Filmkritik: Hulk, die Zweite
Geschrieben in Medienkritik am Mittwoch, 16.07.2008Ich habe mir heute den zweiten HULK-Film angesehen, der diesmal keine Fortsetzung der ersten Verfilmung, sondern wenn wir ganz ehrlich sind, eine Richtigstellung war. Ang Lee ist ein toller Regisseur, wenn es um gesellschaftliche Beobachtungsfilme geht, aber von Comics sollte er besser die Hände lassen. Mir gefiel dieser zweite Anlauf bei weitem besser, jedoch kann ich nicht jedem raten, sich dafür ins Kino zu begeben.
Dieser Hulk hat eine ganz spezielle Zielgruppe: Leute, die sehr vertraut mit der Fernsehserie aus den späten 70er/frühen 80er Jahren sind. Und wie’s der Teufel will, bin ich das. “The Incredible Hulk” war eine meiner einprägsamsten Jugenderfahrungen. Zum einen, weil ich als Teenager ein riesiger Bill Bixby-Fan war (der spielte Dr. Banner in der Serie), zum anderen, weil die Serie auf dem damals einzigen englischsprachigen Sender des Wiener Kabelprogramms, “Sky Channel”, lief. Es war somit eine meiner ersten Serien in OV, ermangels Videorecorder nahm ich mir einige Folgen sogar auf Audiokassette auf. Hach, das waren Zeiten!
Aber um zum Thema zurück zu kommen: Dieser Film ist für mich vermutlich deshalb ein solches Vergnügen gewesen, weil er mit Reminiszenzen an die TV-Serie nur so gespickt war. Handlungsmäßig war das ganze vermutlich eher lahm, mal abgesehen davon, dass man sich schon ganz schön mit der Thematik von HULK auskennen muss, um überhaupt zu verstehen, worum’s geht. Ich würde also Leuten, die völlige Neueinsteiger sind, nicht raten, sich den Film anzusehen. Cineastisch ist er vernachlässigbar. Für mich war er jedoch genau das, was man im Englischen als “a trip down Memory Lane” bezeichnet – eine nostaligische Reise zurück in der Erinnerung.
SPOILER!
Warum ist der Film für Neueinsteiger schwer zu verstehen? Zum einen, weil die gesamte Vor-Handlung im Vorspann(!) erklärt wird (und das so schnell, dass man nicht wirklich von einer Erklärung sprechen kann). Bruce Banner ist ein Bio-Wissenschafter, der sich im Selbstversuch radioaktiver (Gamma-)Strahlung aussetzte und damit einen irreversiblen Vorgang auslöste. Immer, wenn er sich aufregt – in der TV-Serie ist das Ärger oder Schmerz, im Film kommt sogar sexuelle Erregung hinzu – gerät er außer Kontrolle und er verwandelt sich in den nahezu unzerstörbaren, dafür umso zerstörerischen Hulk, ein riesiges, grünes Muskelmonster, das mehr oder minder sprachbegabt rumbrüllt und alles kleinhaut, was sich ihm in den Weg stellt. Bei dem Selbstversuch passiert die Mutation erstmals, wobei er auch mehrere Menschen auf dem Gewissen hat. In der Fernsehserie stirbt seine Frau, ebenfalls Wissenschafterin, und obwohl es ein Unfall war, wird der Hulk deshalb als Mörder abgestempelt, weil man außerdem annimmt, dass er auch Dr. Banner auf dem Gewissen hätte, nicht ahnend, dass Banner selbst der Hulk ist. Im Film überlebt die Frau, die hier noch Banners Verlobte ist, und es ist dem Militär auch bekannt, dass Banner es ist, der sich verwandelt. Im Film lief dieser Versuch nämlich als militärisches Experiment zur Schaffung von Supersoldaten (ohne Banners Wissen, der glaubte, es handle sich um reine Wissenschaft mit dem Ziel, Krankheiten zu heilen).
All dies, was ich jetzt erzählt habe, passiert im Film IM VORSPANN! Es ist also wirklich keine Übertreibung, wenn ich behaupte, Neueinsteiger werden sich schwer tun.
