Dummheit 2
Geschrieben in Wortspenden am Dienstag, 20.11.2007Ein ganz besonderer Fall von Dummheit ist es, wenn man aufgrund von Sturheit oder Narzissmus geschichtliche Fakten ausblendet. Das beste Beispiel hierfür ist eine gewisse Frau Ex-Moderatorin, die nach dem Medienrummel um ihr verqueres Mutterbild ja unbedingt noch eins draufsetzen und mit der Familienpolitik des Dritten Reiches liebäugeln musste. Als gelernter Österreicher ist man sowas schon gewohnt (Stichwort “Beschäftigungspolitik”), ebenso das periodisch wiederkehrende Auftauchen eines solchen politisch-historischen Totalverweigerers, der die Dinge partout durch seine eigene ignorante Brille sehen will.
Das ist jetzt kein Beitrag der Marke “Gutmenschentum”. Ich halte auch wenig davon, sich permanent selbst zu geißeln und man kann auch darüber diskutieren, ob die Aufschreie bezüglich oben genannter Dame gerechtfertigt oder überzogen waren (mir persönlich ist sie aufgrund ihres Frauenbildes unsympathisch, daher hält sich mein Mitleid in Grenzen). Aber wenn man mit historischem Material hantiert, dann sollte man verdammt noch mal wissen, was man tut und nicht mutwillig die Dinge umfärben oder einfach totschweigen.
Der Grund für diesen etwas ungewöhnlichen Beitrag meinerseits ist ein Kommentar eines Künstlers, der wohl als lustig gemeint war, der mir aber fast den Magen umdrehte. Umso mehr, als er von einer Person stammt, die ich bis dato eigentlich sehr schätzte, obgleich sie mir bereits des öfteren mit derart grenzgängerischen Wortmeldungen aufgefallen war.
Ich könnte mit dieser Kritik hier Schwierigkeiten bekommen, daher nenne ich keine Namen. Die Aussage, um die es geht, entnehme ich einem Bericht von Spiegel Online. Sie lautet wie folgt:
N.N. lehnte einfach nur da, wackelte nicht, wippte nicht, blinzelte nicht, seine Stimme war gewaltig, aber noch gewaltiger war seine Körperbeherrschung. Musik, erzählte er, sei ja immer aufs Engste mit Schicksal und persönlichen Tragödien verbunden gewesen. Und dann machte N.N. eine Kunstpause, guckte hinab auf New York [Anm.: damit ist das Publikum gemeint, nicht die Stadt] und fragte: “Who cares?”
Wenn man bedenkt, dass das Repertoire N.N.s von Musikern stammt, die zu einem Gutteil entweder in der Verbannung oder im KZ landeten, halte ich diesen Scherz gelinde gesagt für erbärmlich, auch wenn mir völlig bewusst ist, dass es nicht so gemeint war. Es ist eine Unbedachtsamkeit, die ich persönlich für dumm erachte. Sehr dumm. Kurioserweise bin ich damit allein auf weiter Flur, da sich jeder ob dieser frechen Drolligkeit auf die Schenkel zu klopfen scheint. Nun gut.
Damit mir keiner vorwerfen kann, ich würde moralingesäuerte Beiträge schreiben, ende ich diesen hier mit einer musikalischen Widmung an N.N. und seine Weltsicht. Das Stück stammt ursprünglich aus 1930, wurde aber in den 60er Jahren neu aufgelegt, und diese Version passt stilistisch gut zu dem, was ich mir so über derartige Geisteshaltungen denke. Ich bin ja durchaus auch für Vergnügen und Unterhaltung. Und vor allem für Sarkasmus. Wenn er wohl überlegt ist.
I’m so happy!
AHA! Happy go lucky me!
I just go my way,
living everyday!
I don’t worry!
Worrying don’t agree,
Things that bother you,
never bother me!
Things that bother you,
never bother me
I feel happy and fine! AHA!
Living in the sunlight,
loving in the moonlight
Having a wonderful time!
Haven’t got a lot,
I don’t need a lot
Coffee’s only a dime
Living in the sunlight,
loving in the moonlight,
having a wonderful time!
Just take it from me,
I’m just as free as any daughter.
I do what I like,
just what I like,
and how I love it!
I’m right here to stay
When I’m old and gray,
I’ll be right in my prime!
Living in the sunlight,
loving in the moonlight,
having a wonderful time!
