Blogroll
Geschrieben in News, Wortspenden am Samstag, 24.11.2007Nur, falls es noch niemandem aufgefallen ist: Ich habe jetzt auch ein Blogroll, in welchem ich andere Blogs, die mir interessant scheinen, verlinke. Eins davon ist verständlicherweise das Blog meiner Verlegerin. Die anderen beiden gründen auf persönlichem Interesse.
Das Bestatterweblog hat mich kürzlich verlinkt und dabei meinen Server zum Einsturz gebracht. Ich kann euch sagen, ich war noch nie so froh über einen Servercrash, denn ich hatte im ersten Moment an einen Hackangriff gedacht. :-) Nicht deswegen habe ich aber den Link gesetzt, sondern weil ich die Geschichten des Undertakers einfach für großartig und unbedingt lesenswert halte.
Soeben habe ich auch das Blog des Streetgirl aufgenommen. Ich bin beeindruckt. Hier berichtet eine Prostituierte von ihrem Alltag. Und hier spricht gleich wieder der Robin Hood aus mir: Ich bewundere das und halte Prostituierte (die das freiwillig tun, denn das gibt es durchaus) für eine der wichtigsten Säulen der Gesellschaft. Ohne sie gäbe es, davon bin ich 100%ig überzeugt, wesentlich mehr Sexualverbrechen. Respekt. Denn im Grunde ist das ein Job wie jeder andere, und jeder, der das abstreitet, soll mir sagen, ob er sich 40 Wochenstunden freiwillig ins Büro setzte, wenn er kein Geld dafür bekäme. JEGLICHE Art der Dienstleistung für Geld ist ‘Prostitution’, da sollte man vor bestimmten Teilbereichen nicht leichtfertig die Nase rümpfen! (ja, ich weiß, ich moralisiere schon wieder, ich fürchte, ich hab grad so eine Phase)
Und jetzt noch eine Kurzmitteilung in eigener Sache.
Ich muss mich wieder mal für die lange Wartezeit entschuldigen. Ich will nicht auf irgendwelche Drüsen (Tränen, Mitleid etc.) drücken, daher nur soviel: Es ist alles nicht so leicht, und manchmal tauchen aus allen Ecken gleichzeitig Probleme auf. Dass ich in letzter Zeit relativ viele Wortspenden gepostet habe, ist nur ein Zeichen dafür, dass ich ein Ventil brauchte. Ab Montag will ich wieder intensiv mit dem Zeichnen beginnen, auch wenn die Schwierigkeiten noch nicht beendet sind. Ein wenig Geduld noch!

25.11.2007 um 11:53
Nun, da Sex für viele Männer der einzige Grund ist, warum sie überhaupt Tag für Tag aufstehen, könnten Prostituierte tatsächlich die rettenden Engel der Gesellschaft sein – mit Sicherheit kann das natürlich niemand sagen.
Es wäre aber kein Job für mich (also die männliche Variante, da ich ja keine Frau bin), ich fühl mich ja schon schlecht, wenn ich mich für Geld quasi prostituieren und alle möglichen Jobs annehmen muss, um über die Runden zu kommen – dann aber noch mit jedem ins Bett hüpfen müssen, der meine Dienste bezahlt, hmm, nein, wirklich nix was ich könnte.
Schwierigkeiten bzw das Leben, das einen abhält vom Zeichnen, das kann ich gut nachvollziehen. Hat mich sowas doch glatt dazu gezwungen, meine Stifte fast 3 Jahre nicht mehr zu benutzen. Und wie schön wäre es, vom Zeichnen leben zu können, tagein tagaus sich nur um seine Comics/Cartoons kümmern, ohne sich ständig sorgen um Lebensunterhalt und Rentenvorsorge machen zu müssen, einfach nur der Welt jeden Tag ein kleines Lächeln schenken, *seufz* das wär`s …
25.11.2007 um 13:29
So, wie ich das verstanden habe, kann es sich das Streetgirl aufgrund von Stammkunden auch mal leisten, einen Freier davonzuschicken, sie muss also nicht mit jedem ins Bett. Aber doch mit den meisten. Und nachdem ich ihre Einträge so durchgelesen hatte, musste ich mir ganz ehrlich denken: Wenn das jetzt eine Krankenschwester oder eine Verkäuferin oder Kellnerin geschrieben hätte, es würde fast genauso klingen! Man muss zum zahlenden Kunden freundlich sein, darauf läuft’s hinaus. Ich finde solche Einblicke ins Leben ungemein spannend.
