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Der steinige Weg zur Druckversion Retrospektiven von Nina Ruzicka und Lydia Schönberger |
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Vorwort |
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Wenn nur nach mir gegangen wäre, hätte ich die Druckversion von T&M nie in Angriff genommen. Ich persönlich fühlte mich mit meinem Webauftritt wohl. Doch die Leserschaft wollte es anders. Meine erste Wahl fiel auf ein Comicheft, mit Vorbild amerikanischer Comics, die ein- bzw. zweimonatlich erscheinen. Für ein solches hätte es allerdings finanzkräftiger Sponsoren bedurft, denn einmalige Drucklegung und Erscheinung kosten unterm Strich natürlich weit weniger als mehrmalige. Genau an diesem Problem scheiterte mein erster Anlauf.
Der dritte Anlauf folgte auf dem Fuße, er hatte sich im Grunde schon während des Verlagsdesasters abgezeichnet. Nachdem mich Lydia Schönberger, welche mittlerweile einen Verlag gegründet hat, monatelang vergeblich zu überreden suchte, doch mit ihr das Projekt zu wagen, gab ich schließlich nach. Mein langes Zögern hatte gute Gründe. Ich wusste mittlerweile (oder ich glaubte es zu wissen, tatsächlich hatte ich aber noch keine Ahnung!), wie viel Arbeit und Geld für die Durchführung vonnöten waren. Ich fürchtete, dass ich sie am Ende in den finanziellen Ruin stürzen würde, denn wer kann im Vorhinein sagen, ob sich das Druckwerk überhaupt rentieren wird? |
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Nina war wie sie schon schrieb erst ziemlich skeptisch mit mir das Druckwerk zu produzieren (manchmal habe ich das Gefühl, sie ist es heute noch). Aber ich drängte wohl zu viel, so dass sie dann doch eines Tages nachgab. Damals war ich voller Enthusiasmus und überglücklich mit ihr das Druckwerk machen zu dürfen. Heute, nach vielen stressgeplagten Abenden und Wochenenden, bin ich schon etwas müde. Aber dies ist wohl nur ein vorübergehender Zustand. Denn eigentlich freue ich mich jetzt schon sehr, das Album am Markt zu sehen. Die folgenden Alben werden sicher von meiner Seite nicht mehr so stressig. Die Firmengründung gleichzeitig mit der ersten Heftproduktion war, würde ich aus heutiger Sicht sagen, dumm. Viel besser wäre es gewesen, die Firmengründung vor der Produktion zu beenden. Aber wir sind ja zwei Verrückte, daher passt das schon so wie es lief. |
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| Das Format | ||
Meine erste Aufgabe war es, die Geschichte in 3 logische Teile aufzuspalten. Dann musste ich berechnen, wie viele Seiten mit den pro Teil vorhandenen Strips gefüllt werden konnten. Die Differenz ergab jene Anzahl an Strips, welche zusätzlich gezeichnet werden mussten.
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Nina von der Heftidee abzubringen war gar nicht so schwer wie ich erst dachte. Ich war der Meinung, dass wir uns mit einer Heftserie nicht nur finanziell sondern auch in Bezug auf die dafür notwendige Zeit übernehmen würden. Sponsoren waren sowieso, aufgrund des Themas, keine in Sicht. Deshalb war die Sache mit dem Album ein guter Kompromiss. Bezüglich der Teilung der Geschichte und der dafür notwendigen zusätzlichen Strips haben wir sehr lange gebrütet. Einziger Knackpunkt war der dritte Band. In die dafür vorgesehenen Strips ließ sich - laut Ninas Aussage - kein Einschub mehr machen, weil die Handlung dafür zu dicht sei. Daher wollten wir hier ursprünglich nur ein 48 Seiten-Heft machen. Eines schönen Tages jedoch rief mich Nina freudig an und erzählte mir, sie hätte eine Idee, und wir können auch den dritten Band mit 64 Seiten konzipieren.
