Babel
Geschrieben in Ninas Privatkram am Mittwoch, 27.02.2008Zwei DREI peinliche Begebenheiten.
Nummer eins ist schon etwas länger her. Ich stehe in der Straßenbahn hinter einer (sitzenden) Dame, die in einem Groschenheftchen liest. Da ich prinzipiell IMMER neugierig bin, was die Menschen lesenderweise konsumieren, selbst wenn es nur Arztromane sein sollten, werfe ich auch immer einen kurzen Blick in deren Lektüre. Ich werfe also – werde aber nicht schlau. Dazu muss man sagen, dass ich latent kurzsichtig bin. Bislang war mir die Brille noch erspart geblieben, aber nachdem ich fünf Minuten angestrengtest versucht habe, einzelne Wörter in diesem Roman sinngemäß zu entziffern, beginne ich bereits, mich mit dem Gedanken an den baldigen Marsch zum Augenarzt anzufreunden.
Da ich aber zumindest den Titel des Machwerks wissen will, fokussiere ich mit letzter Pupillenkraft die fett geschriebene Zeile ganz oben an. Dbrce wzni irgendwas. Der Roman war kroatisch geschrieben.
**********
Gestern in der Straßenbahn. In Romane schaue ich in letzter Zeit nicht mehr so gerne rein, jedoch lassen sich akustische Signale nicht wirklich ausblenden. Zwei ältere Frauen steigen ein, entdecken die freien Sitzplätze schräg gegenüber von mir und stürmen drauf zu. Sagt die eine zur anderen: “hblw aicjwl WIXER hjn”. Wie bitte? Den WIXER habe ich deutlich verstanden, aber das kann’s doch wohl nicht sein! Ich versuche, weitere Gesprächsfetzen zu erfassen, aber immer dann, wenn die eine zur anderen oder umgekehrt etwas sagt, quietscht die Straßenbahn, ertönt eine Durchsage oder erleidet ein Fahrgast neben meinem Ohr einen heftigen Hustenanfall.
Ich beugte mich immer weiter vor und hatte gegen Ende wohl schon einen recht belämmerten Gesichtsausdruck aufgesetzt, aber ich konnte trotz allem nicht ausmachen, ob die beiden Damen Deutsch (in irgendeinem wilden Dialekt) oder eine Fremdsprache sprachen.
Nachtrag:
Die heutige Begebenheit schließt den Bogen, indem sie zu Kurzsichtigkeit und Schwerhörigkeit noch Lallen hinzufügt.
Ich sitze mit einer Freundin in einem Lokal, wir plauschen angeregt über Gott und die Welt und landen letztlich auch bei alten Filmen. Ich will “Schwarz-weiß-Film” sagen, heraus kommt jedoch nur ein “Schweißfilm”. Auch keine schlechte Abkürzung.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt übrigens lediglich am Bier meiner Freundin genippt, ansonst nur Apfelsaft und Kaffee konsumiert. Morgen stelle ich meinen Antrag auf Frühpensionierung.