Anmerkung: Dieser Beitrag hat eine inhaltliche Relation erfahren (siehe Kommentar). Aus Gründen der Ehrlichkeit lasse ich ihn aber unverändert, man muss zu seinen Äußerungen ja stehen.

20.11.2007 um 16:18
Also ich war in jener “glorreichen” Zeit zwar noch jung aber schon auf der Welt und daher weiß ich: richtige Nazis (oder Faschisten oder Chauvinisten) haben nicht irgend etwas nicht erkannt, die WOLLTEN das so, weil es ihnen Vorteile gebracht hat. Rowling hat die verschiedenen Motive sehr anschaulich in ihren Büchern dargelegt. Es war für die sehr aufbauend plötzlich etwas besseres zu sein, ohne irgend ein Zutun – nur weil sie arisch waren!! Der allerletzte primitive Surm war plötzlich Blockwart und eine Respektperson. Und wenn man aus einer Gemeinschaft einen erheblichen Teil der bisherigen Mitglieder vertreibt oder umbringt, sind für anderen mehr Resourcen da: Mehr Arbeitsplätze, mehr Wohnraum, mehr Vermögen, von dem die anderen sehr gerne Gebrauch gemacht haben, weil es ihnen ja zugestanden ist, weil sie der richtigen Rasse angehört haben. Sie haben zum Beispiel schöne große Wohnen amtlich zugewiesen bekommen. Es ist vielen Leuten plötzlich wirklich besser gegangen, wenn auch auf Kosten der anderen.
Das deprimierende ist, dass dieses Gedankengut nicht auszurotten ist: in keiner Gesellschaft und zu keiner Zeit. Es beginnt mit “alle Menschen sind gleich, aber manche sind gleicher als die anderen” und endet mit “Wir sind nur aufgrund unserer Herkunft besser als andere und das gibt uns das Recht, die anderen zu verspotten, zu demütigen, zu . . . und wenn uns daraus ein Vorteil erwächst, dann ist das in Ordnung und gottgewollt.”
Die anderen sollen nicht so wehleidig sein, es gebührt ihnen nichts anderes und im Grunde ist es ja gar nicht so schlimm, es macht ihnen nicht so viel aus, weil sie ja keine so edle Rasse sind. Sind ja nur Sklaven, Neger, Juden, Zigeuner, Türken, Moslems, Protestenten, Katholiken, etc. at infinitum.
Und die jetzigen Nazis, Faschisten, Chauvinisten WOLLEN das wieder so. Die sind nicht nur dumm und ignorant: sie wollen einen Vorteil ohne eigene Leistung, nur aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe und publizieren diese Vorteile, die auf Kosten anderer entstehen, um Anhänger zu gewinnen und verschweigen bewußt die Nachteile, die der Gesellschaft und in letzter Konsequenz auch ihnen daraus entstehen.
Das Muster ist: Unterstütze diese politische Richtung, dann gibt es wieder mehr Arbeitsplätze! (Fragt sich nur, ob es für die dann auch genug bereite und fähige Arbeiter geben wird).
Unterstütze unsere politische Richtung, dann können Mütter bei den Kindern bleiben! (Klingt immer gut, speziell in den Ohren alter Männer, die keine Beziehung zu Kindern haben.)
Unterstütze uns, dann machen keine ausländischen Teenager mehr die Straßen unsicher! (Dann sind es die Erwachsenen aus unseren Reihen, die Terror machen, weil wir nehmen alle Rabauken und Sadisten auf und wissen sie zu beschäftigen.)
Unterstütze uns, dann kann das alte Mutterl wieder im Park sitzen, ohne die Frechheiten der Tschuschenkinder anhören zu müssen! (Leider werden dann die Mütter der Tschuschenkinder das Mutterl nicht mehr pflegen, wenn es einmal ins Spital kommt).
Das Wesen des Pupulismus: Vorteile hervorheben, Ängste gezielt schüren, Nachteile unter den Tisch kehren. So macht man sich beliebt. Speziell bei den Dummen, die das Ende nicht bedenken.
Deshalb: Wehret den Anfängen!! Proteste gegen dieses Vorgehen können gar nicht überzogen sein! Sie sind notwendig! Sofort! Heftig! Hier und jetzt! Bevor sie im Widerstand gemacht werden müssen und lebensgefährlich sind!
