Mainstream & Kommerz
Es kommt immer wieder mal vor, dass ich zu hören bekomme, meine Arbeiten (die veröffentlichten, also “NINA” und “Der Tod und das Mädchen”) seien Mainstream oder gar Kommerz. Mal wird das als durchaus beleidigend geäußert, oft aber in unschuldig bis gutmeindendem Tone. Warum ich dennoch ziemlich allergisch dagegen reagiere, sei hiermit erklärt:
Das Wort “Mainstream” bedeutet zunächst einmal, dass etwas dem allgemeinen bzw. mehrheitlichen Geschmack entspricht. Das ist an sich ja noch nicht schlecht, doch hat es zudem noch den Subtext, dass es extra für den Massengeschmack geschaffen wurde. Sprich: Man sieht sich an, womit man die Interessen weitflächig bedienen kann und handelt dann entsprechend danach.
“Kommerz” ist noch eine Steigerung des ganzen, indem bewusst der finanzielle Aspekt dahinter in den Vordergrund gestellt wird. Mit einer Mainstream-Geschichte könnte man idealistischerweise noch versuchen, seine Botschaft unter das breite Volk zu streuen, mit einer kommerziellen Geschichte steht jedoch eindeutig der Gewinn im Vordergrund.
Meine Arbeiten entsprechen keiner dieser beiden Definitionen.
Das mainstreamigste Werk, das ich geschaffen habe, war sicherlich die NINA, denn diese entstand im Auftrag einer Frauenzeitschrift. Hätte ich nicht monatlich Geld dafür bekommen, wäre die Serie sicher nie entstanden. Also doch Kommerz? Nicht ganz. Denn wie ich oben schon sagte: Bei Mainstream oder Kommerz schaut man sich zuerst an, was den Massen gefällt, dann erst schreibt man. Das war bei mir aber nie der Fall.
Ich hatte bei NINA die Auflage, eine Cartoonserie für eine Frauenzeitschrift zu gestalten. Die Protagonistin ist nun aber sicher keine typische Frau, sie stellt sich quer, wo sie nur kann, sei es gegen die eigenen “Geschlechtsgenossinnen” (was für ein verblödetes Wort!), sei es gegen gesellschaftliche Normen. Das ganze hätte freilich auch radikaler sein können, aber dann hätte es nicht mehr meinem Humor entsprochen. Damit will ich ausdrücken: Ich habe meinen Humor so gut wie nie der Frauenzeitschrift, die mich dafür bezahlte, angepasst, das ganze lief ganz nach meiner Vorstellung. Bis gegen Schluss, als mir immer mehr dazwischen zu reden versucht wurde, was dann ja auch dazu führte, dass ich der Zeitschrift den Rücken kehrte.
“Der Tod und das Mädchen” ist noch viel weniger Mainstream oder gar Kommerz, denn der Comic ist zu 100% gänzlich ohne Vorgabe und allein auf meinem Mist gewachsen. Ja, der ORF hat lange Jahre dafür bezahlt – aber ohne zu wissen, worauf er sich da einlässt. Ob das Ei ein goldenes oder ein faules sein würde, wusste damals keiner, und mir war es egal. Ich habe mich natürlich darüber gefreut, als der Comic einen gewissen Beliebtheitsgrad erreichte, aber das war ein erfreulicher Nebeneffekt, nichts, was ich bewusst angestrebt hätte. Die Geschichte war und ist immer so, wie ich sie mir vorstelle, und kein Mehrheitswunsch könnte daran etwas ändern. Kommerziell war das ganze schon mal gar nicht, weil ich für einen erfolgreichen Comic nicht mehr verdient habe als für einen erfolglosen; er wurde bloß nicht vorzeitig abgesetzt. Aber als der Comic-Kanal geschlossen wurde, habe ich den Comic schließlich gratis auf meiner eigenen Website fortgesetzt und tue das noch – egal ob er nun gedruckt wird oder nicht. Als “kommerziell” kann man das also nicht bezeichnen.
Ich hole so lang und breit über das Thema und die Definitionen von “Mainstream” und “Kommerz” aus, weil es mir wichtig ist und doch immer falsch verstanden wird. Ich schaue einzig und allein auf meine Geschichte und ich zeichne sie so, wie es meinem Stil entspricht. Wenn danach ein Erfolg daraus wird, umso besser, aber dann ist es nicht Mainstream.
Was auf meine Arbeiten aber ganz generell nicht zutrifft, denn ich habe weder Millionen an Lesern noch Millionen auf dem Konto.
