oder später konfrontiert sind, Gedanken zu machen. Indem ich den Einstieg "einfach" gestalte, binde ich den Leser voller Perfidie an meine Erzählung. Im Verlauf derselben verliert sich das komödiantische Element und weicht einem zusehends emotionalen/tragischen, vielleicht auch nachdenklich machenden.
Der Leser wird im Grunde durch das Mädchen symbolisiert, die zu Beginn den Tod ebenfalls ablehnt (sprich, sich nicht mit ihm befassen will). Da ihr jedoch nichts anderes übrig bleibt, beginnt sie, ihn sympathisch zu finden - genau wie es auch dem Leser gehen sollte. Aber just in dem Moment, da sie schon einen guten Freund in ihm zu sehen beginnt, zeigt er ihr wieder sein anderes Gesicht.

Ich will meine Leser nicht zu morbiden Todessehnsüchtlern erziehen, ich will sie zum Nachdenken anregen (und da kommt er nun also doch, der Zeigefinger). Ich möchte so viele Erwartungshaltungen brechen bzw. konterkarieren, als nur möglich, weil nur dadurch ein wirkliches Nachdenken über die Figuren bewirkt wird. Oberflächliche Unterhaltung bietet die Geschichte sicher auch, aber als solche ist sie meinerseits nicht konzipiert, sondern als Einladung zur Reflektion über den Tod ... das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

 

Teil 2:
Der zweite Teil hat erzählungstechnisch ein anderes Gesicht als der erste, insofern, als ich mich dazu entschlossen habe, ihn als richtigen Comic zu gestalten. Sprich, es gibt keine abgepackten Häppchen mehr, keine Episoden, die in mehr oder minder abgerundeten Pointen enden, sondern eine durchgehende Handlung. Dass dadurch unvermeidlich fast mit jeder Episode Cliffhanger entstehen, mag dem Lesegenuss abträglich sein, es wird jedoch letztendlich die Geschichte weitaus runder und in sich geschlossener erscheinen lassen, als dies bei Teil 1 der Fall war.

Was den Anspruch betrifft, so setzt der zweite Teil hier an den ersten an. Der Fokus liegt weniger auf der seicht-komödiantischen Schiene (obwohl der zweite Teil meine bescheidenen Meinung nach sogar witziger ist als der erste, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten), sondern auf der Geschichte und deren Aussage. Der Zeigefinger ist noch immer da, auch wenn er vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, was vielleicht durchaus vorteilhaft sein mag. Die Handlung ist extrem dicht und verwoben, idealerweise sollte sich der Leser beständig fragen, wer hier nun eigentlich schwindelt oder etwas zu verbergen hat. Ein kleiner Tipp: Der Tod ist nicht unbedingt ein wahrheitsliebender Geselle.

Ich habe mir hier einen Wunsch erfüllt, der auf den ersten Blick vielleicht wenig Sinn ergibt. Wenn man sich einmal für ein Format entschieden hat, sollte man wohl auch dabei bleiben. Das wäre jedenfalls die logische Entscheidung gewesen. Aber dann... bin ich Vulkanier?

 

 

Die Entwicklung der Geschichte (SPOILERS für Teil 1!)

Im Gegensatz zu anderen Comicserien wie zB NINA hat DER TOD UND DAS MÄDCHEN keine fixe Vorgeschichte. Am Anfang war eine recht minimalistische Idee: der Tod - das Mädchen - die Autobahn. Dann ergab sich durch das Auslaufen von NINA auf dem ORF Comickanal die Gelegenheit, diese Idee in die Tat umzusetzen. Es gab jedoch lange kein fixes Konzept, keine bis ins letzte durchkomponierte Handlung. Ich gestehe, dass ich mich auf ein riskantes Spiel einließ. Es galt, jede Woche einen Cartoon abzuliefern, und ich hatte dabei nicht die leiseste Ahnung, wohin mich der Handlungsfaden führen würde!

Teil 1 der Serie lief in Summe 3 Jahre und 3 Monate. Im ersten Jahr war im Grunde noch alles offen. Mein ursprünglicher Plan war, eine Grundhandlung als roten Faden zu belassen (die Fahrt auf der Autobahn) und in bestimmten Abständen davon unabhängige Nebenhandlungen einzuführen. Dieses Konzept findet sich in dem Seitenstrang Der Tod und der Autor wieder bzw. in der Druckversion in diversen Erinnerungssequenzen von Tod und Mädchen.
Die Rote-Faden-Handlung hätte eigentlich gar keine richtige Handlung sein, sondern aus witzig-philosophischen Streitgesprächen zwischen dem Tod und dem Mädchen bestehen sollen. Mit der Zeit wurden diese Diskussionen aber langweilig, weshalb ich dem Hauptstrang nun doch eine richtige Handlung zuwies, welche in der Folge immer dichter wurde und sich immer mehr in die Länge zog, so dass ich schließlich auf die Nebenarme verzichtete. Reste des Konzepts (Abweichung von der Autobahn) stellen die Abstecher zur Raststation, zum Krankenhaus und zum Strand dar.