Glaube mir, auch die künstlerische Selbständigkeit ist nicht sorgenfrei, schon GAR nicht, was Lebensunterhalt und diverse Sozialversicherungen (Krankenkasse, Rentenversicherung…) betrifft. Denn Geldprobleme tauchen immer wieder mal auf, selbst wenn man im großen und ganzen davon leben kann. Da müssen nur ein paar Arztrechnungen zusammenkommen, die von der Krankenkasse der Gewerbetreibenden nur teilweise übernommen werden, und auf einmal hat man sie alle wieder, diese irdischen Sorgen.
Das größte Problem ist, dass man als Künstler eigentlich nur über die Runden kommt, wenn man entweder bettelarm ist und deshalb vom Staat ein paar Unterstützungen erhält, oder wenn man schwerreich ist und sich die Abgaben leisten kann. Der Bereich, wo man eigentlich sagen würde, so ließe es sich leben, ist so von Steuern belastet, dass einem unterm Strich noch weniger übrig bleibt, als hätte man kaum Einkünfte, weil man zum einen die volle Breitseite vom Finanzamt abbekommt, zum anderen aber keine Förderungen mehr erhält. Genau aus diesem Grund bin ich eher in der Rubrik “bettelarm” angesiedelt, ich müsste wirklich über Nacht Millionen scheffeln, um mir die Kategorie “Mittelstand” leisten zu können.
25.11.2007 um 14:36
JEGLICHE Art der Dienstleistung für Geld ist ‘Prostitution’.
Prostitution (von lateinisch pro-stituere aus pro und statuere – nach vorn stellen, zur Schau stellen, preisgeben)
Vom eigentlichen Wortsinn her, ist also nicht jede Dienstleistung prostitution, zum Beispiel wenn ich bei Subway nem Kunden nen Sandwich mache nicht.
Allerdings hast du recht damit, dass man zu jedem kunden freundlich sein muss
25.11.2007 um 17:34
@ sebbl: Vom eigentlichen Wortsinn her wäre das, was wir heute allgemein unter Prostitution verstehen (nämlich Sex für Geld) auch keine solche, da man sich dafür nicht unbedingt “nach vorn stellen” oder “zur Schau stellen” muss. Es gibt ja auch Begleitagenturen oder Inseratkontakte, bei denen sieht der Kunde auch erst ab dem Moment, wo er schon bestellt hat, WAS er da eigentlich bestellt hat.
“Preisgeben” muss man sich wohl, aber das muss auch der Verkäufer im Subway bis zu einem gewissen Grad. Nicht so sehr wie die Liebesdienerin, klar, aber der hat ja auch ein anderes Aufgabenfeld. Er muss aber physisch präsent sein, ein freundliches Gesicht machen und die Wünsche des Kunden erfüllen.
25.11.2007 um 20:01
@ sebbl:
Wobei ich die Gastronomiebrache der Prostitution noch am nächsten stelle….
Oder stimmts nicht das man mit etwas “besonderem Charme” einfach mehr Umsatz und/oder Trinkgeld macht?
P.S.: Ich bin nebenbei auch öfters in Gastrononmie und als Verkäufer tätig. ;)
25.11.2007 um 22:12
Gastronomie ist der Prostitution ähnlich, das stimmt. Nur es gibt einen Unterschied: Egal, wie unhöflich der Arsch ist, du musst ihn bedienen. Da hat man schon Vorteile in der Prostitution mit Stammkunden, denn jeden Arsch muss man nicht “bedienen”.
“besonderem Charme”, darunter fällt wohl eine prall gefüllte Bluse mit möglichst viel Ausschnitt, ein schönes Lächeln und das Trinkgeld springt schon auf dich zu. Das stimmt leider. Wobei du hinten in der Küche viel Charme und alles haben kannst, es sieht dich jedoch niemand (Gut, der Chefkoch wird mehr Sprüche wie Schnitzeln klopfen, aber das ist auch ne andere Sache).
