Kleine Haushaltstipps: Entsäuerung
Geschrieben in Tipps, Wortspenden am Sonntag, 21.12.2008Keine Sorge, ich werde mein Blog nicht unvermutet in ein Hausfrauenaustauschforum umwandeln. Ich hatte bloß innerhalb recht kurzer Zeit zwei interessante Erfahrungen mit zu sauren und damit ungenießbaren Lebensmitteln, die mit billigen (und damit meine ich in erster Linie in finanzieller Hinsicht) Tricks wieder essbar wurden, und weil mir grad danach ist, will ich diese Abenteuer mit der Welt teilen. Wen’s nicht interessiert, der muss ja nicht
Oliven
Habe kürzlich ein Glas billiger grüner Eigenmarke-Oliven bei SPAR gekauft und beim ersten Verkosten fast gemeint, meine Mundhöhle sei verätzt. Die waren dermaßen salzig und sauer, dass ich eigentlich nur annehmen kann, hier muss was beim Einlegen schief gelaufen sein. Es schmeckte wie 5-molare Salzsäure, ungenießbar. Und obwohl es wirklich billige Oliven waren und ich das Glas ohne schlechtes Gewissen hätte entsorgen können, wurde ich stur. Meine paar noch vorhandenen analytisch-chemischen Kenntnisse (sowas verflüchtigt sich ja schneller als Acteon) kombinierten, dass man in einer sauren Lösung eine basische zufügen müsse, aber wer hat im herkömmlichen Haushalt schon Laugen herumstehen, die nicht als Putzmittel sondern zur Einnahme dienen? Das einzige, was mir in die Hände fiel, waren Kieselsäuretabletten. Nun weiß ich zwar nicht genau, in welcher Form die Kieselsäure in der Tablette gebunden ist (wohl als irgendein Salz) und wie sie sich in Lösung verhielt, aber prinzipiell ist eine schwache Säure ja eine starke Base, stärker jedenfalls, als Wasser. Da mit den ungenießbaren Oliven ohnehin nicht viel anzustellen war, habe ich sie also in einen Becher getan, 1/4 Liter Wasser drauf und die Kieselsäuretablette rein. Letztere löste sich eher gemächlich auf aber nach einer Stunde waren die Oliven schon merklich weniger salzig, und nach 24 Stunden waren sowohl die Säure als auch die Salzigkeit vollkommen verschwunden. Jetzt schmecken die Dinger fast schon fade.
Die Moral von der Geschichte: Falls ihr mal eine Speise habt, die zu sauer geraten ist und die man mit einer wässrigen Lösung kombinieren kann, nützt die Macht der Kieselsäure!
Kokosbusserl
Mein obiger Hinweis mit der wässrigen Lösung kommt nicht von ungefähr, denn gerade in den letzten Tagen wurde ich mit einem weiteren sauren Problem konfrontiert, und hier konnte mir auch die Kieselsäure nicht helfen.
Ich backe zu Weihnachten immer so an die 4-5 kg Kekse, die dann in der Familie als Geschenk verteilt werden. Damit erspare ich mir viel Geld und bereite dennoch Freude, da meine Kekse in der Regel beliebt sind. Aber jedes Jahr packt mich die Lust, nicht die alteingetretenen Pfade lang zu wandern (um die Vanillekipferl komm ich ohnedies nie herum), sondern Neues auszuprobieren. Und wiewohl man Kokosbusserl hierzulanden wahrlich nicht als etwas Exotisches bezeichnen kann, habe ich sie glaube ich erst zweimal gemacht. Diesmal folgte ich treuherzig einem neuen Rezept – und fiel damit voll auf die Nase. Es hätte mir einleuchten sollen, dass der Saft einer ganzen Zitrone etwas viel ist, aber ich vertraute wie erwähnt dem Rezept. Heraus kamen keine Kokosbusserl, sondern saure Kokoshaufen. Mit den Dingern konnte man bestenfalls die Tauben vergiften.
Da ich in weiterer Folge auch Spritzgebäck anfertigte, für dessen Glasur ich dunkles und weißes Fondant benötigte, von welchem letztlich noch eine ganze Menge übrig blieb, beschloss ich spontan, die ungenießbaren Haufen zu glasieren. Da ich sie ohnehin weggeworfen hätte, konnte nicht viel dabei schief gehen. Ich tunkte die Dinger also gänzlich in dunkles Fondant und setzte, nachdem sie übertrocknet waren, noch ein Häufchen weißes Fondant oben drauf. Nachdem das ganze getrocknet war, kostete ich vorsichtig – und die Geile Sau ward geboren.
