Warum T&M nie einen Preis für Fotorealismus gewinnen wird
Geschrieben in T&M, Technische Details am Dienstag, 02.11.2010Ich stelle die Mail eines Lesers hier mal unkommentiert rein. Bildet euch eure eigene Meinung. :-)
Ich verfolge “der Tod und das Mädchen” schon von anfang an.
Leider schleichen sich gerade in die komplizierten und aufwendigen
bilder immer wieder perspektivenfehler ein:http://www.cartoontomb.de/deutsch/tod2.php?bild=07_09_04.jpg
Die meisten details einschließlich der lampen vermitteln den eindruck,
der betrachter befinde sich in erhöhter position. Das einzige, was nicht
dazu passt, ist die geöffnete tür, die nur so aussehen kann (mittlere
kante horizontal und obere kante verläuft nach oben), wenn der
blickpunkt knapp über der türklinke liegt. Alle kanten der tür müssten
vom scharnier ab nach unten verlaufen, dann wäre es richtig.http://www.cartoontomb.de/deutsch/tod2.php?bild=04_01_01.jpg
Hier passt der “8″-würfel zu nichts, das gebäude im hintergrund wirkt
auch wie aus der höhe der straße betrachtet, in der halle aber ist der
blickpunkt von oben.Am besten zuerst die höhe des “betrachters” festlegen und dann alle
details darauf ausrichten (weiter weg liegende punkte auf gleicher
tatsächlicher höhe sind im bild näher am “horizont” …. auch wenn
dieser im bild nicht sichtbar ist).Soll bitte nicht als zu negative kritik aufgefasst werden, ich liebe
ansonsten den zeichenstil! Aber gerade in so aufwendigen großformaten
fallen die perspektivenfehler doch eher unangenehm auf.
P.S.: Bitte in den Kommentaren keine Schlachtrufe posten, ich bin an eurer Meinung interessiert und werde meine nach gegebener Rückmeldung seitens meiner Leser posten.

Also wenn ich mich an so etwas stoßen oder auch bloß länger aufhalten würde, würde ich mir ja selbst den Spaß am Comic verderben.
bild eins: ja, die scharniere der tür müssten nach unten verlaufen.
bild zwei: der würfel wirkt perspektivistisch als ob er sich ca. 20-25 meter über dem boden befindet (er ist ca. auf derselben höhe wie das gebäude hinten, pro stock mal grob 3 meter gerechnet, etwa 7 stöcke). auch wirkt es so als ob die landschaft nicht flach ist, sondern bis zum parkplatz flach und hinter dem parkplatz abknockt, weil die kanten des gebäudes hinten plötzlich nach oben verlaufen.
aber da muss ich mich schon achten, beim blossen lesen/anschauen wär mir das nicht aufgefallen.
Ach was. Der hat nur nen Knick in der Linse. Im ersten Bild haben sie ein paar ungeformte Möbel verwendet (waren bestimmt billiger, und wer vom Schicksal ist schon Handwerker…) und der Maler hat an der Wand beim Tapezieren ein bisschen geschlurt.
Und im zweiten Bild ist gar kein Würfel, das ist ein Gebilde, was künstlerisch verformt ist. Ist ja schließlich ne moderne Messehalle, nech…
:-P
zusatz: erstens darf man dir ja künstlerische freiheit gönnen; wir leser kriegen ja sehr viel von deinen zeichnungen und daher finden ich diese perspektivistisch nicht überkorrekten landschaftsbilder nicht wirklich störend. ich achte viel mehr auf die stimmung im bild und auch, wie du menschenmassen darstellst, mit den verlorenen blicken mancher person die dem betrachter näher steht. und das mag ich sehr.
