Der Name des Roserls
Geschrieben in Kurioses am Dienstag, 08.01.2008Normalerweise verlinke ich ja keine Nachrichtenmeldungen. Aber die mysteriöse Büchervernichtung an einer bayrischen Katholischen Universität verleitet mich dazu, eine Ausnahme zu machen. 80 Tonnen (!) teils wertvolle historische Bücher wurden dem Altpapier zugeführt und kein Mensch weiß warum bzw. die, die’s wissen, hüllen sich in Schweigen und behaupten, die Untersuchungen seien im Laufen. Die Rolle der Bibliotheksdirektorin bleibt im Dunkeln.
Der Gedanke an Umberto Ecos Megabestseller drängt sich auf. Was soll da mittels Büchervernichtung verheimlicht werden? Etwa, dass dem Heiligen Thomas von Aquin mal ein Grinser entwichen ist, oder dass sich die Apostel nach dem Abendmahl noch ein paar deftige Witze erzählt haben? Ok, ok, ich erliege meiner Fantasie…

Ach, so etwas kommt auch in Wien vor, erst vor einem halben Jahr gab es wieder einen von der Öffentlichkeit unbemerkten Fall. Zwar keine 80 Tonnen, aber doch etliche hundert Laufmeter z.T. historisch äußerst wertvoller Bücher. Mich erschüttert diesbezüglich nichts mehr, das Ignorantentum wird wohl nie aussterben.
Sieh da, davon hab ich gar nichts mitbekommen. Aber: War da auch so eine Geheimniskrämerei drum rum wie in vorliegendem Fall? Das ist es ja, was die Sache so krimigleich spannend macht. :-)
ob sich die apostel nach dem abendmahl noch ‘n paar deftige witze erzählt haben? Da wette ich drauf. Vielleicht ist dem Herrn von Aquin sogar eine gar frevelhafte Flatulenz entfleucht und er hat darob grinsed das naserl gerümpft. Geheimnis? WUnder? Wir werdens nie wissen.
möchte bloß wissen, was man von so einer büchervernichtung hat? Es sei denn, die bücher ham irreversibel irgend a schwammerl eingfangt und sind vor lauter sporen … ungenießbar geworden. a-ha! noch eine parallele zum namen des röschens.
@nina: “Sieh da, davon hab ich gar nichts mitbekommen” – Logisch, wenn nichts nach außen dringt. Es ging aber weniger um irgendwelche Verschwörungen als dass vielmehr typische österreichisch-bürokratische Schlamperei vorlag. Die Bücherei einer Institution sollte aufgelassen werden und niemand fühlte sich für den Bestand zuständig. Im Kompetenzdschungel verschiedener Magistratsabteilungen, Ministeriumssektionen und sonstigen amtlichen Einrichtungen, ja sogar von Stellen im Ausland, bedarf es schon eines engagierten Bürotarzans, eine vernünftige Lösung zu finden – und diesen gab es nicht. Als Trost bleibt nur, dass es viel schlimmer hätte kommen können, ein großer Teil des Bestandes kam (hoffentlich) in anderen Bibliotheken und Archiven unter, aber mir persönlich tut es um jedes Buch leid.
Ich finde so etwas einfach nur erschreckend, wie wenig man über soetwas informiert wird, da wird auf der einen Seite , der Brand Anna Amalia Bibliothek (2004) http://www.anna-amalia-bibliothek.de , von der Presse zt als als Altpapiervernichtung qualifiziert(und nicht nur von der Bild & Co.) und erst nach einer Aufklärungskampagne wurde auch dem letzten Hinterwaldblatt klar, das hier ein Kulturhistorischer Schatz vernichtet wurden.
Das sich solche Sachen wiederholen , auch noch von Leuten selber produziert, die sowas eigentlich besser wissen müssten, da fällt einem echt nix zu ein.
Ehm, naja, mittlerweile heißt es von offizieller Seite, es wurden vor allem (!) keine wertvollen sondern unbrauchbare/nicht rekonstruierbare (Schimmel) Bücher, welche nicht mehr verkauft werden können, aussortiert.
Man kann natürlich zu einer Meldung spekulieren wie man will.
- Die lügen aus Selbstschutz gründen.
- Die Presse hat mal wieder schamlos übertrieben.