20.11.2007 um 16:33
Zu dem Zitat würde ich meinen, dass das auch ein resignierendes Fragen sein könnte…
Also auf die Art: Wen kümmert es den noch? Leider niemand wäre dann die Antwort die aus künstlerischen Gründen weggelassen wurde aber durch den Unterton jedem bewußt war.
Ich kenne diesen Musiker nicht aber das Zitat des fragend in den Himmel blickens, lässt für mich diese Vermutung zu.
P.S.: Und das ist genau der Grund warum ich Smileys als eine sehr gute Erfindung betrachte. Damit können Emotionen im geschriebenem Text auch von nicht Fachleuten rübergebracht werden….
20.11.2007 um 17:56
@ Melanie: Wow. Ich kann dir wieder mal nur zustimmen. Andererseits habe ich auch Angst davor, eine große Hetze auszulösen, denn das ist nicht meine Absicht. Der fragliche Künstler hat meiner Ansicht nach keine politische Gesinnung, auch ist er vermutlich kein Rassist. Er will “bloß” sein Ding so durchziehen, wie er sich das vorstellt. In gewisser Hinsicht ein Realitätsverweigerer. Und das kann unterm Strich auch gefährlich sein, weil man unbewusst den falschen Elementen in die Hände spielt. Er kommt mir ein bisschen wie Zarah Leander vor.
@ Scrat: Leider nein, das ist definitiv NICHT resignierend gemeint, so gut kenne ich des Herren Einstellung schon.
Ich zitiere dazu einen Artikel aus der WELT vom 25.2.1995, wo er das berühmte Autobahnenargument in leicht abgewandelter Form auf den Tisch legt. Andererseits wird daraus auch ersichtlich, dass er sich der politischen Umstände wohl bewusst ist.
Dasselbe Argument mit den Bäumen hat er auch bei späteren Interviews immer wieder wiederholt, und es wundert mich ernsthaft, dass ihn noch niemand darauf angesprochen hat, dass das genau dieselbe Argumentation ist, die auch einschlägig gesinnte Subjekte immer wieder vortragen.
Es geht hier nicht darum, dass man sowas nicht sagen darf. Es geht darum, dass man es sich gut überlegen sollte, in dieselbe Kerbe zu schlagen wie das rechte Eck, egal, ob es nun in sich logisch sei oder nicht. Natürlich reißt niemand Autobahnen nieder oder Bäume aus, aber diese Gründe werden eben immer von den Rechten angeführt, und zwar in einem meist völlig sinnverkehrten Zusammenhang. Wir SIND halt mal keine Franzosen oder Engländer, die in ihrer Geschichte spazieren gehen können (was so auch nicht stimmt, ich erwähne da nur mal die Kolonialpolitik des 18. und 19. Jahrhunderts), und ergo müssen wir drauf achten, was wir sagen, solange es auch nur einen Wirrkopf da draußen gibt, der die Geschichte verdreht und verleugnet, und dem wir mit unserer Ignoranz in die Hände spielen!
Wie gesagt, ich unterstelle ihm keine politisch anrüchige Einstellung. Soviel ich weiß hatte er sogar schon Auftritte vor jüdischen Vereinen, und er hält die Musik der damaligen Künstler ja durchaus hoch. Er blendet lediglich das aus, was er nicht sehen will, jedenfalls hat es für mich so den Anschein. Die Rechnung geht meines Erachtens aber nicht auf, wenn man sich dann zu solch unbedachten Witzen wie dem obig zitierten hinreißen lässt.
Ich muss mich selbst an der Nase nehmen, weil ich von dieser allzu sorglosen Einstellung ja auch schon länger wusste und sie meinerseits verdrängt habe.
21.11.2007 um 2:38
Uff! Nina, Du hast Dir da eine ganz schön harte Nuß als Thema ausgesucht. Auf der einen Seite, halte ich die Aufklärung über die Greueltaten im Dritten Reich für immens wichtig und richtig. Ich bin auch auf alle Fälle einer der Ersten die rufen: „So etwas darf nie mehr geschehen!“ Auf der anderen Seite halte ich aber die Aufarbeitung und den Umgang des Themas „Deutschland/Österreich und der Nationalsozialismus“ in manchen Punkten für fragwürdig und teilweise auf eine fast schon perverse Art und Weise mehr als oberflächlich.
Warum?
Weil es nicht sein kann, daß ich nach über 50 Jahren nach Kriegsende im Ausland immer noch als Nazi beschimpft werde. Verdammt noch mal, ich habe keine Nazigreueltaten begangen, ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal geboren!