Gab es In Teil 1 nicht mal so einen Laster, der auch ein Gelenk zu viel hatte? Das Problem wurde glaube ich damals so gelöst, dass jemand den Laster mit Lego nachbaute. Könnte jemand den 8er Würfel mit Lego nachbauen, an eine Schnur hängen und ihn dann wie ein Pendel über einem Raum schwingen lassen? Dann müsste sich ein ähnliches Foto mit schiefem würfel erzeugen lassen. Ich denke nämlich dass das Bild keinen Perspektivefehler hat, sondern nur sehr viel bewegter ist, als es auf den ersten Blick aussieht. ;-)
Beim Casino fällt mir aber spontan kein Trick ein, könnte also sein dass da tatsächlich die Perspektive versemmelt wurde. Naja, Jean-August-Dominique Ingres und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein haben hin und wieder Anatomiefehler eingebaut. Deswegen sind die Bilder nicht weniger schön, berühmt,…
Schlechte Kritik ist immer ärgerlich, aber zeigt immerhin, dass man gut genug ist kritisiert zu werden. Lästig finde ich persönlich nur gut gemeinte Ratschläge.
Also am ersten Bild fällt mir auf, dass (für mich) die Wand links von der Tür nach vorne zu verlaufen scheint, und danach nach hinten (also eine kante anstatt einer ecke) … was durchaus beabsichtigt sein kann. Ansonsten mein ich, dass der Lüster ein wenig tief hängt.
Zweites Bild … hmh – fiele mir nix auf … 8er-Würfel … ist halt eine interessante Kameraperspektive ;-)
Aber seit wann ist fotorealistischer Fotorealismus bei Comics so wichtig?
Ich mein … bei Mangas stört sich auch keiner daran, wenn urplötzlich ein Wechsel von “Realocomic” auf “Funnycomic” stattfindet … (und das find ich persönlich ärger als arg).
Außerdem dacht ich bislang, dass es bei “Der Tod und das Mädchen” um die Handlung und den Text ginge und die Bilder “nur” Transportunterstützung sind.
Sachlich ists ja richtig.
Aber wenn ich Fotorealismus will, geh ich zum Helnwein.
Mach einfach weiter so, wir wollen unterhalten und nicht belehrt werden.
Gegen künstlerische weiterentwicklung ist natürlich nichts einzuwenden…
Also mir ist nichts Negatives an dem aktuellen Bild aufgefallen. – Im Gegenteil, mir kommt es so vor, als wäre ich mitten drinnen sozusagen “live” dabei.
Okay, jetzt also mein Senf.
Der Leser, der mir die Kritik geschickt hat, hat vollkommen Recht, jedoch aus der umgekehrten Richtung. Und damit hat er mir geholfen, mein generelles Grundproblem, das ich mit meinem eigenen Zeichenstil habe und das ich bislang nur ungenau in Worte fassen konnte, anzufokussieren.
Mir ist die Perspektive nicht zu ungenau, sondern zu wenig abstrakt.
Was ich damit meine, kann ich selbst nur annäherungsweise beschreiben, weil ich selbst kein hundertprozentig genaues Bild davon habe, wie ich es überhaupt haben will. Fakt ist nur: Ich habe Zeichentrickfilme im Hinterkopf. Jene der klassischen Machart, wo die Hintergründe statisch und in einem gänzlich anderen Stil gezeichnet sind als die animierten Figuren im Vordergrund. Ein wenig kulissenhaft.
Zwar will ich diesen harten Kontrast nicht 1:1 übernehmen (dazu müsste ich die Hintergründe gänzlich ohne schwarze Linien zeichnen, am besten aquarellieren), aber irgendwas in der Art. Es soll eine Perspektive sein, die ein Raumgefühl erweckt, aber dennoch nicht ganz richtig ist. Also keine völlig abstrakten Räume wie bei Tim Burtons frühen Filmen, aber irgendwie in die Richtung gehend. Die Objekte sollen ein wenig wie Kulissen im Raum stehen, aber dennoch dazu gehören.
