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Belletristik

Ich fasse unter diesem Begriff alles zusammen, was Literatur im weitesten Sinne (im Gegensatz zu Sachbüchern) darstellt und nicht in eine der gesondert aufgelisteten Subkategorien fällt.

 

Das Parfum von Patrick Süskind (Diogenes 2000)

Eine großartige Satire und nach wie vor eins meiner Lieblingsbücher. Es handelt im großen und ganzen von der Erbärmlichkeit der Menschen, ihrer Triebhaftigkeit und Dummheit. Das alles vermittels einer Handlung, die im Paris Mitte des 18.Jahrhunderts spielt. Jean-Baptiste Grenouille, der olfaktorisch hochbegabte Anti-Held, erhebt sich über die Gesellschaft, indem er ihr auf den Grund riecht, sie ausnutzt, manipuliert und bloßstellt, bis ihm als letzter Sieg nur noch der Untergang bleibt.

 

     

Die Mechanismen der Freude von Ray Bradbury (Diogenes 2002)

Dieser Erzählband enthält einige von Bradburys Meistererzählungen und ist ein idealer Einstieg. Man kann schwer sagen, ob Bradbury generell gut oder schlecht schreibt. Einige seiner Erzählungen strotzen von arg angestaubter Naivität, andere wirken so zeitlos und frisch, dass sie einem den Atem rauben. Beispiel: "Ich warte" (Original: "The one who waits"). Eine der wenigen Geschichten, die bei mir einen nachhaltigen Schauer ausgelöst haben.

     

Der Tod ist ein einsames Geschäft von Ray Bradbury (Diogenes 2000)

Venice, Kalifornien, in den frühen 50er Jahren. Hauptfigur dieses Romans ist der (auch in anderen Werken und Erzählungen immer wieder auftretende) junge, fast schon strafbar unschuldig-naive, namenlose Autor: noch am Anfang seiner Karriere stehend, ohne Geld in den Taschen, mit nichts weiter als einer alten Schreibmaschine und einer enormen Portion Idealismus ausgestattet. Es ist niemand geringerer als Bradbury selbst, und er hat sich nicht unbedingt im vortrefflichsten Licht gezeichnet. Ein Superheld ist dieser Held nicht eben, er stolpert mehr durch die Handlung, als dass er sie bestimmt. Die Ereignisse treiben ihn immer tiefer in eine zutiefst melancholische Kriminalgeschichte.
Vom Trubel der Gegenwart ist nichts zu spüren, sämtliche Protagonisten haben sich in eine Scheinwelt aus Erinnerungen zurückgezogen, in der die Vergangenheit, insbesondere die goldene Stummfilmzeit, heraufbeschworen wird.
Doch der Glanz ist verblasst, die Farben verblichen, und ergo tummeln sich in diesem Roman nur verlorene Existenzen, die ihren Bezug zur Realität im Grunde längst verloren haben.

Die Geschichte enthält eine durchaus spannende Krimihandlung (mit etwas absurdem Ende), was mich daran jedoch besonders beeindruckt hat, war die unglaublich depressiv-nebelig-graue Stimmung, die beim Lesen entstand. Das ist vermutlich keine Eigenschaft, die das Buch den meisten Lesern schmackhaft macht, ich kann jedoch beruhigend versichern, dass die sonnige Natur des Helden den Leser vor dem eigenen Absinken in die Trübseligkeit bewahrt. Vielleicht habe außerdem nur ich diese Wirkung verspürt, weil ich ebenfalls ein Faible für die 20er Jahre habe.

     

Friedhof für Verrückte von Ray Bradbury (Diogenes 2002)

Dies ist die Fortsetzung von "Der Tod ist ein einsames Geschäft", welche die Hauptfiguren des ersten Romans in ein weiteres eigentümliches Krimiabenteuer im Hollywood-Milieu von anno dazumals stürzt.
Leider erreicht dieser Roman nicht die Qualität des Vorgängers, er enthält jedoch einige unerwartete Absurditäten, die ihn wiederum lesenswert machen.

     
Der Meister und Margarita von Michail Bulgakov (Luchterhand 2006)

Der Roman gilt als Jahrhundertwerk, und das zurecht. Ich war selten von einem Buch derart beeindruckt. Oder sagen wir: von einem halben Buch. Die Handlung gliedert sich in 2 Teile. Zum einen haben wir die "Gegenwart", was sich auf die späten 20er Jahre im prä-stalinistischen Russland bezieht. Der Teufel gibt sich dort ein Stelldichein, was so manchen braven Genossen (der freilich nicht an den Satan glauben darf) an den Rand des, wenn nicht gar in den Wahnsinn treibt.

Bulgakov bringt hier eine Gesellschaftssatire mit massiven Seitenhieben auf die Literatenzirkel, die ihm den Eintritt in ihre erlauchten Kreise verwehrten.
Parallel dazu lesen wir die Geschichte von Pilatus, und zwar teils als Roman im Roman, teils als Handlungselement, welches sich gegen Ende wieder mit der Haupthandlung verknüpft. Kurioserweise ist es diese 2000 Jahre alte Geschichte, die dem Roman seine Zeitlosigkeit verleiht. Die Abrechnung mit den Apparatschiks und dem jungrevolutionären Russland wirkt (und ist de facto) überholt, die im Verlauf der Handlung immer toller werdenden phantastischen Elemente sind zwar amüsant, wirken zugleich aber auch ein wenig aufgesetzt. Die Pilatus-Geschichte hingegen besitzt eine Multidimensionalität, die ungeachtet der religiösen Einstellung des Lesers einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

     
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© Nina Ruzicka www.cartoontomb.de