Ich werd mir mal den Blog durchlesen, wenn ich Zeit finde. Aber derzeit mit Matura und alles, no chance…
26.11.2007 um 7:55
@nina: Das verstehe ich nur zu gut. Man kann nicht immer zeichnen, man muß sich auch um anderes kümmern und so nebenbei will auch eine Zeichnung resp. ein Bild oder gar ein Strip gut geplant sein. Das braucht Zeit, Geduld und Spucke.
Ich hab jetzt seit 5 Jahren keinen Stift mehr angerührt, um zu zeichnen. Ich kann mir das in der gegenwärtigen Lebensphase einfach nicht vorstellen – abgesehen mal davon daß ich berufstätig und nebenbei Student bin. *gg*
Bin schon sehr gespannt, wie’s mit dem Tod und Mercedes weitergeht.
ah … und Vorfreude ist die schönste Freude. :-)
26.11.2007 um 12:30
@nina
ach so war das gemeint.
Ich sollte vielleicht nicht kurz nach dem aufstehen versuchen was zu lesen UND zu verstehen ;)
Aber mit dem was du sagst, hast du recht, der kunde ist halt (leider) König.
Nicht das jetzt alle schrecklich wären, aber wenn eine Minute vor Feierabend noch einer reinkommt kann das schon nervig sein….
@Scrat
Stimmt schon, wenn man nett zum Kunden ist, fällt das Trinkgeld meistens besser aus
27.11.2007 um 3:17
Trinkgeld:
Warum sollte ich Trinkgeld geben, wen man nicht nett und freundlich zu mir gewesen ist? Nur um Geld los zu werden? Wenn ich jemanden sympathisch finde, zeige ich es: mit einem Lächeln und dort, wo es Sitte ist, eben mit einem Trinkgeld UND einem Lächeln. Eine unfreundlich erbrachte Dienstleistung ist irgendwie beleidigend genau so wie ein unfreundlich gegebenes Trinkgeld.
Streetgirl:
Also, wenn man davon ausgeht, dass Geschlechtsverkehr an sich zu den angenehmeren Ereignissen des Lebens gehört – natürlich abhängig von der Person, die man so nahe an sich ran lässt – und weiter davon ausgeht, dass die Schwelle, ab wann man jemanden als Sexpartner geeignet oder würdig ansieht, bei verschiedenen Menschen unterschiedlich hoch ist, so ist doch Prostitution für Personen mit niedrigen Berührungshemmungen kein so schlechter Beruf.
Die Nachfrage ist gegeben, das Einkommen überdurchschnittlich und die Einkommensteuererklärung dürfte auch kein großes Problem sein, da die meisten Kunden keine Rechnung brauchen.
Dass man „sich verkauft“ wird vielleicht überbewertet. Sind doch die Gründe, warum sich eine Frau „hingibt“, so gut wie nie selbstlos. Irgendetwas erwartet sich doch jede davon: Lust, Befriedigung, keinen Verdruss, das Gefühl nicht allein zu sein, geliebt, begehrt zu werden, einen Kinderwunsch zu erfüllen oder gesellschaftliche Beachtung als Ehefrau oder Begleiterin eines bestimmten Mannes (und sei es Mörtel Lugner) – oder eben Geld.
Das hohe Einkommen, das wie alles im freien Markt durch Angebot und Nachfrage geregelt und dadurch auch berechtigt ist, macht den Job zwar attraktiv, birgt aber nicht zu unterschätzende Nachteile.
• Die Gefahr, dass sich sogenannte „Beschützer“ finden, die partizipieren wollen und die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, ist durchaus groß. Und Unterstützung durch die Gesellschaft (z.B. Polizei) ist kaum gegeben (ich meine Unterstützung der Frauen).
• Ebenso die Gefahr, dass Kunden glauben, wenn sie schon so viel zahlen, dann hätten sie die ganze Frau mit Haut und Haaren, Leib und Leben erworben. Auch hier kann kaum mit Unterstützung gerechnet werden. Man denke nur wie angesehen Jack Unterweger, ein abgeurteilter Prostituiertenmörder, der darüber auch noch ein (grottenschlechtes) Buch geschrieben hat, war.