So könnte man ungefähr beschreiben, was ich im Kopf habe. Ich habe keine fixe Vorstellung von dem Stil, daher habe ich ihn auch noch nicht getroffen, ich weiß nur, wie’s in etwa sein soll. Und dieser groben Idee folgend, ist der oben erwähnte Würfel oder auch die Außenansicht der Stadt genau das, was ich eigentlich will. Vermutlich hab ich zu viel andere “richtige” Perspektive mit dabei, die verhindert, dass die “schiefen” Teile beabsichtigt aussehen. Andererseits, wie viel schiefe Perspektive kann man einbauen, damit der Effekt noch leicht und nicht übertrieben ist? Es soll ja nur ein vages Gefühl sein, keine extreme Verzerrung.
Mein Kernproblem ist, dass ich während des Zeichnens leicht ins Fiezeln abgleite und dann genauer (also “richtiger”) werde, als ich es mir eigentlich vorgenommen habe. Und dadurch wirken dann einzelne Details verkehrt ins Bild eingepflanzt, so wie besagte Tür. Die hat mir tatsächlich selbst zu schief ausgesehen, deshalb habe ich sie nun geändert. Aber auch nur nach Gefühl. Ich will sie nicht völlig “richtig” haben. Ich will ein bisschen Collagencharakter. Aber dazu müsste ich mal eine einheitliche Linie finden und nicht so einen Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Hybridstil zwischen perspektivischer Genauigkeit und Verzerrung, der letztlich bewirkt, dass die eigentlich gewollte Abweichung von der Perspektive wie ein Fehler aussieht.
So. Viel geschwafelt, hoffentlich auch ein bisschen was gesagt. Das Endfazit ist, dass ich wohl bis ans Ende dieser Geschichte eine Stilsuchende bleiben werde, weil ich eigentlich auch gar nicht zu viel über die Zeichnung nachdenken will. Ich wollte hier nur mal wieder ausdrücken, was mein eigentliches Ziel wäre, würde ich mich wirklich zeichnerisch anstrengen.
Tja, also ohne diese Mail wär mir da nix aufgefallen, und selbst mit fällt es mir nicht wirklich auf, beziehungsweise ist es nichts was mich massiv stören würde.
Ist ja nicht so, als ob du alles krumm und schief zeichnen würdest, ich finde die Bilder zumindest für meinen unkritischen Blick sehr stimmig und gut gezeichnet.
Aber naja, wenn halt einer meint bei jedem Bild ein Lineal anlegen zu müssen, dann lass ihm halt seinen Spaß. :)
Hm, was ich bei den meisten deiner Großbilder hatte, war dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt bzw. seltsam ist. Ich habe das allerdings weniger als Fehler, statt als eben Ninas Stil hingenommen. Nicht störend, sondern eben anders und die besondere Note ;)
ok.. gut.. über das 2te Bild mit dem Aussengebäude könnte man streiten…
Aber beim ersten im Casino ist für mich keine Gefahr für die Perspektive gegeben. Da durch die Darstelllung der Tür bzw. Lampen zu Tisch/Spieler klar definiert, dass sich die “Kamera” oder halt der Betrachter genauf auf Höhe der Türoberkante befindet.
Auch über die Linien der Tür vom Schanier weg, gibts nichts zu bekriteln. Sie laufen alle richtig zum Blickpunkt hin.
Lass dir vom Leser das Bild doch ausbessern, soll er mal das Bild selber neuzeichnen; In der Comic-Qualität wie wir es gewöhnt sind.
Ansonsten schließ ich mich bei “Mausi” an.. Lass ihm(ihr) den Spaß.
Also aus eigener Comic-zeichen-Erfahrung weiß ich, daß das perspektivisch korrekte Zeichnen eine elende Qual ist. Wenn Du das möchtest, mußt Du schon mit Fluchtpunkten und Hilfslinien arbeiten.
Ich finde, daß Dein Output allein schon bemerkenswert ist. Würdest Du übertrieben genau auf solche Nebensächlichkeiten, wie 100% genaue Perspektive, achten, würdest Du Dich nur unnötig selber ausbremsen.