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| Zwei DAUs in Sachen Druckvorstufe | ||
Eine Tatsache, mit der ich Lydia von Anfang an konfrontiert hatte, war die, dass ich selbst keine Ahnung vom Druck habe. Ich bin kein ausgebildeter Grafiker, kenne mich weder mit CMYK-Farben noch mit Layout aus. Ich wäre, so warnte ich sie, nicht mal in der Lage, ein Cover zu entwerfen. |
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Ninas Zweckpessimismus hat nicht nur einmal dazu geführt, dass wir zwei heftig aneinander krachten. Gleich zu Beginn in Sachen Cover und Layout. Für Nina eine Hürde, die ihr bildlich gesprochen aus dem Kopf wuchs und niemand überspringen kann. Schon gar nicht sie selbst. Ich versprach, ich kenne jemanden, der das kann, und das Layout mache ich selbst. Das ist ganz einfach. Sie glaubte mir trotzdem nicht, und das Thema kam hundert Mal auf den Tisch. Ich nahm daraufhin mit einer damals guten Freundin Kontakt auf, da deren Freundin Grafikerin ist. Ich dachte, das ist eine gute Idee. Aber dem war schlussendlich nicht so. |
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Kann man es mir verdenken? |
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Ich nahm daraufhin mit Vicki, einer ehemaligen Freundin, zaghaft Verbindung auf. Sie ist Druckvorstufentechnikerin und immer für wahnsinnige Ideen zu haben. Nach einigen Überredungskünsten willigte sie ein zu helfen. Ausgleich. Eine Freundin weg, eine andere kam zurück. Die Zusammenarbeit gestaltete sich anfangs recht schwierig, aber wir fanden im Laufe der Zeit immer besser zueinander. Ich gebar Ideen, Vicki setzte sie um und Nina zerstörte die Sandburg. Zuletzt bauten wir mit Beton, und Nina motzte wenigstens nur noch am Anstrich herum. Das Layout der Strips war dann wirklich eine Kleinigkeit und an zwei Abenden erledigt. Die Konklusion: Ich habe viel gelernt, ein paar graue Haare gewonnen und dank Ninas Kater Alfred meine Katzenallergie so oft bestätigt bekommen wie noch nie zuvor in meinem Leben. |
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| Justitias drohender Zeigefinger: die vielen potentiellen Rechtsfallen | ||
Der Bilderstreit |
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Nie hätte ich geahnt, dass mein bescheidener Wunsch, meine Hintergrundinformationen auch in die Druckversion zu integrieren, ein so gewaltiges Problem darstellen könnte. Der Bilder und Fotos, mit welchen ich meine Erklärungen illustrieren wollte, wird man in druckfähiger Auflösung nicht so einfach habhaft. Derartiges Material wird von Bildagenturen gesammelt und zum Verkauf angeboten aber wer nun denkt, das sei alles kein Problem, der irrt gewaltig. Erstmal muss man ein Bildarchiv finden, von welchem man annimmt, dass es die gesuchten Bilder überhaupt auflistet. Dieses Kasperltheater war mir unterm Strich zu mühsam, ganz abgesehen von der Tatsache, dass die Heiligen Archivhallen aber auch gar keines von den Bildern enthielten, welche ich suchte. Dies ist der Grund, warum es (zumindest im ersten Band) keine Fotoabdrucke in den Hintergrundinformationen gibt. Ich schließe für Band 2 und 3 nichts aus, werde mir den Aufwand gemessen an der Wichtigkeit der Bilder jedoch gut überlegen!
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| Der Titelstreit |
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Dies war eigentlich nur ein Streit zwischen Nina und mir. Leider kam ich erst sehr spät zu der Vermutung, dass der Titel "Der Tod und das Mädchen" eventuell durch einen anderen Verlag besetzt sein könnte. Nina bestand auf ihrem Argument, dass dieser Titel 'Allgemeingut' sei, weil er schon seit Jahrhunderten hinweg immer wieder verwendet worden wäre, aber darauf wollte und durfte ich mich als Verlegerin nicht verlassen. Bekanntlich hat die Rechtsprechung ihre eigene Logik. Eine Anfrage bei Titelrechtsexperten bestätigte dann meine Befürchtungen. Deshalb musste eine Titelrecherche her. Also Telefon her und Nummer gewählt. Ein Fax hob ab. Toll. Nächster Verlag. Wieder ein Fax. Und beim dritten Verlag das gleiche
Spiel von Neuem. Also versuchte ich die Durchwahl wegzulassen. Ich sparte mir danach die Anrufe bei den anderen Verlagen und schrieb eine Telefonnotiz. Ich hoffe, die hilft, falls doch noch Klagen eintrudeln.
