Suchtpotential
Geschrieben in Wortspenden am Donnerstag, 05.06.2008… doch da trat die dreizehnte Fee hervor, die nicht eingeladen worden war, und verfluchte das Kind. “Sucht soll dein Leben begleiten! Schwach sollst du sein gegen alle Verführungen dieser Welt, und Hedonismus soll dein Lebensprinzip sein!” Dann rauschte sie beleidigt ab. Die letzte Fee aber, die ihre Segenswünsche noch nicht über das Kind ausgesprochen hatte, versuchte nun, den Schaden zu begrenzen. “Ich kann den Fluch nicht rückgängig machen, aber ich kann ihn relativieren. Suchtpotential wird dein Leben begleiten, doch gebe ich dir dazu ein Unmaß an Interessen. Es wird praktisch nichts geben, was dich nicht interessiert, und das wird es sein, was dich daran hindert, einer einzigen Leidenschaft völlig zu verfallen. Zusätzlich gebe ich dir ein zehnfaches Maß an Stolz, das wird dich daran hindern, dich körperlich von berauschenden Substanzen abhängig zu machen. Auch gebe ich dir die Fähigkeit, dir selbst ins Auge zu sehen, dadurch wirst du kein Hedonist, sondern höchstens Epikuräer.” Und so geschah es denn. Das Kind Klein-Röschen wuchs auf und alles, woran es Interesse entwickelte (wovon wirklich nahezu nichts ausgeschlossen war), wurde fast schon zu einer Obsession. Aber weil es so viele Interessen hatte, verfiel es keiner wirklich, immer wurde es durch etwas anderes abgelenkt. Was die letzte Fee nicht bedacht hatte, war jedoch, dass Klein-Röschen aufgrund seiner zehntausend Interessen permanent mit einem Hintern auf fünf Hochzeiten tanzte und keine Sache so richtig zuende brachte. Und da es die Fähigkeit hatte, sich selbst ins Auge zu sehen, war ihm das wohl bewusst, und weil es so viel Stolz mitbekommen hatte, ärgerte es sich maßlos über die eigene Unbeständigkeit. Und so kam es, dass Klein-Röschen beiden Feen die Pest an den Hals wünschte. ENDE.
So, oder so ähnlich. Es gibt übrigens keinen aktuellen Anlassfall, außer den, dass mich grad die Arbeitswut gepackt hat. Und das hängt mit einer ganz andere Form der “Sucht” zusammen, die uns Weibspersonen von der Natur diktiert wird.
Ich hätte es ja nie freiwillig glauben wollen, aber es ist wohl doch so, wie mir eine Arbeitskollegin vor längerer Zeit einmal gestanden hat. Da erzählte sie mir nämlich, dass sie immer, wenn sie ihre Tage hätte, von einem immensen Putzfimmel ergriffen würde. Es begänne meist ein, zwei Tage davor und halte dann bis etwa zur Hälfte der Periode an. Damals lachte ich noch. Doch natürlich ging mir die Sache nicht aus dem Kopf und ich begann mich zu beobachten. Und siehe: beim nächsten Damenmond fand ich mich plötzlich von dem unbändigen Verlangen ergriffen, den Feudel zu schwingen. Ich ärgerte mich über diese offensichtliche Beeinflussung – war ja klar, kaum hatte ich das erzählt bekommen, musste ich das Symptom übernehmen. Doch die Monate vergingen, und das Verlangen kam regelmäßig dann, wenn der Körper geschwächt von Krampfattacken und Anämie eigentlich der Ruhe bedurft hätte. Auf einmal glich meine Wohnung einem Saustall, oder jedenfalls schien es mir so. Und ich begann die Wohnung an Stellen zu säubern, die mir vorher nichtmal bewusst gewesen waren. 2 Tage später konnte ich dann nur noch über mich selbst den Kopf schütteln. Und der Zustand hält an.
Ich komme im übrigen gerade aus der Küche, die ich soeben von einer gefühlten 5 cm-dicken Grindschicht befreit habe. Da ich aber, wie oben erwähnt, nichts zuende führe, sind meine Putzattacken meist sehr lokal eingegrenzt. Entweder muss nur das Bad dran glauben oder nur die Küche oder auch nur eine Ecke in der Küche. So wirklich konsequent putzteuflisch bin ich also nicht, aber das liegt an der dämlichen letzten Fee.