Nimm es als künstlerische Freiheit und mach Dich damit nicht verrückt. Es handelt sich hier schließlich um einen Comic, der in Richtung Funny-Stil geht, und nicht um eine Doktorarbeit in Architektur. Und jeder der es anders sieht, sollte es einmal selbst versuchen, bevor er sich aufregt.
Mach weiter so.
Ich finde es ja immer wieder schön anzusehen, wenn die “Anhänger” einer Person die unter Kritik steht, die Kritik zerreissen, während die kritisierte Person die Kritik als eben jene annimmt und sogar darauf eingeht.
Besonders spannend finde ich die Tatsache, dass 3 der 4 Kommentare nach Ninas Kommentar, diesen scheinbar gar nicht gelesen haben.
Die Kritik war vollkommen gerechtfertigt und konstruktiv vorgetragen. Daran ist nichts auszusetzen. Eigentlich ist das sogar genau die Art von Kritik die man sich erwünscht.
Er hat darauf hingewiesen, dass es an bestimmten Stellen Fehler gibt, diese sogar genau benannt und einen Lösungsvorschlag gegeben. Dadurch ermöglicht er es, dass diese Fehler ausgebessert werden können (insofern diese nicht beabsichtigt sind) und verbessert somit womöglich das Gesamtergebnis für alle die sich diese Bilder ansehen.
Natürlich konnte der Kritiker nicht wissen, dass diese kleinen Detailfehler zum Zeichenstil gehören. Woher auch? Nina weiß ja selbst noch nicht genau, wie der Zeichenstil aussehen soll.
Und Aussagen wie “Soll er es doch erstmal besser machen” sind grundsätzlich unnötig. Nur weil der Kritiker ein Auge für bestimmte Details hat und ihm diese dadurch leichter auffallen, heißt es ja nicht, dass er auf allen anderen Gebieten besser als die kritisierte Person ist. Aber woher soll die kritisierte Person denn wissen, wo seine Schwächen liegen, wenn niemand sie darauf hinweist? Kritik, und vor allem konstruktive Kritik, ist mit das wertvollste, was man einer Person geben kann. Und das nicht nur auf künstlerischer Ebene, sondern auch auf persönlicher Ebene.
Hat eigentlich schon einmal jemand Walt Disney belehrt, dass eine Ente anders aussieht als Donald Duck und dass Händer fünf statt vier Finger haben?
wie schon vor mir gesagt wurde ist die Kritik gerechtfertigt – die Fluchtpunkte stimmen nicht überein. Und auch war sie konstruktiv und nicht destruktiv.
Mir ist das perspektivisch korrekte Zeichnen jedoch völlig egal, weil ich einfach deinen Zeichenstil und die Ideen hinter dem Comic mag.
Außerdem fällt mir bei den Bildern eher die Detail-Verliebtheit auf als dass eine der Perspektiven nicht ganz stimmt.
Wenn dir die Kritik also geholfen hat deinen Stil zu perfektionieren, dann mach das. Sonst zeichne bitte weiter wie ich (wir) es gewohnt sind – mit dem gleichen künstlerischen Enthusiasmus und der Liebe zu den fertigen Bildern. Danke dafür.
@Melanie: und nicht zu vergessen die vielen anatomischen Fehler in Biene Maia (vier / sechs Extremitäten)
Als meist stiller Mitleser muss ich nun auch mal meinen Senf dazugeben.
Die Kritik an sich finde ich auch völlig in Ordnung. Diese kleinen Perspektive”fehler” haben mich trotzdem noch nie gestört, speziell den hängenden Würfel halte ich auch persönlich für in Ordnung.
