Von Slashern, Zombies und der unheimlichen Verschränkung
Geschrieben in Kurioses am Sonntag, 22.03.2009Eine ORF-Newsmeldung war der Auslöser für allerhand Gedanken, die sich in den letzten 15 Minuten in meinem Kopf breit machten, und die ich für so wichtig erachte, dass ich sie unbedingt mit der Welt teilen muss. Freilich, ob wichtig oder nicht, das ist eine hoch philosophische Fragestellung. Ein jeder möge selbst entscheiden…
Ich will alles schön der Reihe nach angehen. Da war also zunächst jener ORF-Bericht, von dem ich zunächst annahm, es handle sich um einen Aprilscherz. Jedoch ist heute der 22. März. Was natürlich nichts heißen will, aber gehen wir mal davon aus, die Nachricht sei echt, und man will Jane Austens Bücher als Zombiegeschichten neu herausbringen. Nicht nur das, irgendwo scheint die Idee im Raum zu stehen, sich überhaupt an mehreren Klassikern (ob nun von Jane Austen oder autorenübergreifend) zu vergehen und sie mit gehirnessenden Untoten neu zu beleben (sic!). Dieses Ideenkonzept war es, das meine gedankliche Kettenreaktion auslöste.
Themensprung.
Eins der Dinge, die mir am meisten abgehen seit ich nicht mehr unnötig viel Freizeit habe (oder anders gesagt, seit ich keinem Angestelltenberuf mehr nachgehe und während der Arbeitszeit im Internet surfe), ist das Lesen von Fanfiction. Ich gestehe, ich lieb(t)e diese wohligen Schauer, die einem das Rückgrat rauf und runter jagen, wenn man die Ergüsse so mancher sich meist im Teenageralter befindlichen Freizeitschriftsteller liest. Falls jemand mit dem Terminus nicht vertraut sein sollte, lese er bitte in der Wikipedia nach. Ich beziehe mich hier auf die ganz spezielle Untergruppe der Fanfiction, nämlich den Slash. Und dafür werden mich hier allfällig mitlesende Slasheretten vermutlich steinigen, denn wenn sie eins noch mehr hassen als heterosexuelle Charaktere, dann ist es Kritik (oder Polemik) an ihrem Genre.
Slash ist Fanfiction, die sich darauf spezialisiert hat, männliche Haupt- oder Nebenfiguren, die in der Originalgeschichte entweder sicher oder vermutlich heterosexuell sind, mit einem anderen männlichen Charakter in ein homoerotisches bis homosexuelles Geschehen zu verspunsen. Doch nicht ganz: eine Minderzahl von Geschichten verslasht auch weibliche Figuren. Die sind aber eher selten, was vermutlich daran liegt, dass der typische Slash-Ficcer (jaja) weiblich ist, denn manche Frauen stehen auf männliche Homosexualität. Man frage die Shonen-ai- bzw. die Yaoi-Fans nach den Gründen.
Prinzipiell ist nichts gegen die Idee zu sagen, würde sie sich auf eine Geschichte beschränken. Das Prinzip des Slash ist jedoch, dass prinzipiell alle männlichen Charaktere jedweden Romans, Films oder Bühnenstücks Kandidaten für Slash sind, und das ist dann auch die einzige wirkliche Handlung, die Slash anzubieten hat. Man nehme eine existene Geschichte, picke daraus 2 Männer/Jungen und paare sie. Erste alternative Variante: man nehme ZWEI existente Geschichten, picke aus jeder je 1 Mann/Jungen und paare sie. Zweite alternative Variante: Man nehme eine existente Geschichte, picke daraus 1 Mann/Jungen und paare ihn mit einem Gary Stu.
So. Wozu nun diese weitschweifige Erklärung? Nun, den Englischsprachigen und/oder Horrorfans unter meinen Lesern sollte nicht entgangen sein, dass das Wort Slash in der Form von Slasher oder Slasher-Movie auch eine gängige Bezeichnung des Horror-Genres ist. Und Zombies waren seit jeher fixer Bestandteil des Slasher-Horrors.
Wir haben nun also Slash-Fiction, die sich durch die repetitive Wiederholung ein und desselben Konzepts, angewendet auf bereits bestehende Geschichten auszeichnet.
Und wir haben ein Ideenkonzept, das vorsieht, Zombies, die wiederum Vertreter von Slasher-Horror sind, als repetitives Element in bereits bestehende Geschichten einzufügen.
Das falsch überlieferte Nietzsche-Zitat drängt sich förmlich auf: Die Wiederkehr des ewig Gleichen! Ist es nicht berückend, wie die Dinge so ineinander greifen? Heraklit meinte noch “Panta rhei” und dass man niemals in denselben Fluss steigen könne. Stattdessen sehen wir hier, dass man im Gegenteil niemals in einen neuen Fluss steigen kann, dass sich alles ständig wiederholt, miteinander vermischt und anschließend von irgendwelchen Hirnen in den großen Fluss namens Mainstream ausgespieen wird! Ach, hätte Heraklit doch bloß Fanfiction und Zombies gekannt!
Da bleibt mir abschließend nur noch ein letzter Stoßseufzer und mahnender Verweis hierauf.

Den Menschen ist wirklich so langweilig?
Ach, da gibt es noch ärgeres – oder besseres, je nachdem, wie man’s sieht. Ich hab mal ein Porno-Fanfiction mit Godzilla-Charakteren gelesen. *g*
Aber um ehrlich zu sein, solche “Spinner” sind mir wesentlich lieber als so manche von der Gesellschaft für seriös oder gar bewundernswert verschrieene Interessensgemeinschaft. Banker zB. Gut, die stehen momentan nicht wirklich hoch im Kurs, aber gib mir 10 Slasher/Fanficcer für jeden Banker, und die Welt sähe besser aus.
Es ist ja nicht so, dass Fanfiction und Slash zu 100% PWP (Plot what Plot?) sind. Unter den restlichen Prozenten ;-) gibt es massenhaft sehr gute, niveauvolle, handwerklich hervorragend gemachte Geschichten, die zum Teil besser sind, als alles, was der Mainstreambereich hervorgebracht hat.
Habe mal eine schwule MASH-Geschichte (Hawkeye/B.J.) gelesen und bin seither geheilt.
Zombies mag ich lieber als Spinner (egal, ob angesehen oder nicht) und im Übrigen kann ich Wolfdietrich und Heraklit nur recht geben …
Schönen Abend noch!
Kann man den wirklich keine eigenen Ideen haben, ohne einfach nur wahllos alles miteinander zu paaren, was nicht bei drei auf den Bäumen ist (und fünf minuten später auch das dann noch…). Ich persöhnlich bin Anhänger der hintergründig angedeuteten Erotik, ganz ohne geknutsche u.s.w. in Großaufnahme (auch im übertragenen Sinne).
Ich kann mir dieses ewige Beziehungsgesülze, so platt und offensichtlich wie es immer hinger…t wird, echt nicht antun. Die Charaktere, die mir an stories gefallen sind für gewöhnlich die unagepassten und abstrusen Figuren, z.B. auch Zombies o.ä.. Da will ich nicht wirklich lesen, wie sie im Bett landen, sondern lieber Fortseztungen der Geschichten in einem sinnvollem Handlungsrahmen sehen.
Ganz abgesehen davon, dass grundsätzlich eigene Geschichten besser sind als blind, und meistens schlecht, kopierte Ideen anderer. Lezteres ist ja dann wohl das was man als Mainstream bezeichnen kann. Und der produziert, sein wir doch ehrllich, größtenteils Massenschrott, dass einem die Augen bluten…