Ich habe keinen Bock mehr darauf, ständig in den Massenfilmproduktionen eines Landes, das bis heute nicht vernünftig aufgearbeitet hat zum Ende des 2. Weltkrieges eine ATOMBOMBE zu schmeißen, den bösen, dummen (Nazi-)Deutschen zu sehen, der dann von ihren eigenen Landsleuten in heroischer Art und Weise besiegt wird. Das ist auch eine Form sich propagandahaft über ein anderes Volk zu stellen und von seinen eigenen, schwerwiegenden Problemen (wie z.B. Guantánamo) ab zu lenken.
Dann kommt noch etwas anderes hinzu: Ich interessiere mich sehr für Mythologie, egal ob das nun christliche, griechisch/römische, keltische oder aber auch germanische ist. Warum aber muß ich mich vor gewissen Personen immer noch rechtfertigen weil ich die Edda gelesen habe? Oder das Nibelungenlied kenne und weiß, das Parzival von Wolfram von Eschenbach geschrieben wurde? Ich schaue mir solche Texte NICHT mit den Augen eines Nazis an. Versuche sie kritisch und teilweise auch analytisch zu betrachten (Wie haben die Leute zu der Zeit getickt? Was hat sie damals bewegt? Wie haben sie gelebt?) und färbe sie keinesfalls braun ein!
Warum darf ich Michelle Friedmann nur hinter vorgehaltener Hand kritisieren? Ich mag ihn nicht! Und finde ihn und seine Art des Investigativjournalismus teilweise recht fragwürdig. Aber das hat NUR mit seiner Person zu tun und nichts mit seiner religiösen Zugehörigkeit. Ich würde auch nie behaupten, daß er den Antisemitismus schürt, sondern nur, daß er in meinen Augen ein Unsympath ist. Und ich finde ich habe ein Recht dazu ihn nicht zu mögen und auch das öffentlich kund zu tun ohne das ich gleich in die Ecke der Judenhasser gestellt werde. (Ich bin im Ruhrgebiet unter vielen verschiedenen Kulturen aufgewachsen und habe immer versucht, die Menschen nach ihrem Charakter und nicht nach ihrer ethnischen oder religiösen Herkunft zu beurteilen. Und das werde ich auch weiterhin tun.)
Und dann gibt’s da noch die Aufarbeitung der Personen die zur Nazizeit in Deutschland/Österreich gelebt haben. Die für mich bei manchen Persönlichkeiten mehr als schwierig ist. Als Beispiel sei Gustaf Gründgens genannt. Die Einen werfen ihn immer vor er habe mit den Nazis kollaboriert. Die Anderen sagen er habe sich mit den Nazis arrangieren müssen und habe auf diesem Wege vielen homosexuellen, Halbjuden und Regimekritikern das Leben gerettet. Ich weiß da inzwischen nicht mehr was ich glauben soll und enthalte mich lieber einer Meinung, bevor ich etwas Falsches sage.
Vielleicht meint Dein N.N. das mit seiner Aussage des Bäumeausreißens ja ähnlich (,auch wenn ich die Aussage auch als wenig gelungen erachte). Vielleicht will er ja einfach die Lieder der Zeit interpretieren dürfen, die ihm gefallen, ohne zu sehr im politischen Background des Texters/Komponisten suchen zu müssen. Auch wenn Du natürlich nicht ganz unrecht hast, wenn Du ein solches Vorgehen hinterfragst.
Uff, nun habe ich einen ganz schön langen Beitrag geschrieben. Ich hoffe, daß mein Text nicht all zu sehr mißverstanden oder mißinterpretiert wird. Auch hoffe ich, daß dieser Text (oder seine Argumente) nicht von irgendwelchen Braunen mißbraucht werden kann. Mir war es einfach mal wichtig meine Meinung über einen wie ich finde fehlgeleiten Umgang mit der geschichtlichen Materie „Drittes Reich“ ab zu geben. Weil ich manchmal wirklich in die Luft gehen könnte, wenn ich als eigentlich recht aufgeschlossener und philosophisch der Aufklärung zugehöriger Mensch, von irgendwelchen komischen Figuren als Rechts dargestellt werde und dann auch noch einen politischen Offenbarungseid leisten soll.
So, das war’s. Nun dürft ihr mich zerfleischen, weil dieser Beitrag nicht politisch Korrekt war.