Man möge mal ein Experiment machen und sich in der nächsten Bahnhofs-, Ausstellungs- oder Sonstwas-Halle auf erhöhte Position begeben und ein Foto machen, bei dem irgendwelche hängenden Reklame-Gegenstände im Vordergrund mit im Bild sind. Daheim von diesem Bild mal nur die Konturen stehen lassen, es eine Weile weglegen und dann wieder zu Hand nehmen. Die Perspektiven werden falsch aussehen. IMHO immer. Außer vielleicht bei 3D-Popup-Bildern. Es fehlt nämlich zur natürlichen Wirkung von Gegenständen weit außerhalb der Haupt-Objektebene die Fokussierunschärfe und das Doppelbild – und beides lässt sich in einem Comic schlecht einbauen. Mathematisch korrekte Perspektive wäre natürlich trotzdem möglich – aber ob die besser aussieht?
Der Unterschied zwischen den eher gemalten Hintergründen/Umgebungen und den gezeichneten Figuren ist IMHO schon deutlich wahrnehmbar. IIRC besonders seit dem Brand im Ballhaus, wobei dort die Lichtverhältnisse (noch) stärker auf die Personen übergestrahlt haben, der Effekt “Folienzeichnungen vor gemaltem Hintergrund” ist somit tendenziell eher stärker geworden. Geschmachssache, mir persönlich gefällts sehr gut!
Vieleicht kann Dich ja dieser Herr etwas bei Deiner Stilfindung inspirieren:
http://www.mcescher.com/
Hallöchen,
also ich finde die Kritik mal ein gutes Bespiel für sachliches Kritik üben. Keine Beleidigungen, keine Drohungen “Wenn du das nicht änderst, les ich nicht mehr mit” und scheinbar hat sie Nina auch geholfen ein Problem zu benennen, das sie mit ihrem Zeichenstil hat.
Also was will man mehr.
Mich “stören” solche Perspektivenfehler nicht, weil sie mir nicht auffallen. Wenn sich aber jmd. mit sowas auskennt und es ihm auffällt, kann ich mir schon vorstellen, dass es störend ist.
Aber jetzt wissen wir alle, dass Nina eigentlich gar nicht “richtig” sein will, sondern eher noch abstrakter. Haben wir alle was gelernt.
Noch ein kleiner Nachtrag.
Ich habe mir eben das Casino-Bild nocheinmal genauer angesehen.
Perspektivisch empfinde ich nichts als störend.
Was ich aber seltsam find, was nicht unbedingt negativ gemeint ist, ist die Lampe rechts, da es, verfolgt man sie von oben, aussieht, als hänge sie über den Personen, der Kopf des darüber stehenden Mannes ist aber davor, so dass es aussieht als befände sie sich weiter “unten”. Keine Ahnung ob man versteht was ich meine :D
Ist aber auch nicht so wichtig..m.M.
Ich verstehe beim aktuellen Bild die Kritik überhaupt nicht.
Himmel: das ist das “Schicksal”! *g*
Dort ist die Perspektive tatsächlich so, wer das Gegenteil beweisen will soll mir das Live Zeigen :)
Im Prinzip sind dort alle Perspektivischen Dinge möglich die in der realen Welt NICHT möglich sind, eben weil das dort nicht die reale welt ist.
So einfach ist das :)
lg
Heph
Ich empfinde Perspektivenfehler (wenn sie nicht gerade ganz fürchterlich offensichtlich sind) als nicht störend bzw. nehme sie als Stilmittel problemlos hin. Was ich im Casinobild aber auf den ersten Blick unglücklich fand (und weiter finde), ist die durch den Kronleuchter fortgesetzte Linie der Raumecke, dadurch wirkt der Leuchter noch platter als er durch dessen nur zart angedeutete Perspektive eh schon ist. Ich glaub’, ich hätt’ ihn einfach ganz weggelassen, sieht ein klein wenig so aus, als hätte der Platz noch gefüllt werden sollen, weil der Platz halt da ist (wo wir gerade bei Kritik sind).
Hm, eigentlich müßte man das im Vergleich sehen können. Dann kann man sagen, ob das eine Verbesserung darstellt oder nicht.
Aber irgendwie glaube ich nicht, dass Nina das Bild nochmal, diesmal perspektivisch korrekt, macht, nur damit ich, der ich mir das nicht im Kopf vorstellen kann, zufrieden bin.