Nachdem das Mädchen schließlich an ihrem Ziel angekommen ist, ändert sich die Handlung drastisch, denn nun ist sowieso alles nur noch auf diese eine Schiene konzentriert. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber längst, wo ich mit der Geschichte überhaupt hinwollte - das Grundgerüst hatte sich nach etwa einem Jahr ergeben. Man sieht dies ganz leicht in der Episode, in welcher das Mädchen überlegt, wohin sie die Sachen des Polizisten verschwinden lassen soll. Da wusste ich bereits, dass sie am Ende der Geschichte eine Schusswaffe brauchen würde, weshalb sie die Dinge auch nicht wegwirft, sondern mitnimmt!

Obwohl mir das Grundgerüst der Geschichte also recht bald klar war, kamen die Details (Aufbau und Text der Episoden) fast unmittelbar vor deren Erscheinen auf ORF On hinzu. In welchen Einzelschritten genau ein Comic entsteht (zumindest bei mir), habe ich hier aufgelistet.

 

 

Was spielt sich zwischen den beiden eigentlich ab?

Nach dem kleinen Zwischenfall am Strand (Teil 1), als der Tod dem Mädchen den Seeigel-Stachel aus dem Fuß gesaugt hat, hat sich für beide, vor allem aber für das Mädchen, etwas verändert. Ich betone jedoch - sie haben sich nicht im herkömmlichen Sinne ineinander verliebt. Es wäre übertrieben, es darauf beschränken zu wollen, obwohl der Grundgedanke natürlich in die Richtung geht.

Man muss jedoch realistisch bleiben: Er ist und bleibt der Tod bzw. dessen allegorische Gestalt. Sich in den Tod zu verlieben kann höchst fatale Auswirkungen haben!
Wie es allerdings um ihn steht - der Kleine Tod hat mehrfach angedeutet, dass seinem "Onkel" das Mädchen nicht völlig gleichgültig ist - ist eine andere Geschichte. Zweifellos kann keiner beweisen, dass dem Tod nicht einmal etwas derart Menschliches geschehen könnte, noch dazu wenn er sich in körperlicher Form auf der Erde rumtreibt.

Es gibt hier allerdings noch eine tiefergehende Erklärung, die erst gegen Ende von Teil 2 der Serie verraten wird.

Subsummierend würde ich mal sagen, dass die Gefühle des Todes durchaus als starke Sympathie, die bis an die Grenze der Verliebtheit reichen zu bezeichnen sind (jedenfalls gilt das für Teil 1). Wobei er rein aufgrund seiner Identität diese Gefühle aber nie ausleben kann. Er könnte sein Mädchen zwar von ferne anschmachten, aber was brächte es ihm? Eine Liebe, die man nachweislich nicht erreicht, schlägt man sich am besten aus dem Kopf, so schwer das auch fallen mag.
In ihrem Fall ist die Sache klar: Sie darf und soll nichts für den Tod empfinden. Sterbliche, die dem Tod verfallen sind, vergessen zu leben, was dem Daseinsprinzip zuwiderläuft.
Nun gibt es zwar haufenweise morbide, todessehnsüchtige Menschen auf der Welt - aber für die kann der gute Tod nun wirklich nichts, die tun das ja freiwillig und von sich aus. Anders wäre es, wenn er ihnen persönlich erschiene (wie dem Mädchen) und ihnen seinerseits Zuneigung entgegenbrächte.

Aus dieser logischen Strenge heraus erklärt sich auch, warum der Tod letztlich dem Mädchen Angst einjagen musste. Er musste ihr die Illusion rauben, ihr Freund und Helfer zu sein, denn wie wir bereits gesehen haben, hätte das einmal bereits fast zum Suizid des Mädchens geführt. Was halt meistens dabei rauskommt, wenn man sich im Leben an den Tod klammert.

Wie das aber so mit Gefühlen ist - die sind zäh und nur sehr schwer umzubringen. Eine Erfahrung, die auch der Tod machen muss...

 


© Nina Ruzicka www.cartoontomb.de