• Bei Burn-out-Durchhängern, die ja in jedem Beruf auftreten, ist die Versuchung und auch die tatsächliche Möglichkeit, sich die Arbeit schön zu saufen oder zu schnupfen oder zu spritzen, größer als bei den meisten anderen Jobs (ausgenommen vielleicht Show-Business).
• In dieser Branche verhält sich das Einkommen verkehrt proportional zu den Dienstjahren. Das ist bitter, bringt Einbußen in der Lebensqualität und verstärkt das durch Werbespot geprägte weit verbreitete Gefühl, dass man mit zunehmendem Alter weniger wert wird.
• Man muss auch damit umgehen können, täglich zu spüren, dass man zwar gebraucht aber gleichzeitig auch verachtet wird. Mangel an gesellschaftlichem Ansehen zehrt mehr am Selbstwertgefühl als die meisten wahrhaben wollen.
Nina hat völlig recht, es ist ein Dienstleistungsberuf, der wichtig, notwendig und vielen angenehm ist und weder in die süffisante Schmuddel- und Verachtungsecke noch in die widerlich bigotte Verteufelungsecke gehört. Diese Frauen, die eine unverzichtbare Aufgabe in der Gesellschaft ausüben, verdienen unsere Unterstützung gegen Diskriminierung und den gleichen Respekt, wie z. B. Pflegepersonal.
27.11.2007 um 9:04
Also, daß ein Bestatterweblog es schafft den Server zu Grabe zu tragen, find ich schon mal gut. Ein Glück gibts wenigstens hierfür eine Art Wiedergeburt.
Auch wenn ich eigtl. nichts zu schreiben wollte (es mir aber durch den Kopf geht):
1.Wie siehts mit männlichen Prostituierten aus (dies ja gibt)?
2.Und wieso hört man nie was von weiblichen Freiern? (Und erzählt mir jetzt nicht, daß Frauen nicht genauso “süchtig” werden können, wie Männer, kenne genug Beispiele.)
Freu mich schon aufs 4.Kapitel….
27.11.2007 um 17:47
@ Toffer: Ich habe mal einen Bericht über einen männlichen Prostituierten gesehen, war interessant. Vor allem, weil das tatsächlich ein “Gigolo” war, oder wie man zu denen sagt, die tatsächlich begüterte Frauen beglücken. “Lover boy” vielleicht. Der war arbeitsloser Tischler, ehe er mit dem Gewerbe anfing, und hatte auch Frau und Kinder. Hat sich halt um vereinsamte Damen gekümmert, die ebenfalls zu Wort kamen und alle in den höchsten Tönen von ihm schwärmten.
Etwas anderes sind wiederum die männlichen Stricher, die wohl auch vorwiegend männliche Kundschaft bedienen. Da geht’s dann wohl etwas weniger samtig und gentlemanlike zu Gange.
30.11.2007 um 17:38
Hey Nina, Habe jetzt gerade beim Bestatterblog vorbeigeschaut. Gratuliere fürs neue Projekt! :D
8.12.2007 um 23:47
Hallo Nina!
Ich bin erst heute hier gelandet und will mich artig für das Verlinken und vor allem Deine Gedanken zu meinem Beruf bedanken! Deine Comics lese ich schon länger begeistert und es ist mir wirklich eine Ehre, hier aufgenommen worden zu sein.
Und an meine Namensvetterin Melanie: Du hast es gut auf den Punkt gebracht. Ich hätte leicht irgendwo abrutschen können und habe manchmal wirklich Glück gehabt, dass es so und nicht anders gelaufen ist.
9.12.2007 um 14:24
@ Streetgirl: Vielen Dank für den Kommentar! Ich war wirklich baff, als ich dein Blog fand, und ich finde es ungeheuer mutig von dir, so ehrlich über deinen Job zu sprechen.
Das, was mich wie bereits erwähnt immer wieder auf die Palme treibt, ist die Verachtung, die viele Leute dem Beruf entgegenbringen, obwohl sie selbst ihren Chefs täglich in den Hintern kriechen, und obwohl viele jener, die schlecht über Prostituierte sprechen, selbst deren Dienste in Anspruch nehmen. Ich verstehe diese Heuchelei nicht. Andererseits ist sie wohl ein Spiegel unserer Gesellschaft, denn wenn es die Verlogenheit nicht gäbe, liefe wohl einiges weniger schief.