Die Handlung des Films beginnt, als Bruce Banner bereits seit 5 Jahren auf der Flucht ist. Derzeit lebt er in Brasilien und übt sich mittels eines Kampfsportlehrers darin, seine Wut unter Kontrolle zu halten. Das US-Militär sucht ihn wie besessen, weil es Banner sezieren will, um an das Geheimnis seiner Kräfte zu kommen. Nun, die weitere Handlung des Filmes ist relativ überschaubar: Militär findet Banner – Banner verwandelt sich im Zuge seiner Flucht erstmals in den Hulk – kehrt zurück in die USA – trifft ehemalige Verlobte, die ihm fortan hilft (und außerdem das Töchterlein des Ober-Militärs ist) – derweil bastelt sich der böse Daddy einen zweiten Supersoldaten, der aber schon zu Beginn bewiesen hat, dass er ein Arsch ist, indem er einen Sympathieträger (einen Hund) kaltblütig erschoss – alles endet mit dem Kampf der beiden Hulks, welchen der gute Hulk (Banner) natürlich und völlig unlogisch gewinnt und dann in den Sonnenuntergang reitet rennt. Schlussszene: Banner hockt in einer Holzhütte in Canada und meditiert wieder wie zu Beginn des Films, diesmal allerdings nicht, um den Hulk zu unterdrücken, sondern ihn kontrolliert frei zu lassen. Derweil macht sich Tony Stark alias Iron Man an den Militär-Daddy heran und bietet ihm eine (unausgesprochene, aber der Marvel-Kenner versteht es dennoch) Mitarbeit bei S.H.I.E.L.D. an.
Genau die letzten beiden Szenen sind es, die das Herz des Geeks höher schlagen lassen. Es ist einfach zu schön, wie die ganzen Marvel-Filme Stück für Stück ineinander zu greifen beginnen (zumindest seit Marvel die Filme selbst produziert). Auch die Szene, in der Hulk während des Kampfes gegen den bösen Hulk in sich geht und dann genau die richtigen Worte findet, um sich zum Sieg zu motivieren (“Hulk SMASH!!!”) und die einem normalen Menschen blöd erscheinen mögen, treiben dem Marvel-Geek einfach nur ein Lächeln ins Gesicht.
Dabei muss ich allerdings betonen, dass ich selbst nie einen Hulk-Comic gelesen habe. Ich weiß mein gesammeltes Wissen über den Hulk großteils durch die – zugegeben kitschige – TV-Serie. Aber genau das hat mir den Film ja so versüßt, weil eine Reminiszenz die andere jagte. Ich zähle mal auf, was mir allein beim ersten Kinobesuch aufgefallen ist:
-) Zum einen der Vorspann an sich. Auch in der TV-Serie wird die ganze Vorgeschichte Hulks im Vorspann abgehandelt, einige Einstellungen (der Selbstversuch) sind sogar ident.
-) In Brasilien sieht Bruce Banner fern, die Kamera zoomt groß auf den TV-Schirm und man sieht dort Bill Bixby, den Darsteller des TV-Hulk. Er ist dort allerdings nicht in der Rolle des Dr. Banner zu sehen, sondern in der TV-Serie “The Courtship of Eddie’s Father”, die ich leider nicht kenne (Info von IMDb).
-) In der brasilianischen Fabrik, in der Banner arbeitet, kommt es zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit. Ein Fabriksarbeiter nähert sich ihm drohend, woraufhin Banner ihn warnen will “Don’t make me angry – you wouldn’t like me when I’m angry!” Dies ist einer DER Standardsätze Banners in der TV-Serie. Die Szene wird dadurch parodiert, dass Banner im Film nur gebrochen Portugiesisch spricht, und so sagt er statt “angry” “hungry”. “Mach mich nicht hungrig, du würdest mich nicht mögen, wenn ich hungrig bin!” Die Fabrikarbeiter, die ihn eben verprügeln wollten, schauen ihn verwirrt an, was Banner dazu nutzt, sich aus dem Staub zu machen.
-) Eine Straßenszene, bei der ich mich nicht mehr genau erinnern kann, wann sie im Film stattfand. Banner wandert traurig eine Straße entlang, da ertönen ein paar Takte melancholische Musik. Es handelt sich dabei um das Abspann-Thema der TV-Serie (und spätestens hier wurde mir klar, dass ich ein kompletter Geek bin, da vermutlich kein Mensch außer mir diesen Hinweis verstanden hat, zumindest außerhalb der USA).
-) Die Szene, in der Banner von den Soldaten gejagt und schließlich von den Fabrikarbeitern verprügelt wird, war auch ein typisches Motiv der TV-Serie. Banner versucht krampfhaft, Wut zu vermeiden, sie wird ihm aber durch die böse Umwelt aufgedrängt.