Dazu muss ich ein bisschen in den Wiener Sprachgebrauch ausholen. Wir verwenden den Begriff “geil” schon wesentlich länger, als er zum Modewort wurde, in Verbindung mit fettig-süßen Speisen, wie etwa Buttercremetorte. Für solche magenbelastenden Kalorienbomben haben wir dann den Ausdruck geil wie Affenscheiße parat. Ein wenig schmeichelnder Begriff, wie ich zugebe, aber sehr akkurat.
Zurück zu meinen Kokoshäufchen. Die schmeckten, dick in Fettglasur eingehüllt, auf einmal nicht mehr widerlich, sondern – nun ja, nicht großartig, aber annehmbar. Die Süße des Fondants und die Säuerlichkeit der Kokosmasse scheint sich geschmacklich nun irgendwie zu ergänzen, und wer es nicht besser weiß, würde annehmen, das ganze gehört so. Man kann davon jedoch maximal ein Stück essen, dann hat man für den Tag genug Süßes – Geiles! – intus, und so habe ich ganz nebenbei vielleicht auch den Keks zum Abnehmen kreiert.
Ich hätte die Häufchen gemäß dem Wiener Sprachgebrauch auch “Affenscheiße” nennen können, aber das klingt nicht sehr appetitanregend. Daher nenne ich die süß-sauren Bomben Geile Säue.


21.12.2008 um 14:34
[...] Speziell Nina, die beim Genuss eines einzigen Bissens Coulant Gift und Galle spuckt, aber selber Kokosbusserl in Fondant tunkt die dadurch “Geil wie Affenscheiße” schmecken. Der Ausdruck alleine verursacht dann meinerseits Brechreiz. [...]
21.12.2008 um 15:27
… und obschon ich kulinarisch absolut nicht typisch für mich handle und sehrwohl schon die eine oder andere recht ungewöhnliche Speise verdrückte (weiß nicht wie oft ich schon den berühmten Satz “tastes like chicken” hörte, wobei ich erst sehr viel später erfuhr, was das eigentlich heißt), stand Affenscheiße noch nie auf meinem Menueplan – vielleicht schmeckts ja wirklich recht annehmbar – allerdings denk ich mal, wäre meine Bereitschaft, die oa Kokosdinger nachzubacken und dann zu probieren weit größer, als in den nächsten Zoo zu gehen und den Affenwerter um diverse Ausscheidungen seiner Schützlinge zu fragen. Allein, mir fehlt das Rezept. Einfach Kokosbusserln mit viel zu viel Zitrone und dann schoko drum rum, oder hats da dann noch was spezielles ?!?
21.12.2008 um 16:02
@ Elliott: Im großen und ganzen reicht das schon. Normale Kokosbusserln (dt.: Kokosmakronen) mit viel zu viel Zitronensaft und vielleicht auch ein bisschen zu viel Kokosflocken. Alternativ auch einem Eiklar zu wenig. Die Zitrone ist entscheidend, denn wenn du zu wenig nimmst und die Busserln damit nicht übersäuert werden, sie dann aber dennoch glasierst, dann addiert sich süß mit süß, und dann werden Saugeile Säue draus.
Ich möchte an dieser Stelle niemandem bewusst raten, diese Dinger nachzubacken. Ich werde sie vermutlich auch nie wieder herstellen, sondern bei den nächsten Busserln einfach weniger Zitrone und mehr Eischnee nehmen. ;-)
21.12.2008 um 21:15
Jo mei, nachdem ich Leguan, Insekten so ziemlich jeder Art, Maden und auch so triviales wie Krokodil verspeist habe, nach einer etwas längeren Segeltour auch weiß, was man mit etwa 3 Wochen altem Gemüse anstellen kann, ohne Kühlschrank, versteht sich, denk ich mal, wird das nun auch kein Problem darstellen. Bin halt immer wieder auf kulinarische Neuigkeiten gespannt, was man an meiner Leibesfülle durchaus auch sehen kann.
22.12.2008 um 12:08
Hi Nina,
Eigentlich hätte ich ja in deiner Backstube eher “Calavera de Azucar” http://www.dulces-tipicos.com/images/calavera1.jpg
oder “Pan de Muertos” erwartet !?! http://www.dianasdesserts.com/assets/managed/recipes/Pan_de_Muertos_1B.jpg
;-)) bard jun.