Leider sind heutzutage beide Richtungen nicht unüblich sondern Standard, so wie das Märchen vom ehrlichen Politiker, daher tippe ich auf eine Kombination von beidem. Die haben was die Presse schamlos übertrieben hat nun vertuschen wollen.
Andererseits denke ich, der Ansatz eines vorsätzlichen Vernichtens aus inhaltlichen Gründen ist falsch.
Erstens wir bei sowas professioneller angegangen (Verbrennung, Schredderer) und zweitens riecht das ganze eher nach Faulheit seitens der Verantwortlichen. Anstatt sich mit Problemen wie Restaurierung oder Kategorisierung herumzuärgern unternahm man den einfacheren Weg: Beseitigung. Leider ebenfalls ein üblicher Weg neben dem Aufschieben von Problemen, aber auch sehr menschlich.
Maxi, du ruinierst hier einen wundervollen Krimi-Plot mit deiner Nüchternheit! :-P
aber geh … da bleibt noch immer die Spannung: Und was versteckt sich hinter dem “Vor Allem”?
Gut, 99 % werden wohl unwiederbringlich kaputt sein – schimmelbefall oder so. Und was ist mit dem 1 %, das von der annahme nicht gedeckt wird? Abzweigerli? Gfladert? Wir werdens wohl so shcnell nciht erfahren …
just my 2 $
Anmerkung am Rande:
Der Name der Rose ist ein Buch das röm kat. Christen ja eigentlich nicht lesen dürften…. Steht auf der schwarzen Liste des Vatikans…..
Was ich so toll finde ist, dass man ja angeblich dahintergekommen sei, weil auf einmal die wertvollsten Folianten in diversen Antiquariaten auftauchten. Ob das nun stimmt oder nicht, mir gefällt die Vorstellung, dass da bibliophile Mistkübelstierler (dt: Mülltonnendurchwühler) begierig im Schatten der Altpapiertonnen drauf warteten, dass wieder eine neue Ladung entsorgt wird.
Und bei 80 Tonnen ist ein Prozent wirklich wertvoller Bücher auch ganz schön viel!
@ Scrat: Tatsächlich?? Meine Güte, dem Ratzinger ist wieder die Glühbirne durchgebrannt, wie?
Ups, sorry.
Realist.
Mein Fehler ;-)
Scrat, der Index Librorum Prohibitorum wurde bereits vor über 40 Jahren abgeschafft, schon alleine aus dem Grund der unüberschaubaren Menge an Publikationen *). Das einzige was du noch meinen könntest wären die “Literaturempfehlungen” von Opus Dei. Dass gewisse Kirchenkreise manchen Werke wie eben jendes von Eco nicht unbedingt positiv eingestellt sind überrascht wenig, ist aber niemals offiziell.
*) Ich stelle mir gerade bildlich vor, wie sich hinter den vatikanischen Mauern irgendwo in einem dunklem Zimmer Glaubensbrüder über die dreibändige Ausgabe von “Der Tod und das Mädchen” einer unbekannten österreichischen Zeichnerin beugen und darüber diskutieren, ob dieses Werk auf den Index gesetzt werden solle oder nicht.
@ Großer Schwarzer Vogel So issas. Aber eine gewaltige Werbemaßnahme für die indizierten Autoren wäre es in diesen Zeiten schon. In etwa so wie die Indizierung von Spielen durch die BPjS eine Adelung darstellt… *g*
Nüchterner Realismus muss den kriminellen Touch nicht unbedingt ruinieren:
1. Variante: Jemand, der den Unterschied zwischen Mein und Dein nicht so eng sieht und Zugang zu einem Lager hat, in dem eine alte Sammlung z.B. Bücher, Mobiliar, Grafiken, Gemälde von der Öffentlichkeit unbemerkt vor sich hin schimmelt, „rettet“ die Stücke, die ihm wertvoll erscheinen, „vor dem Verfall“ und vernichtet den Rest, damit die Fehlbestände nicht auffallen. „Welche Sammlung? Ach die – die musste entsorgt werden, war alles schon schimmlig und Schimmel ist ein Gesundheitsrisiko für unsere Mitarbeiter!! Mein Beitrag zum Umweltschutz.“
2. Variante: Jemand der die Verantwortung, die ihm sein Amt und sein Salär aufbürden, nicht ernst genug nimmt und zufällig Platz braucht, gibt den Auftrag, ein Lager zu räumen ohne genau zu prüfen, was da alles in den angeschimmelten Kartons so drinnen ist. Er beauftragt einen mehr oder weniger professionellen Räumer, der sich die Mühe macht, die Stücke, die ihm irgendwie wertvoll erscheinen, zu Geld zu machen. Der Antiquitätenhändler bezahlt ein paar Cent, ruft seine Sammler an oder stellt das gute Stück ins Fenster. Der Aufschlag lohnt den Aufwand.