-) Wann immer Banner sich in den Hulk verwandelte, riss er die Augen auf und man sah, wie seine Augen strahlend grün wurden. Klassisch.
-) Nach einem Kampf zwischen dem Hulk und den Militärs auf einem Uni-Campus werden 2 Jugendliche interviewt, einer davon nennt sich “Jack McGee” und wird als Reporter einer Studentenzeitung bezeichnet. Der Klatschreporter Jack McGee ist es, der dem armen Dr. Banner in der TV-Serie das Leben schwer macht. Er ist einer der wenigen, die von der Existenz des Hulk überzeugt sind, gleichzeitig weiß er aber nicht, dass es sich bei Banner und dem Hulk um dieselbe Person handelt.
-) Der aller-aller-ALLERschönste Hint von allen: Lou Ferrigno. Der spielte den Hulk in der TV-Serie, und wiewohl er auch im ersten Film einen ganz kurzen (kaum sichtbaren) Cameo-Auftritt hatte, bekam er hier eine wesentlich bessere Kurzrolle, bei der er immerhin ein paar Sekunden im Bild war und sogar ein paar Worte sagen durfte: Er war der Portier, der sich von Banner mit einer Pizza bestechen ließ. Abgesehen davon lieh er dem Film-Hulk aber auch seine Stimme, was ich erst im Abspann erfuhr, und was mir gleich das Herz höher schlagen ließ.
-) Schlussszene in Canada: Bruce Banner schickt eine Kette zurück an seine Verlobte, die diese für ihn versetzt (und die er offensichtlich wieder ausgelöst) hat. Er schreibt als Absender “DAVID B.”. Das heißt zum einen, dass er seinen Namen geändert hat, ist vor allem aber eine weitere Referenz an Bill Bixby, der in der Fernsehserie David Bruce Banner hieß.
Alle diese Punkte und noch viel mehr, die sich vorwiegend auf den Comic beziehen und die mir entgangen sind, findet man in den IMDb-Trivia. Vermutlich interessiert sich außer mir kein Schwein dafür. Wenn es nicht ein wichtiges Kapitel meiner Jugendzeit berührt hätte, würde ich den Film vermutlich selbst unter “vernachlässigbar” ablegen. Aber so muss ich den auf DVD haben, sobald er rauskommt! :-)

bist du sicher dass der hund erschossen wurde?
Die haben dort zu beginn mit mit betäubingsmunition geschossen.
alles in allem war der film relativ gut gemacht.
Ich war im kampf sher begeistert als der hulk einmal klatscht um das feuer zu löschen.
In den Comics aber vor allem in der Cartoonserie aus den achtzigern machte er dass ständig. oft gleich nach der verwandlung um mit der druckwelle alles mögliche zu beseitigen, und sei es dass er nur etwas mehr platz wollte.
Wie logisch es ist dass derHulk den Kampf mit abomination beginnt hängt übrigens von der logik ab.
Ich denke schon, dass er den Hund getötet hat. Zum einen war die Betäubungsdosis vermutlich für einen Menschen (mindestens, wenn nicht gar für den Hulk) ausgerichtet. Zweitens glaube ich mich zu erinnern, dass der Hund das Projektil im Herz stecken hatte.
Ansonst: Ich kenne wie gesagt die Hulk-Comics so gut wie gar nicht. Die paar Einblicke, die ich hatte, waren, wenn er eine Begegnung mit Spider-Man hatte, die Serie selbst habe ich aber nicht verfolgt.
Der Hund wurde definitiv erschossen. Der Typ der dafür verantwortlich ist hat ja vorher schon scharfe Munition gegen den Hulk eingesetzt, was den General auch gestört hat.
Ansonsten kann ich Nina da nur zustimmen. Kann mich zwar nur Schemenhaft an die alte TV Serie und die nachfolgenden Filme erinnern, war ja noch ein Kind wie die bei uns im TV lief, aber es gab wirklich unglaublich viele Anspielung in dem neuen Film. Die “Gamma-Strahlen-Maschine” in der Bruce sitzt während er den Eigenversuch durchführt (Vorgeschichte am Anfang des Films) sieht der aus dem letzten Hulk Film mit Bill Bixby sehr ähnlich, wenn es nicht sogar die Gleiche ist.
Für Fans der TV Serie jedenfalls ein pflicht Titel.