Halloween
Geschrieben in Musik, Wortspenden am Samstag, 31.10.2009Wie alle Jahre wieder wünsche ich allen ein schönes Halloweenfest, ganz besonders jenen, die sich über den Import dieses britisch-irischen Festes noch immer erörtern und jedes Jahr erneut vor Wut im Karee hüpfen, weil ich mich offen zu dessen Befürwortern zähle. Hehe.
Um den Anlass gebührend zu würdigen, gibt es wieder mal einen Musikbeitrag. Ich muss gestehen, ich habe für den November noch keine Fortsetzung meiner Jazz-Musikbeispiele geplant, ich werde das ganze wieder in Angriff nehmen, wenn ich mich erst mal in den neuen Job eingearbeitet habe (sprich: wenn sich die Überstunden einpendeln). Für heute habe ich keine Jazz-Beispiele im Füllhorn, sondern naturgemäß Lieder, die vom Tod handeln.
Georg Kreisler, “Der Tod, das muss ein Wiener sein” (1969)
Ich habe lange darauf gewartet, dass endlich jemand dieses so oft falsch zitierte Lied auf YT stellt. Wer Kreisler ein wenig kennt (und das sollte man eigentlich, ja, auch die Deutschen wie auch die Schweizer, denn er hat schließlich lange Jahre in Deutschland und der Schweiz gearbeitet), weiß man, dass diese Parodie eines Wienerliedes eben genau das ist – eine Parodie. Und eine böse dazu. Was sagt uns das, wenn ein ehemals vertriebener Jude singt, nur ein Wiener bringe “einen pünktlich zur Himmelstür”? Ich will hier keineswegs wieder das alte Thema ausgraben, aber dieses Lied ist eben NICHT als weinselige Ode an Wien zu verstehen, sondern schlicht und einfach ein bissiger Seitenhieb. Warum das so wenige zu begreifen scheinen, die Kreislers Lied tatsächlich als typisches Wienerlied anpreisen, verstehe ich nicht. Was grundsätzlich natürlich nichts an der Schönheit des Liedes ändert, aber man sollte doch wissen, wozu man schunkelt. Und dies hier ist nun mal Parodie, nicht Wiener Seeligkeit.
Und jetzt zu einem Sänger, der hier auch schon längst überfällig ist: Ludwig Hirsch. Der hat 1978 seine erfolgreichste LP namens “Dunkelgraue Lieder” herausgebracht, mit der ich mehr oder weniger aufgewachsen bin. Das erklärt wohl so einiges.
I lieg am Ruckn
Eins meiner Lieblingslieder meiner Kindheit. Ja, ich weiß, für eine Sechsjährige etwas eigenartig, und ja, ich wusste, worum es geht. Was mir damals nicht klar war, war diese doch offensichtliche Ironie (“die Würmer kräulen da ins Hirn, und sie dinieren”) bzw. die gewissen Anzüglichkeiten (“es is so eng und so feucht um mi herum – i denk an dich”).
Komm, großer schwarzer Vogel (1979)
Ludwig Hirsch ist einer der wenigen Liedermacher, die Kitsch berührend rüberbringen können. Diese Nummer ist die einzige hier, die nicht von der dunkelgrauen LP stammt. Ein wunderschönes Lied vom Sterben.
Die Omama
Eins der treffsichersten bissigen Lieder überhaupt.
Der alte Herr Haslinger
Auch das Lied hat mich als Kind schwer beeindruckt und ja, auch hier war mir klar, worum es geht. Gerade jetzt, angesichts der diversen Kelleröffnungen letzter Jahre, ist so ein Lied wieder aktueller denn je. Und wirklich extrem böse, gerade weil es so lieblich daher kommt.
Der Wolf
Dieses Lied hat mich als Kind auch sehr bewegt, umso mehr, als damals die Zustände im Tiergarten Schönbrunn wirklich eine einzige Katastrophe waren, wie man es sich heute gar nicht mehr vorstellen könnte. Damals wurden Tiere auf engstem Raum gehalten (die Käfige waren denkmalgeschützt), so dass sie alle Verhaltensstörungen entwickelten, die von den gaffenden Besuchern auch noch als amüsant empfunden wurden. Teils wurden solche Aufnahmen als Lückenfüller im Fernsehen gezeigt und mit “lustiger” Musik unterlegt.