Seufz. Es scheint noch immer nicht verständlich zu sein.
Wie würden denn die Figuren aussehen, würde ich sie “korrekt” zeichnen? Also so, wie Menschen in natura eben aussehen?
Ich kann’s dir sagen: Nicht mehr so, wie man sie kennt.
Es geht also gar nicht, den Raum “korrekt” zu zeichnen, weil es dann nicht mehr mein Comic ist. Würde also ein anderer Zeichner meine Geschichte fortsetzen, und hätte dieser Zeichner einen sehr naturalistischen Stil, ja, dann sähe das perspektivisch richtiger aus. Aber nicht unbedingt korrekter oder besser, eben nur in einem anderen Stil gezeichnet.
Wie würden Mangas aussehen, wären die Augen kleiner und die Nasen knubbelliger und die Gesichter individueller? Gänzlich anders? Ja. Richtiger? Nein. Verbessert? Ist wohl Geschmackssache.
Ihr versucht hier nach wie vor einen Absolutwert für “Richtigkeit” aufzustellen, den es aber einfach nicht gibt. Es gibt keinen “richtigen” Comicstil, insofern kann man auch nichts “verbessern”. Selbst wenn für mich die Mangafiguren ohne Scheunentoraugen besser aussähen, wären sie dadurch nicht allgemein besser oder richtiger.
Ergo kann man auch meinen Comic nicht “verbessern”.
Und du kannst ja jederzeit das Bild nehmen und die Fluchtlinien nachzeichnen. Du wirst erkennen, dass das Bild über weite Teile tatsächlich korrekt ausgerichtet ist.
Ich glaube, ich hab jetzt noch einen Vergleich, der zumindest Spider-Man-Kennern verständlich sein wird.
Allererster Zeichner der Spider-Man-Figur war Steve Ditko. Bei dem waren die Hintergründe sehr grob, teils verzerrt, und vor allem die Gesichter seiner Menschen waren oft arg vom Picasso-Virus befallen. Da rutschte ein Auge schon mal leicht auf den Wangenknochen hinunter.
Sein Nachfolger war John Romita Sr., der ist heute nach wie vor DER bekannteste Spider-Man-Zeichner. Seine Hintergründe sind perspektivisch, detailreich, seine Menschen sind anatomisch korrekt und seine Actionszenen großartig umgesetzt.
Rein technisch gesehen ist Romita also sowohl der technisch bessere als auch der korrektere Zeichner.
Dennoch mag ich Ditkos Spider-Man lieber. Liegt es an den Geschichten? Ich denke nicht, zu der Zeit hat Stan Lee noch alles selbst geschrieben, und es ist eher so, dass die Stories nach und nach ausgefeilter werden.
Bei all ihren Mängeln haben es mir aber Ditkos Zeichnungen wesentlich mehr angetan. Romita ist perfekt … aber er spricht mich weit weniger an. Warum auch immer.
Es gibt hier also kein richtig versus falsch. Es gibt nur persönliche Vorlieben. Und wie man sieht kann man auch das bevorzugen, was unter anderen Gesichtspunkten geringwertiger sein mag. Es kommt – hoho! – eben nur auf die Perspektive an! :-)
Liebe Nina,
Du verwirrst mich!!! ^^
Erst stellst Du die Kritik beinahe kommentarlos einfach in den Raum, und schickst mich (und einige andere hier auch) auf den Holzweg, so dass wir zunächst versuchen, Dich vor einem Niedermacher zu beschützen.
Dann, nachdem Du Dich ein Weilchen daran erfreut hast ;-), stellst Du heraus, was bei klarem Verstand und etwas Sachverstand (den ich natürlich nicht habe) eigentlich offensichtlich ist, nämlich dass es sich um eine konstruktive Kritik handelt, Du Dir davon sogar Entwicklungschancen erhoffst. Dabei spielst Du mit dem Gedanken, “was wäre wenn Du die erbrachten Verbesserungsvorschläge tatsächlich umsetzt?”.
