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Buchtipps: Tod


Wer sich hier spannende Gruselgeschichten erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Ich liste hier vorwiegend Sachbücher zum Thema Tod auf, und zwar über Teilbereiche der Geschichte (Sozial-, Kultur-, Kunstgeschichte). Wie hat man sich den Tod in früheren Zeiten vorgestellt? Wie ist man ihm begegnet? Welche Begräbnisrituale gab es? Belletristik oder reine Unterhaltungsliteratur findet sich hier nicht.

 

 

Der Tod. Ein Lesebuch von den letzten Dingen von Rainer Beck (Hrsg.), Beck'sche Reihe

Die Beck'sche Reihe umfasst zahlreiche Themengebiete. Es handelt sich dabei um Taschenbücher von ca. 300 Seiten Umfang, auf welchen verschiedenste kurze Beiträge zum vorangestellten Thema zusammengesammelt wurden. "Der Tod" folgt dem selben Prinzip, es bietet einen Überblick von der Frühzeit antiker Kulturen bis in die Gegenwart, wobei die Art der Texte bunt gemischt ist. Vom wissenschaftlichen Aufsatz über den zeitgenössischen Augenzeugenbericht bis zu dichterischen Auszügen ist alles vertreten.

Der offensichtliche Nachteil solcher Lesebücher: Es wird zwar jeder Bereich angerissen, dies aber nur sehr kurz und ungenügend. Ich würde dieses Buch unbedingt jedem empfehlen, der sich eine kleine bibiliotheca mortis zusammenstellen möchte, da es doch eine hübsche Aufsatzsammlung ist. Als Einstiegsbuch in die Materie könnte es aber ein wenig trocken sein.

Im Anhang: Literaturverzeichnis.

     

Der Mensch und sein Tod. Certa moriendi condicio von Gion Condrau (Kreuz Verlag 1991)

Dieses Buch ist meiner Ansicht nach ein sehr gutes Einstiegswerk zum Thema Tod, weil es trotz der Detailfülle leicht zu lesen ist. Man wird nicht von statistischen Tabellen erschlagen, es gibt eine Menge Bilder (darunter viele farbige, was relativ selten ist) und die Thematik ist breit gestreut.

Nicht jeder, der sich für den Tod interessiert, tut dies aus demselben Antrieb heraus. Mein persönliches Hauptinteresse gilt dem sozialkulturellen Todesverständnis und der kunsthistorischen Todesdarstellung, andere interessieren sich vielleicht eher für religiöse oder ethische Fragen im Zusammenhang mit dem Tod (Stichwort Euthanasie). Das Schöne an diesem Buch ist, dass alle Bereiche recht ausführlich abgedeckt werden. Kunst, Religion, Philosophie und Medizin werden gleichermaßen behandelt. Natürlich ebenfalls nur überblicksartig, doch verleitet die Darstellung der einzelnen Themen den Leser meiner Ansicht nach, sich weiter in die Materie einzulesen.

Im Anhang: Anmerkungen zum Text sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis.

     

Der Schwarze Tod von William Naphy, Andrew Spicer (Magnus Verlag)

Dies ist kein Buch über den Tod an sich, sondern über die Pest und ihre jeweiligen Siegeszüge quer durch Europa.

Leider hielt das Buch nicht, was das erste Kapitel versprach. Die anfänglichen Erläuterungen über die unterschiedlichen Reaktionen von östlich-muslimischer und westlich-christlicher Kultur auf einen Pestausbruch fand ich sehr interessant, und allein deshalb bin ich schon froh, das Buch gelesen zu haben. In der Folge beschränken sich die Autoren aber auf großteils statistische Fakten. Zwar listen sie alle größeren Pestausbrüche in Europa im Laufe der Jahrhunderte auf, was durchaus interessant ist, allerdings jonglieren sie dabei mit zu vielen Zahlen und zu wenig sonstigen Details. Die ewige Auflistung von soundsovielen Toten pro Monat und Bezirk wirkt lähmend und ist de facto verwirrend. Eine nüchterne Tabelle wäre hier aussagekräftiger. Ein paar eingestreute Namen runden das Bild nicht wirklich ab, wir erfahren in jedem Kapitel lediglich, dass viele Leute starben - und so liest sich jedes Kapitel irgendwie gleich. Auf keinen Fall als Einstiegslektüre geeignet, für die Sammlung aber sicher nützlich.

Im Anhang: Abbildungs- und Literaturverzeichnis.

     

Ist der Tod eine Frau? von Karl S. Guthke (C.H.Beck 1997)

Eins der besten Bücher zum Thema "Todesdarstellungen in der Kunst", die ich je gelesen habe. Unbedingt empfehlenswert! Leider scheint dieses Buch nicht mehr im Handel und somit nur noch gebraucht zu beziehen zu sein, ich würde daher jedem Interessierten ans Herz legen, zuzuschlagen, sobald er es irgendwo günstig entdeckt.

Die Einleitung liest sich etwas zäh, da informationsüberfrachtet, doch dies legt sich ab dem ersten Kapitel. Man möge sich von dem etwas marktschreierischen Titel nicht abschrecken lassen, es geht dem Autor nicht darum, ein makaber-feministisches Manifest zu erstellen. Er untersucht lediglich die Art und Weise, wie der Tod im westeuropäischen Kulturkreis vom Mittelalter aufwärts dargestellt wurde. Interessanterweise war die Darstellung als Knochenmann nicht seit jeher gebräuchlich, die setzte erst mit dem Spätmittelalter (und der großen Pestepidemie von 1348, obwohl dies noch umstritten ist) ein. Davor war der Tod eher ein unscheinbarer Nebendarsteller, und hier auch eher ein Loser, der sich vor dem wiederauferstandenen Christus geschlagen geben musste. Mit der 'kleinen Eiszeit', der Hungersnot und der darauffolgenden Pestepidemie erlangte der Tod jedoch seinen schaurig-mächtigen Status, wie er sich bildlich in den Totentänzen niederschlug.

Interessant in diesem Buch sind auch die Abbildungen. Obwohl alle in s/w gehalten, zeigen sie doch einiges, das man sonst selten bis nie findet. Etwa eine Todesstatuette aus dem Barock, das einen halbskelettierten Tod mit (männlichem) Genital zeigt. Eine Rarität!

Im Anhang: Abbildungs- und Literaturverzeichnis.

     
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© Nina Ruzicka www.cartoontomb.de