Falls jetzt einige meiner männlichen Leser meinen, dies sei ein Frauenthema, das sie nichts angehe, so rufe ich diejenigen, die eine Liebste ihr eigen nennen, einfach dazu auf, diese zu beobachten. Vielleicht erkennt ihr ja ähnliche Muster und könnt dann stolz von euch behaupten, ein besserer Frauenversteher zu sein als die Frau selbst. ;-)

5.6.2008 um 21:52
Vielleicht muss ich deshalb immer die Wohnung putzen, da meine Konkuhummel (sagt sie selber, weil sie mein, Biene wäre nicht so ganz der richtige Ausdruck für sie) sowas wie einen Damenmond nicht mehr erlebt.
5.6.2008 um 23:42
Bin zwar männlich, aber vielleicht darf ich meinen Senf dazugeben … :- )
Möglicherweise liegt es daran, dass Hausarbeit zwar ziemlich lästig und zeitraubend ist, aber auch ein Gefühl der Befriedigung verschafft. Geht mir manchmal auch so: will zwar nichts wirklich Sinnvolles machen, aber um mein Gewissen zu beruhigen, wird eben der Boden aufgewischt. Und man freut sich dann, wenn man sich selber ob des überdurchschnittlichen Fleißes auf die Schulter klopfen kann. Also sagt dir dein Geist: Du solltest zwar deinen Körper schonen, aber fang trotzdem gleich zu putzen an, damit du nachher umso stolzer auf dich sein kannst. :- )
Freud würde wahrscheinlich ergänzen, dass man durch die sanfte Handhabung des Staubsaugers unterschwellige libidinöse Bedürfnisse symbolisch auslebt. :- )
Aber du solltest du dir wirklich überlegen, welche Symptome du in Zukunft übernimmst!! Die nächste Bekannte trägt sich vielleicht regelmäßig Selbstmordabsichten, wenn sie ihren Eisprung hat. :- )
Und an welchen Tagen zeichnest du gerne?
Alles Gute und möge alles ohne allzu schlimme Krämpfe abgehen …
LG
Peter
6.6.2008 um 7:58
Man nennt das auch Emo-Blogging. ;o)
Aber das ist so. Irgendwann wirst du dann auch anfangen Nesterl zu bauen. ;oP
6.6.2008 um 8:22
Hm. Naja, so gesehen ist aber jegliches Blogging “emo-blogging”, weil jeder aus irgendeinem letztlich emotional bewegten Grund meint, seine Meinung kund tun zu müssen. Sei es nun, dass er sich über des Kanzlers Sockenfarbe ärgert, oder Oma Knuddelweichs Marmeladerezepte mit der Welt teilen will – es trieb ihn das Gefühl der Notwendigkeit dazu.
Ich mag diese Kategorisierungen nicht. Und “Emo”… das ist die erste wirkliche Neuerscheinung, die mir in diesem Jahrzehnt aufgefallen ist. Alles andere war schon mal da. Schmeckt dennoch nach 90er Jahren.
6.6.2008 um 20:26
Ich kenne solche Putzattacken vor meinen Tagen aber auch, obwohl ich den Eindruck hatte, die Pille schränkt es etwas ein…
Aber im Grunde wäre ein wöchentlicher oder zweiwöchentlicher Putzfimmel besser als ein monatlicher – oder hält die Evolution monatlich für ausreichend?
7.6.2008 um 0:33
@nina: Naja, wenn du meinst. Emo-Blogging gehorcht gewissen Gesetzen und ich kann dir versichern, wenn ein Blogger ein Emo-Blogging Monat ausruft, dann liest sich das sehr anderes, als das was er/sie sonst so schreibt. Ich stimme dir also in diesem Punkt nicht zu. :o)
Und ob es jetzt nach 90-er klingt oder 80-er, von mir aus auch 70-er ist mir ziemlich egal, ich habe kein Problem mit der Vergangenheit. ;oP
7.6.2008 um 2:57
Ja, genau diese komischen Schubladen oder Charaktermerkmale sind es eben, die ich nicht mag, weil ich sie für bloße Einbildung halte. “Wenn ein Blogger ein Emo-Blogging Monat ausruft” – was bitteschön soll das den heißen? Und was passiert dann?