Jetzt traue ich mich ins Spiel. Da ich allerdings kein geborener Zeichner bin, und mein visuelles Vorstellungsvermögen nicht entsprechend trainiert ist, kann ich nicht beurteilen, wie dann das Endergebnis aussähe, geschweige denn. ob es sich um eine Verbesserung oder Verschlimmbesserung handelt, kurz: Ich kann nicht wirklich mitreden!! Warum halte ich also nicht einfach meine Klappe????? Na, da kommt mir die Idee: “Eine Möglichkeit gäbe es ja doch, mitzureden, nämlich dann, wenn ich mir die Unterschiede betrachten könnte”. Wie bringe ich den Gedanken aber ein? Na, am besten in Form einer vorsichtigen Andeutung. Ich Naivling.
Plötzlich aber meldest Du Dich wieder, und es stellt sich heraus, dass Du mit dem Gedanken tatsächlich nur gespielt hast. Eine tatsächliche Umsetzung würde einen deutlichen Stilbruch bewirken (Ach ja, das Nachzeichnen der Fluchtlinien klappt bei mir nicht, weil ich mit meinem Geodreieck auf Kriegsfuß stehe. Geometrie war immer meine mathematische Schwachstelle). Und Du bringst mit Spiderman ein Beispiel, dass zu viel Realismus für gute Qualität gar nicht notwendig ist.
Aua, schon wieder aus der Kurve geflogen!!! ;-)
Herzallerliebste Nina, Du hast in der Vergangenheit bewiesen, dass Du eine ernsthafte Künstlerin bist und dauerhaft auf gleichbleibend hohem Niveau arbeitest (BWL: Marke). Ich werde nie etwas anderes behaupten, und würde jedem, der das doch tut, empfehlen, einen weiten Bogen um mich zu machen. Deine liebevollen Zeichnungen zusammen mit Deinen Geschichten und Charakteren halten mich jetzt seit einigen Jahren bei der Stange.
So, ich hoffe, damit habe ich jetzt wieder festen Boden unter den Füßen!!! Entwickele Deine Begabung mit Sorgfalt (machst Du wahrscheinlich sowieso), dann kann so ziemlich nichts schief gehen.
Namarie
P.S.: Ich vermisse NINA!!! Mach’ aber erst mal das, was wichtig ist. :D
Hihi, ich bezweifle stark, dass Nina wen braucht, der sie vor Niedermachern beschützt. Sie weiß schon selber ganz gut, was ihr gefällt und was nicht, da lässt sie sich sicher nicht durch ein kritisches Mail beeinflussen.
Ich hab mir das aktuelle Bild jetz mal in Hinblick auf die Perspektive genauer angeschaut und wenn ich erst die Charaktere im Vordergrund anschaue und dann kontinuierlich die weiter im den Hintergrund (also quasi von vorne nach hinten), habe ich den Eindruck, in das Bild einzutauchen, wie bei einem Kopfsprung ins Wasser. Beim Bild mit dem Achter-Würfel ist es das gleiche. Für mein Gefühl verändert sich die Perspektive in diesen Bildern auf die gleiche Art, der Vordergrund sieht aus, als würde man von oben draufschauen und je weiter man in den Hintergrund schaut, umso mehr verschiebt sich die Perspektive Richtung Frosch. Ich hab das bis jetzt als Ninas Stil interpretiert und mir persönlich gefällts.
@ Hopse: Danke, wieder ein gutes Stichwort für die Erklärung, die mir so schwer über die Lippen (oder Finger) kommt. Es ist eigentlich genau das. Eine Perspektivenänderung innerhalb des Bildes je nach Fokus.
@ Turelion: Ja, ich weiß, ich bin gemein. Aber auf den Punkt gebracht wollte ich
1) die Leser ein bisschen aufrütteln, neue Sichtweisen evozieren,
2) generell die Kommunikation suchen, und
3) klarstellen, was ich NICHT anstrebe.