21.11.2007 um 6:56
@ Be Bad: Dein Kommentar ist weder politisch inkorrekt noch sonstwie zu verurteilen. Wie ich eingangs bereits erwähnt habe, ich bin sicher keine von den – um bei letzterem Zitat zu bleiben – “Gebrochenheitsfanatikern”, die vor jedem Kieselstein, der zwischen 1933 und 1945 umgedreht wurde, in die Kniee geht. Ich bin weder der Meinung, dass man alles aus dieser Zeit verdammen sollte (ich sammle deutsche Tonfilme aus den 30er Jahren und höre u.a. mit Vorliebe die Tanzmusik der 20er und 30er Jahre, und ich gehöre auch zu denen, die die meisten Schauspieler, die heute blindlings geschmäht werden, sowie viele Filme, die nach 1933 gedreht wurden, verteidigen), noch, dass man heutzutage keine Kritik an einzelnen jüdischen Persönlichkeiten anbringen darf.
Aber darum geht’s gar nicht. Es geht wie gesagt um das Hantieren mit Vergangenheit. Ich lasse mir noch einreden, dass man genug von der Geschichtsaufarbeitung hat und die lustige Seite der Musik in den Vordergrund schiebt. Aber ich bleibe dabei: Witze, wie den obigen zu reißen, angesichts der Tatsache, dass so viele der Künstler ein schreckliches Ende genommen haben, das geht mir einen Schritt zu weit.
Das Problem ist, dass N.N. ziemlich bekannt ist, es würde mich wirklich wundern, wenn ihr ihn noch nicht gehört hättet. Er kreiert durch seine Popularität ein Bild von der Musik der damaligen Zeit, die man als in Watte gepackt und mit rosa Mascherl versehen bezeichnen könnte. Soll er dabei bleiben, den humoristischen Aspekt hoch zu halten! Aber es wäre wünschenswert, wenn zumindest in IRGENDEINER Form auf das Schicksal der Musiker und Komponisten hingewiesen würde. Und wenn es nur im Booklet der CDs wäre. Oder wenn er zumindest einmal eine CD im Gedenken an die Musiker rausbrächte, die im Gegensatz zu ihren lustigen Liedtexten ein sehr grausames Ende gefunden haben.
Aber nein. Er stellt sich hin und sagt “Wen interessiert’s?”
Das geht mir gegen den Strich. Diese zur Schau gestellte Kaltschnäuzigkeit. Nicht, dass er nicht bei jedem Lied in Tränen ausbricht oder dass er den historischen Hintergrund ausblendet. Sondern dass er noch einen drauf setzt und sich in politischer Inkorrektheit suhlt. Im großen und ganzen gibt er sich damit ein Armutszeugnis, und die Tatsache, dass ihm die Leute für diesen “Scherz” auch noch zujubeln zeigt meiner Ansicht nach, dass die negative Beeinflussung bereits stattgefunden hat. Die realisieren überhaupt nicht mehr, worüber sie da lachen, da sie ja stets nur lustige Unterhaltungsmusik vorgesetzt bekommen, ohne darüber nachzudenken, was für Schicksale dahinter stecken.
Im übrigen bin ich immer für Hintergrundwissen, nicht umsonst habe ich ja in meinen Comics auch Hintergrundinformationen aufgelistet. Ich finde, die Musik Mozarts oder Schuberts spricht zwar für sich selbst, einen viel differenzierteren Einblick gewinnt man aber, wenn man auch ihre jeweiligen Biografien kennt. Wieso sollte etwas, das für alle anderen Musiker gilt, nicht auch für die gelten, die das Pech hatten, zur falschen Zeit am falschen Ort gelebt zu haben? Es geht nicht um Betroffenheitsfanatismus. Es geht einzig und allein um Wissen und Bewusstmachung, und das eigentlich unabhängig von dieser bestimmten Zeitepoche. Ich fände es genauso widerlich, wenn man derartige Witze über Menschen machte, die zu anderen Zeiten grausam einzel- oder massenvernichtet wurden.
21.11.2007 um 12:20
Hallo Nina!
Da Du das Interview nur gelesen, nicht gehört, hast und Dir nur Deinen Teil denkst könnte es doch sein, dass Du den Tonfall des Künstlers falsch interpretierst.
Vielleicht ist es ganz anders.