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| Der Tod und der Autor |
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Ein weitaus größeres Problem stellte sich für uns mit der vormaligen R.B.-Historie. Diese wird nur alteingesessenen Lesern bekannt sein all jene, die erst ab Mitte Juli 2005 hinzugestoßen sind, werden sie nur mehr unter dem Titel Der Tod und der Autor vorfinden. Sie werden vermutlich auch nicht wissen, wer mit R.B. gemeint ist aus rechtlichen Gründen muss ich leider auf die volle Ausschreibung des Namens verzichten. Um ganz sicher zu gehen, dass wir mit keiner Klage konfrontiert würden, schrieben wir an die Agentur von R.B. eine Anfrage, ob wir die Episode drucken dürften. Wir legten die gesamte R.B.-Historie als pdf-File bei, verfassten eine ausführliche Erklärung, worum es darin ging und hofften auf baldige Klärung. Hier kommt Batman ins Spiel. Just als uns der negative Bescheid erreichte, saß ich nämlich im Kino und sah mir "Batman returns" an. Ich muss gestehen, ich kann nicht beurteilen, ob der Film nun gut oder schlecht war. Lydia schickte mir in ihrer üblichen Liebenswürdigkeit ein SMS, das mich erreichte, bevor der Film anfing. Ich war daraufhin so wütend auf die Agentur, dass ich mich nicht wirklich auf die Filmhandlung oder deren Logik konzentrierte. Ich sah bloß haufenweise Action und Kampfszenen und die verfehlten ihre Wirkung nicht. Lydia blieb verzagt, aber ich scheine derart aggressiv gewirkt zu haben, dass sie nicht widersprach. Das Ergebnis mag jetzt für Nicht-Eingeweihte ein wenig befremdlich wirken (Was ist das für ein ominöser Autor? Wieso wird sein Name nie genannt?), jedoch ist genau das beabsichtigt.
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| Die Tücken der Verlagsgründung | ||
Was im Bezug auf den Verlag alles zu beachten ist, war mir anfänglich nicht sonderlich bewusst. Juhu, wir gründen einen Verlag. Aber wo? Die Schweiz, mein derzeitiger Wohnsitz, schied aufgrund der Nicht-EU-Mitgliedschaft und der daraus sicher resultierenden Probleme aus. Wien als Verlagsstandort kam für mich, schon aufgrund der mäßig bis gar nicht vorhandenen Comickultur (jetzt werde ich sicher von einigen geschlagen) und meiner Aversion gegenüber der österreichischen Regierung und deren Steuer- und Kulturpolitik, nicht in Frage. Blieb nur noch Deutschland, und da musste es Leipzig sein. Der Verlagsstandort schlechthin in Europa. Angeblich gibt es in Leipzig 82 Verlagshäuser, ich bin wohl das dreiundachzigste.
Druckereiverhandlungen. Reisen. Bern Wien Leipzig Düsseldorf (dort sitzt meine Steuerberaterin). Berufsgenossenschaft, Finanzamt, Büroservice. ISBNummer. Endlose Diskussionen mit Nina. Anfragen bei IHK. Messebesuche bei wenig kooperativen Kollegen (Jan Dinter vom Zwerchfell-Verlag sei hier als positive Ausnahme hervorgehoben, er war mir eine grosse Hilfe). Vertriebsanfragen. Telefonate. E-Mails. Und immer wieder: "Du gründest einen Verlag? Hahahaha!" "Du gründest einen Verlag? Wow!" Man muss schon sehr idealistisch sein, um sich das alles anzutun.
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| Vertrieb & Marketing | ||
Ein wichtiger Aspekt, an den viele Selbst- und Kleinverleger zu wenig denken, ist die Verbreitung des gedruckten Werkes. Letztlich auf 5000 Stück Alben sitzenzubleiben, ist ein Los, das wir tunlichst zu vermeiden suchen, ergo haben wir von Anfang an beschlossen, den Comic nicht bloß via Online-Shop zu vertreiben. Die Reichweite dieses Mediums ist begrenzt, viel wichtiger ist es, jene Käuferschicht auf sich aufmerksam zu machen, die das Produkt noch nicht kennt. Genau das ist es aber auch, was die Produktion des Comics weiter verteuert. Sowohl der Vertrieb kostet Geld, als auch Marketing und Werbung. Beide sind unverzichtbar. Sollte alles gut gehen, wird das Comicalbum ab Mitte September 2005 in allen deutschen Bahnhofs- und Flughafenkiosken aufliegen, österreichweit .... Die Schweizer werden sich leider auf Bestellungen via Online-Shop begnügen müssen - allein schon aufgrund der Einfuhrbestimmungen aus dem EU-Raum in die Schweiz war uns hier eine flächendeckende Belieferung zu riskant. |
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Mir war von Anfang an klar, dass der erste Band keinen Gewinn abwerfen wird. Selbst mit allfälligen Sponsorgeldern wird wahrscheinlich nicht mehr als Break-Even zu erreichen sein. Aber ich bin guten Mutes. Ohne Werbung kein Verkauf, ohne Verkauf kein Gewinn. Das zweite Album wird aller Voraussicht nach nicht mehr diesen Aufwand verursachen. Sofern sich der erste Band gut verkauft, könnte sich der zweite Band sogar rechnen. So hoffe ich. |
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