“Wenn ein Katholik Kniebeugen macht…”
“Wenn ein Feuerwehrmann einen Teller Suppe isst…”
… dann passiert genau dasselbe, wie wenn’s irgend ein anderer tut, weil weder die Konfession bei der Gymnastik noch der Beruf bei der Nahrungsaufnahme irgendeinen hervorhebenden Einfluss hat. Vielleicht schickt der Katholik Stoßgebete gen Himmel und der Feuerwehrmann beeilt sich, weil sein Dienst gleich anfängt, aber die Tätigkeit als solche verrichten sie wie jeder andere Normalsterbliche.
Ergo tut “ein Blogger” gar nichts anderes, als jeder andere Mensch, der grad mal auf die Idee kommt, sich irgendwie zu äußern. Sei’s nun über einen Blogeintrag, sei’s über einen Leserbrief an eine Zeitung, sei’s ein Bild zu malen, ein Poem zu dichten oder eine Selbsthilfegruppe für periodengeplagte Emos zu gründen.
7.6.2008 um 10:13
Das hinkt, aber ich verstehe deinen Einwand. Und ein Blogger nimmt wahrscheinlich sein Emo-Blogging weniger ernst, als du das Schubladendenken. ;o)
Damit wollte ich sagen, dass ich zwar mit dir bin was das Anti-Schubladen-Denken anbelangt, aber ich unterscheide zwischen dem “mit einem Augenzwinkern-Schubladen-Denken” und jenem Schubladen-Denken das diskriminiert. Letzteres wird von mir ebenso kategorisch abgelehnt.
7.6.2008 um 13:28
Diese beiden Feen, die kenn ich doch…. die waren ganz eindeutig auch bei mir!
Fragt sich nun, ob nicht ein großer Plan voller Raffinesse und Kalkül dahintersteckt, eine jahrelange Tournee durch die Lande, um die totale Unvollendung durch Masseninteressen zu erzielen.
Wenn man sich nur einmal die heutige, extrem wechselhafte Musiklandschaft anschaut, könnte man fast denken, der Plan sei bereits aufgegangen…
Ein Gruß an alle Leidensgenossen
Melanie
7.6.2008 um 14:19
[...] Angeregt wurde das Nachdenken darüber durch die kleine Diskussion hier. [...]
7.6.2008 um 17:22
@ tombraider: Ich freue mich, dass du mit mir bist, aber du weißt hoffentlich, was Bastian Sick mit dir anstellte, erführe er von diesem Anglizismus, bei dem sich sogar meine Zehennägel kurzfristig eingedreht haben. ;-)
@ Mel: Ich habe ja den dumpfen Verdacht, diese Fee war entweder eine nahe Verwandte des Schenkelklopfers, oder er war es sogar selbst. In Drag.
7.6.2008 um 17:29
Siehste, wir sind alle verseucht. ;o) Einmal dekontaminieren bitte!
9.6.2008 um 12:06
Emo … was ?!?
Ok, da ich ja eigentlich so eine Art Key Acount Manager und CEO in einer Person in meinem family buisness bin und auch für unsere Debitoren und Kreditoren manage, stand ich gestern mit einem meiner Accounts in einer Rail City getroffen habe, um mit ihm ein Brainstorming betreffend eines möglichen Benefits zu executen, ob es denn nicht sinnvoller wäre, in unserer Converation nicht so viele bodily outgoing variabilities zu emben und uns mehr auf den ingoing cashflow zu konzentrieren, da dann unsere finacial credibility untereinander sicherlich improved wär.
Ich geb ja zu: “Red kan Schaß, zahl oder schleich di” ist weniger “hip” allerdings verstehts jeder – spart auch etwas an Zeit.
Ich hatte ja schon lange ein Problem mit “Blog” – mittlerweile ist mir ja auch klar, dass damit einfach eine Art Tagebuch gemeint ist – mir ist auch klar, dass auch der normale “alte” Ausdruck dafür weit überholt ist, aber der hatte einen gewaltigen Vorteil:
DEN HAT JEDER VERSTANDEN
Mittlerweile sind wir jetzt so weit, dass wir das Unverständliche noch weiter verkomplizieren müssen, weil wir uns ja abheben müssen von der Masse.