Vielleicht musste dieser Künstler auch schon die Erfahrung machen, dass es wirklich niemanden interessiert. Weil er vielleicht an seinen Anfängen darauf aufmerksam machen wollte aber niemand wollte es hören.
Vielleicht ist es aber auch nur die Angst, vor der Konfrontation, der harten, nicht nur oberflächlichen Konfrontation. Vielleicht weiß N.N., dass er die Lieder nie mehr fröhlich-unbeschwert singen könnte, wenn er wirklich jedes einzelne Schicksal kennen würde, was dahinter steckt. Nicht dass diese Angst zu befürworten wäre -aber es IST einfach nicht jeder Mensch stark und fähig, sich Ängsten zu stellen.
Vielleicht mischt auch das Management mit, was die Hintergrundnichtinfos auf den CDs betrifft.
Vielleicht hast Du allerdings auch ganz einfach recht und N.N. interessiert das wirklich nicht.
Was ich sagen will: Für mich ist es immer schwer, Menschen zu verurteilen, nur aufgrund von Zitaten, die denkbar schlecht gewählt und interpretiert sein können.
Nicht, dass es Missverständnisse gibt: Wenn es heute damals wäre, wäre ich vermutlich ein “lebensunwertes Leben”. Ich habe keinerlei Sympathien für Nazis.
21.11.2007 um 12:54
@ alle: Nur, um das jetzt mal zu klären (und ich sehe ein, dass es hier zu Missverständnissen gekommen ist, weil ich ja quasi aus dem Blauen heraus mit diesem Thema begonnen habe):
Ich war bislang ein, nunja, man könnte durchaus sagen ein Fan dieses Künstlers. Ich verfolge seine Karriere jetzt seit gut 11 Jahren, ich kenne recht viele seiner Interviews und ich kenne auch Aussagen von ihm abseits der Öffentlichkeit. Ich hätte diesen meinen Beitrag nicht geschrieben, wenn ich nicht genau wüsste, wie er es gemeint hat. Wenn ich sage, dass N.N. sein Ding so durchziehen will, wie er sich das vorstellt und dabei die unangenehmen Dinge gerne ausblendet, dann ist das keine Mutmaßung aufgrund einer einzigen Aussage. Die, die ich eingangs zitiert habe, und die mich auf die Palme gebracht hat, war nur der berühmte letzte Tropfen.
Ich betone nochmals, er ist mit Sicherheit kein politischer Verleugner. Er ist bloß achtlos mit seinen Scherzen, und das beunruhigt mich. Umso mehr, als ich ja offensichtlich die einzige bin, die hier eine Entwicklung beobachtet, die mir Bauchweh verursacht. Die Leute lachen darüber, wenn einer sagt, die persönlichen Schicksale von Menschen seien belanglos. Ich bin kein Freund der aufgesetzten “political incorrectness”, die seit einigen Jahren en vogue ist und finde diese Aussage an sich schon bedenklich, umso mehr aber, als sie in besagtem Zusammenhang getätigt wurde.
Ich kann darüber nicht hinwegsehen. Seit Jahren muss ich österreichischen Politikern dabei zuhören, wie sie Gaskammern verleugnen, hitlersche Beschäftigungspolitik lobpreisen oder Slogans wie “Daham statt Islam!” in den Äther krächzen. Stumpfen die Menschen aufgrund solcher Alltäglichkeiten schon ab, dass sie dann über o.g. Scherze freien Herzens lachen können? Tut mir leid, ich finde das einfach unerträglich, und selbst wenn ich hier als Krachmacher und Gewitterziege rüberkommen sollte, ich kann dazu einfach nicht meinen Mund halten.
21.11.2007 um 22:33
Hmm
Jetzt ein ernstes Wort von einem, der von sich selbst sagt, man solle sich vorsehen, ihn ernst zu nehmen – nun, ich hab, um weiland Wolfgang von nicht ganz wortwörtlich zu zitieren, die Geister gerufen, jetzt muss ich wohl oder übel klar kommen damit.
