Der Schenkelklopfer
Es wird Zeit, meine Leser mit einem speziellen Teilbereich meiner Privatphilosophie bekannt zu machen: dem Schenkelklopfer.
Der Schenkelklopfer ist derjenige, welcher in höheren Sphären für mein persönliches Schicksal zuständig ist. Ich bin der Ansicht, dass jeder Mensch da seinen Sachbearbeiter hat, und meiner ist eben der Schenkelklopfer. So von mir benannt, weil er eine ziemlich schräge Art von Humor besitzt. Er ist schadenfroh bis dorthinaus, und wenn er mal die Order von ‘oben’ kriegt, dass mir irgendetwas zu gelingen habe, denkt er sich unter Garantie: “Wie langweilig, das müssen wir doch noch ein bisschen ausschmücken!” Woraufhin er mir einen Streich spielt und sich dann vor Lachen auf die Schenkel klopft.
In anderen Worten: Es gibt für mich keinen Glücksfall ohne Wermutstropfen. Extrem absurde Wermutstropfen, denn der Schenkelklopfer ist kreativ, der gibt sich niemals mit simplen Streichen ab. Andererseits tut er mir selten so richtig Böses an. Er reizt mich lediglich solange zum Zorne, bis ich kurz vor der Verzweiflung stehe. In letzter Sekunde hört er dann auf und reicht mir ein kleines Trostpflästerchen, über das ich, geschüttelt und gebeutelt wie ich bin, dann sogar noch froh und dankbar bin. Sollte ich ihm je von Angesicht zu Angesicht begegnen, werde ich ihn würgen bis meine Finger blau anlaufen.
Jeder, der mich näher kennt, ist mittlerweile von der Existenz des Schenkelklopfers überzeugt, und ich denke, es ist für die Menschheit im allgemeinen und meine Leserschaft im speziellen von höchster Wichtigkeit, von eben beschriebener Wesenheit der Schenkelklopfer zu erfahren.
Denn möglicherweise gibt es ja noch mehr von ihrer Sorte.