Es geht mir also nicht darum, irgendwas zu beweisen oder etwas gegenüber zu stellen. Insofern ist es sinnlos, das Bild “richtig” nochmal zu zeichnen. Genausogut könnte ich es “richtig” in 10 verschiedenen anderen Stilen (fotorealistisch, à la Carl Barks, à la Robert Crumb, à la Manga – sucht euch was aus) zeichnen, und in keinem davon würde es “richtiger”. Es würde einfach immer nur anders.
Noch verständicher kann ich es fürchte ich nicht mehr erläutern.
Das ist das Vorrecht des Künstlers, seinen Stil zu suchen und in Iterationen zu erarbeiten.
Ich habe Ninas Bilder nie nach “Perspektivischer Korrektheit” oder nach “Anatomischer Exaktheit” untersucht, sondern vielmehr die in ihnen untergebrachte Poesie (jo, Nina, du hast mitunter eine sehr poetische Bildsprache) und das, was die Bilder sonst so erzählen, unter die Lupe genommen, oder sie schlicht weg wirken lassen. Kurzum, i bewege mich da auf der abstrakten Ebene, losgelöst vom konkret dargestellten.
Im übrigen macht genau diese dezente Abweichung vom Normalen, beiläufig appliziert, das besondere an eiem Bild oder einem Comic aus. Das Kulissenhafte, Angedeutete. Niemand hat je behauptet, daß wir in Bildern die Welt darstellen müssen, wie sie ist – Das Symbol, die Andeutung reicht aus, um das HIrn zum selber basteln und Ergänzen anzuregen.
IN diesem Sinne: Nina – bleib bei dem von Dir eingeschlagenen Weg. Den Stil zu “finden” ist Arbeit, Arbeit und viel Übung. Ned abbringen lassen. Und wenn mal ein Strich ned so fällt, wie er “soll” – schwamm drüber, das ghört dazu. ^^
Auch wenn schon ein paar Tage nix mehr geschrieben wurde, möchte ich meinen Senf hier lassen. Bei dem Casino hat mich die Ecke und die links folgende Wand… ja, was eigentlich? ‘gestört’ passt nicht, eher verwirrt. Aber ich ging bislang einfach von der Annahme aus, wenn selbst ich einen solchen ‘Fehler’ entdecken kann, dass Nina diesen schon lange gefunden hätte. Ergo: “it’s not a bug – it’s a feature!” Und scheinbar hab ich damit ja auch nicht so daneben gelegen.
Ich bin beeindruckt! Irre, was ich mit den eigentlich nicht für die öffentlichkeit bestimmten (aber mit meiner zustimmung dann ins blog übernommenen) zeilen alles ausgelöst habe!
Es gibt perspektiven, die bewusst exakt und präzise sind. Es gibt solche, die bewusst vage sind und gar nicht richtig sein “wollen”. Der stil in T&M fällt in die mitte; er ist einerseits präzise, andererseits aber perspektivisch nicht immer richtig, und so etwas wirkt dann leicht wie ein fehler. Als hätte die zeichnerin etwas wichtiges übersehen. Falsche perspektive, die nicht wie ein fehler wirkt, ist offenbar eine besondere kunst.
Vielleicht ist hier eine parallele zum “Uncanny valley” zu finden – einem begriff aus der robotik: ein roboter, der *fast* wie eine natürliche person wirkt, ist unheimlicher als einer, der klar als maschine erkennbar ist. (Siehe dazu den weblink: oben auf “tobias” klicken.)
Übrigens war die ursprüngliche mail nur privat und nicht zur veröffentlichung bestimmt, weil ich keine fehler bloßstellen will. Nina hat dann gefragt, ob sie sie veröffentlichen darf.
gruß aus der Steiermark!
tobias (verfasser der ursprungskritik und weiterhin treuer und begeisterter mitleser)
@ tobias: Und ich muss mich entschuldigen, dass dein Kommentar verspätet erscheint. Er war im WordPress-Filter stecken geblieben. Komisch.