Und ich bin jetzt vollkommen davon überzeugt:
Sollte ich hier fragen, was den nun zum Henker ein “EMO-Blog” ist, bekomme ich entweder gar keine Antwort, oder 20 grundlegend verschiedene, weils im Grunde keiner weiß, aber jeder sich damit wichtig macht.
Genau deshalb frag ich nicht, werd in ein paar Jahren unwissent aber glücklich frisch, saftig und steirisch sowieso ins Gras beissen – sorry – Meinen Real Lifetime Blog in heavenly Assets dispatchen werde – oder so.
9.6.2008 um 13:52
@ Elliott: Ich kenne das Wort “Emo” auch nicht von den Blogs, sondern bin rein zufällig damit in Berührung gekommen, als mir eine 20-jährige die Philosophie dahinter erklärt hat.
Um es kurz zu halten: Was in den 80ern die Goths/Grufties, die Mods oder sonstige “Befindlichkeitsgruppen” der Jugendszene waren, sind heute u.a. die “Emos”. Das ist eigentlich nur ein Kürzel für “emotional” (englisch auszusprechen), und wenn einer “emo” ist, dann trägt er die Stirnfransen (dt: den Pony) ins Gesicht, hat zu lange Ärmel und eine defensive, der Welt abgewandte Körperhaltung. Alles klar? Eine Modeerscheinung eben.
Die letzte CD von Marilyn Manson soll auch sehr “emo” sein. Ich finde sie ein bissel langweilig, aber das ist wohl der Kern von “emo”. Und dass das ganze dann auch irgendwie seinen Einzug in die Bloggersprache gefunden hat, ist eben eine Sub-Modeerscheinung.
“Blog” finde ich insofern nicht schlecht, weil ich auch Tagebuch führe, dieses aber nicht öffentlich. Und man kann ein Blog ja auch anders nutzen, so wie ich eben. Der obige Beitrag entspricht schon irgendwie einem Tagebucheintrag, aber meist schreibe ich doch eher Neuigkeiten, Kritiken oder in letzter Zeit stelle ich eben auch Musik vor. Sowas geht im Tagebuch definitiv nicht.
Ich glaube, das Blog hat sich aus dem einstigen “online journal” heraus entwickelt, insofern ist es schon etwas anderes. So wie ich es nutze, ist es auch mehr ein Logbuch denn ein Tagebuch. Aber das, was mich das komische Wort dennoch gern haben lässt, ist unterm Strich nur eins: seine Kürze. ;-)
13.6.2008 um 22:48
Da sich mein Musikgeschmck weniger an Mer… Mär … ach, ich kann den Namen ja nicht mal schreiben, als mehr an Billy Joel orientiert (mir ist bekannt, der paßt jetzt so gut wie gar nicht hier rein), kann ich jetzt weniger beurteilen, ob denn das letzte Album des beinahe oben Genannten langweilig war/ist, oder langweiliger oder mehr “emo” als seine vorherigen Werke, da ich die auch nur vom kurzen reinhören kenne, wobei mir diese Art von Musik nach etwa 5 Takten mächtig auf den Nerv geht. Wie auch immer – das einzige, was mich an diesen tollen Wortkreationen stört, ich merk immer mehr, wie alt ich bin. Nicht, dass es sowas nicht schon früher gegeben hätte (“die Jugend heut zu Tag” – Schwachsinn, zu welcher Zeit war die anders als heute ?), aber früher hab ich da begeistert mitgemacht, hab ich jeden Ausdruck, ob ich nun wußte, was der heißt oder nicht, egal, hat “cool” geklungen, also ward er benutzt, der Ausdruck. Heut scheine ich doch reifer geworden zu sein, liegt mir doch mehr an der Bedeutung als an dem Klang. Bin schon ein merkwürdiger Vogel bisweilen.
2.9.2010 um 21:51
Bei mir funktioniert das gar nicht. Sprich wenn der monatliche “Freund” da ist, bin ich weder zum Putzen noch zu etwas anderem – außer raunzen – imstande.
Doch was bleibt mir anderes übrig ? Schwanger werden will ich nicht, also muss ich mich wohl oder übel noch die nächsten x Jahre mit dem monatlichen “Freund” abfinden. *seufz*
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Im nächsten Leben komm’ ich als Mann zur Welt. ;)