Bei dieser Variante amüsiert mich die Vorstellung, dass einer aus dem Kreis der Verantwortlichen, die ungeprüft haben vernichten lassen, Alarm geschlagen hat, weil plötzlich Bücher mit dem ex libris der KU im Handel aufgetaucht sind. Wie auch immer, Ignoranz und Pflichtvergessenheit sind genauso kriminell wie bewusster Diebstahl.
Übrigens: Listen der verbotenen Bücher haben nicht nur die Katholiken. Harry Potter steht z. B. in mehreren „Kultur“-Kreisen auf dem Index. Die Angst vor der Macht des Wortes und dem Gedankengut, das dahinter steht, ist bei denen, die keine Gegenargumente haben, nach wie vor groß und verbieten ist einfacher als überzeugen. Wirkt aber nicht, wirkt gar nicht!
3. Variante: Jemand, der die Verantwortung durch die Höhe seines Salärs nicht abgedeckt sieht und dabei ziemlich kurzsichtig ist, was die Rückverfolgbarkeit seiner Spuren betrifft (ist ja durchaus realistisch, dass von Rache getriebene Leute diesbezüglich blind sind), vernichtet die Bücher, um sich an der Uni zu rächen. Oder es ist die Folge eines uniinternen Mobbing-Skandals, tatsächlich wird am Stuhl des Direktors gesägt, auf den letztlich alles zurückfällt, umso mehr als er so lange vertuscht hat.
4. Die Lutherianer waren’s!
Hach, der Spekulationen gibt es viele, und eine ist schöner als die andere. Nicht, dass ich mich am Unglück anderer weidete, mir tut es auch um die Bücher leid. Aber solche Sachen sind einfach ein Inspirationskitzel für rastlose Gemüter!
@ Melanie: Das, was ich vorhin über die blindwütige Rache sagte, trifft eigentlich auch auf die diversen Indices auf, die da immer so schön Bücher bannen oder verteufeln. Denjenigen, die solche Listen erstellen, kommt es allem Anschein nach chronisch nicht in den Sinn, dass sie gerade damit das Interesse und die Aufmerksamkeit der Leute wecken und somit die beste Werbung für das pöse Werk betreiben.
Also den Index Librorum Prohibitorum darf man sich nicht als lange Liste mit verbotenen Büchern vorstellen, sondern die Sache lief umgekehrt: Es waren zunächst ALLE Bücher verboten und nur jene, die bei den Druckereihinweisen den Vermerk „Imprimatur“ hatten, durften vom gewöhnlichen Volk ohne Fegefeuer- und Höllenrisiko gelesen werden.
Mir ist schon lange aufgefallen, dass bei vielen antiquarischen Büchern die erste Seite fehlt. Bisher glaubte ich, sie sei herausgerissen, um das damals übliche „ex libris“ des Vorbesitzers zu vernichten. Jetzt gefällt mir auch die Erklärung, dass Kleingläubige dadurch vorgeben konnten, das Buch hätte ohnehin ein „Imprimatur“ gehabt.
…Aber solche Sachen sind einfach ein Inspirationskitzel für rastlose Gemüter!…
Oh man Dan Brown ik hör dir trapsen , das klingt doch schon wieder nach den Pseudo wahrheite , und einem spannenden Buch.
Aber ohne mich , das Schema ist immer das gleich … und für mich literarisch uninteressant …
Ergänzung zu Imprimatur:
Das galt natürlich nur für religiöse und philosophische Schriften, Fach- und Lehrbücher. Romane und andere Profanliteratur zu lesen war (oder ist noch immer?) für wahre Christen nicht opportun. Schade um die Zeit, in der man in Arbeit und Gebet Erbauung finden kann.
Übrigens kenne ich keine Religion, die so lustfeindlich ist und alle noch so harmlosen Vergnügen als Sünde oder unerwünscht bezeichnet wie die römisch katholische.