Zum Thema: “who cares” – ich glaube nicht, dass das unüberlegt und nur so dahin gesagt war, denn auch die österreichische Bundeskanzlerlegende seelig Kreisky hatte erkannt, es ist egal, wie man über ihn spricht, Hauptsache, man spricht über ihn. Tja, so funktionierts. Das soll nicht heißen, dass ich das als gut erachte, aber so funktionierts. Und so hat auch das “who cares” offensichtlich funktioniert. Ob sich da jetzt 2 oder 3 Leute unglaublich darüber aufregen ? “who cares” – 200 werden jetzt den Bericht von Spiegel Online suchen und schauen, wer denn das gesagt haben könnte und vielleicht 20 werden dann vielleicht noch schauen, was der Typ denn so macht – 2 verloren, 20 gewonnen – es funktioniert. Es hat zu jeder Zeit und überall so funktioniert: sei laut und schocke, verwirre dein Publikum. Egal, welche Inhalte, oder ob überhaupt irgendwelche Inhalte transportiert werden – so funktionierts.
Tja, und zum Thema “Das darf nie wieder passieren” – glaubt denn irgendjemand, das sei nie wieder passiert ? Ok, nicht in dem Ausmaß – aber es passierte und passiert ständig, überall, immerzu. Dabei ist es sogar egal, welche Motivation als Ausrede gebracht wird, oder ob überhaupt eine Ausrede presentiert wird. In wievielen Diktaturen werden heute noch unzählige Menschen gefoltert und getötet, nur weil sie anderer Meinung sind – in wievielen offiziellen Demokratien ?!? “Who cares” – vollkommen im Ernst, “who cares”. Einen ?!? Vielleicht Zwei von Tausend ?!? Vielleicht kommts auf die 2 an, vielleicht – aber sind wir mal ehrlich mit uns selbst: “who cares”
22.11.2007 um 1:29
Ich möchte mich dem Statement “who cares” in dem Sinne von Elliott anschliessen.
(Mich kümmerts! aber allzu viele leider nicht)
Blicken wir zurück in die Geschichte und seien wir mal ehrlich. Selbst über unsere eigene Geschichte von vor 60 Jahren weis 2/3 der österreichischen Bevölkerung nichts oder nur das was man ihnen an Halbwahrheiten verkauft….
Um es klarzustellen: Ich bin kein Sympatisant der braunen Bewegung! Ich streite auch keine Vernichtungslager etc ab. Ich sage nur, dass kaum einer wirklich weis was damals geschah, da selbst in den “Gedenkstätten” teilweise kompletter Blödsinn und eine verdrehte Geschichte erzählt wird. Um es klarzustellen: Ja ich weis hier wovon ich rede!
Aber nun weiter im Text. Waren wir die einzig Schuldigen? NEIN. Solche Lager gab es zu späteren Zeiten auch in anderen Ländern. Gibt es sogar heute noch in dieser Art…. (Nicht so extrem aber in der Art eben). Amerika bombardierte deutsche Städte zum Schluß einfach nur mehr so, trotz bevorstehender Kapitulation.
Somit mal Ende dieses Zeitalters.
Dann wären da noch Bürgerkriege, … die in der Zeit seit damals wüteten, Stattsformen aller Art die walten wie sie wollen und Regimegegner die kurzerhand mal verschwinden. Hier ist es widerum egal welche Stattsform oder Land man hier mal einsetzen will (und nicht nur die bekannten sondern bitte auch Industrieländer wollen hier genannt sein!)
Im Endeffekt stellt sich wirklich die Frage: “who cares?”.
Mich aber wenn du etwas sagst bist du sofort in der anderen Ecke, oder Diskriminierend, oder sonst was. Leider ist es heute wie damals schwer gegen solche Sachen etwas zu unternehmen, doch Gott sei Dank gibt es Internet. Jaja das ist nicht nur Gut um Terroranschläge zu planen, sondern auch um seine FREIE Meinung äussern zu können. Dies ist ja in der Öffentlichkeit (fast) nicht möglich.
P.S.: Nicht nur Folterungen, Morde, Kriege und dergleichen sind hier angesprochen! Es gibt auch andere Diskriminierungen die meistens übersehen werden, neben der der Frauen wohlgemerkt! Ich überlasse euch das überlegen welche ich meinen könnte (Mir fallen auf Anhieb 5 ein).
Somit ende ich hier und hoffe darauf, dass sich die Menschheit irgendwann einmal soweit entwickeln wird, um ohne Diskriminierungen oder ähnlichen zusammenzuleben.
Who cares? I care!
22.11.2007 um 1:51
Ich glaube, jeden, der hier seinen Senf dazugibt kümmerts.
Und wahrscheinlich sind wir alle wütend/traurig/schon resigniert wegen den “Who cares”-Menschen.