22.12.2008 um 12:15
Liebe Nina,
wenn Ihnen vom Busserlbacken Dotter bleiben, ein Rezept für unkomplizierten Eierlikör, der sogar den Leuten schmeckt, die es normalerweise schon beim Wort Eierlikör gruselt (ich gehöre auch zu denen):
5 Dotter, 1/4 kg Staubzucker, Packerl Vanillezucker (oder Inneres einer Schote) , 1/4 l flüssiges Schlagobers, 1/8 l Milch, 1/8 l Weingeist in der angegebenen Reihenfolge verrühren, in Flaschen füllen (7/10 l) verschenken oder selber saufen.
Schöne Feiertage und alleg Gute fürs kommende Jahr!!
22.12.2008 um 12:17
@ bard jun.: Wenn du wüsstest, wie vielseitig ich bin. Ich kann auch Hausfrau! ;-)
@ Melanie: Prinzipiell gruselt’s mich in letzter Zeit vor allem, wo Alkohol drin ist, aber aus purer Neugier wäre ich fast geneigt, das Rezept auszuprobieren. Vielen Dank! Ich staune allerdings, dass da doch relativ wenige Dotter drin sind.
22.12.2008 um 13:29
Als einfachstes Mittel zum Entsäuern wäre mir ja Natriumhydrogencarbonat eingefallen: Essbar und als Hauptbestandteil des Backpulvers definitiv haushaltsüblich.
http://de.wikipedia.org/wiki/Natriumhydrogencarbonat liefert mehr Info über weitere Verwendungszwecke.
22.12.2008 um 13:34
@ Antje: Stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht. Vermutlich, weil ich es nicht zu Hause habe. Aber gute Idee, sollte ich mal Backpulver und saure Oliven zur Verfügung haben, werde ich das austesten! :-)
Ganz sicher geht das übrigens auch mit herkömmlichen Verdauungshilfen wie Samarin. Aber sowas habe ich ebenfalls nicht daheim, ich hasse Samarin. X-P
24.12.2008 um 10:57
@Melanie (oder alle anderen die mir das übersetzen können)
ich habe da zwei Fragen zu dem Eierlikör und zwar:
ist Staubzucker Puderzucker?
und was um alles in der Welt ist denn flüssiges Schlagobers?
24.12.2008 um 11:03
@ Kim: Ich empfehle dir, dieses Österreichisch-Deutsche Wörterbuch zu bookmarken, dann kannst du künftig alles nachschlagen, was hier vielleicht geschrieben wird. Ist einfacher, schneller und vor allem lehrreicher, als ständig nachfragen zu müssen! :-)
Puderzucker sagt man hier in Ostösterreich nicht, das wäre eine ziemliche Sauerei. ;-)
25.12.2008 um 17:36
Liebe Kim:
Staubzucker wird anderswo als in Ostösterreich Puderzucker genannt. Schlagobers ist süße Sahne, flüssiges Schlagobers ist süße Sahne ungeschlagen. Saure Sahne heißt bei uns Rahm oder in älterren Rezepten Schmetten. Das gehört aber definitiv nicht in den Eierlikör, der übtigens nach der Zubereitung ein bis zwei Wochen in der Flasche ruhen soll, da wird er so richtig mild und rund im Geschmack.
Die Bemerkung Ninas hinsichtlich Sauerei bezieht sich darauf, dass “pudern” in Ostösterreich ein sehr gebräuchlicher Vulgärausdruck für “koalieren” ist, so wie einige weitere, die eigentlich harmlose Alltagstätigkeiten beschreiben sollten wie nageln oder pempern (= fest anklopfen). Man muß bei uns mitunter aufpassen, um nicht ungewollt ordinär zu werden, es sei denn, es ist einem “wurst” (=egal).
Liebe Grüße
Melanie
28.12.2008 um 1:19
*lach* Mir ist beim Lesen auch als erstes Natron eingefallen, aber ich muss gestehen, dass Natron in meinen Haushalt vor noch nicht all zu langer Zeit einzug gehalten hat und Backpulver eine dieser “Ver…flixt, schon wieder nicht im Haus, jetzt aber schnell zu Edeka”-Zutaten ist ;)
Ist Fondant das, was ich unter Kuvertüre verstehe? *doofguck*
7.1.2009 um 20:49
So, nachdem ich über die Feiertage Zeit und Muse hatte, den Vorschlag von ganz oben nach zu machen, muss ich schon mal sagen:
Hochverehrte Nina, ich muss leider zu deinem Ruf bei mir zu “ungewöhnlich” auch noch “mit unter recht merkwürdig” hinzufügen. Die Dinger (von Dir recht treffend Affenscheiße genannt) sind fast schon grausam.