Aber wie heißts so schön: Man kann die Menschen nicht ändern, man kann nur immer und immer wieder bei sich selbst anfangen.
Man kann widersprechen, wenn einer sagt “KZs gabs nicht”, man kann “Nein. Warum sollte es?” sagen, wenn man gefragt wird, ob es nicht komisch ist einen schwulen Kumpel zu haben, man kann aufstehn und gehn, wenn ein Kinofilm einfach zu “patriotisch” oder “lustig” wird und man kann vor allem die Menschen so annehmen, wie sie eben sind. Keine Schubladen aufmachen, tolerant sein…
Und wenn man das versucht (und ehrlich zu sich selbst ist) merkt man, wie schwierig es ist, trotz bestem Willen, ein guter Mensch zu sein.
Und dann? Aufgeben? Sich denken “Who cares?”
Nein. Ich hoffe mal, dass wir dran bleiben und uns kümmern.
Nina, ich kann verstehen, dass Dir der Kragen platzt, wär es mir vielleicht auch, wenn ich die Umstände kennen würde… aber ich kenne N.N. nicht… daher bin ich eben vorsichtig, ihn zu verurteilen… denn auch das wäre ja irgendwie eine Schublade…
22.11.2007 um 3:59
@nina:
Unter diesen Aspekten kann ich Dir nur Recht geben.
Ich hätte nie erfahren, daß die Zauberflöte einen freimaurerischen Initiationsritus beschreibt, hätte ich mich nicht einmal mit den Leben Mozarts beschäftigt. Auch hätte ich nie erfahren, daß Mozart einer der Ersten war der die Opernwelt, als Anhänger der Aufklärung, aus der exklusiven Gesellschaft des Adels herausgetragen hat, um es auch dem gemeinen Volk zugänglich zu machen. Und viele, viele andere Dinge, die hier einfach zu weit führen würden.
Natürlich gilt das auch für die Künstler der 30iger und 40iger Jahre des letzen Jahrhunderts. Es ist wohl kaum möglich, die Comedian Harmonists nur auf “Mein kleiner grüner Kaktus” zu beschränken. Auch sie (als absolute Superstars der damaligen Zeit) haben Hitlers Rassenwahn zu spüren bekommen, auch wenn sie nur eines der populärsten Beispiele sind.
Und sicherlich hast Du Recht, daß jemand der vom Bildungsbürgertum unisono als “würdiger Nachfolger Loriots” bezeichnet wird, den kulturellen Stellenwert erkennen – den er inzwischen selbst einnimmt – und mit der Verantwortung, die dieser mit sich bringt, um zu gehen wissen muß. Und dazu gehört auch, daß er einen kritischen Abstand zu dem Liedgut einnehmen kann, welches er sich zu eigen gemacht hat. Ansonsten sollte er sich einen solchen Schuh nicht anziehen (lassen).
Und Politiker die den Holocaust verneinen wollen, um sich irgendwelche hirnverflüchtigten Wähler zu angeln sind… nunja, wirklich das Allerletzte?!?
Solchen Menschen gehört durch mediale Aufklärung und guten Argumenten ganz einfach das Maul gestopft.
Und was diese ganzen “Who Cares?” Menschen anbelnagt, von denen z.B. bei Nonsmoker die Rede ist: Wir leben nun ein mal in einer Welt wo die Menschen durch medialer Reizüberflutung verbunden mit geistigem flachgeseiere zu hirntoten Zombies erzogen werden. Bei den großen Konzernen wird der Einzelne überspitzt formuliert nur noch als “Humankapital” oder als mögliche “Zielgruppe” angesehen. Und das schlägt sich leider auch in unserer heutigen Kultur wieder. Warum kommt denn die Tage wieder Film X ins Kino, der nach dem bewährten Schema F gedreht wurde und sich in die Anonymität der Filme U, V, W einreiht aus denen er sich bedient hat? Weil diese Filme kommerziellen Erfolg hatten und eine Zielgruppenanalyse ergeben hat, daß die Masse genau das sehen will! Und ja Fernsehen ist auch nicht besser, aber ich schweife zu sehr ab…
Das ganze würde nun zu sehr Off-Topic, deshalb beende ich meinen Beitrag hier und wünsch Euch noch einen schönen Tag. ^^
22.11.2007 um 8:53
@ Elliott + Scrat: Mir ist schon bewusst, dass ich mit meinem kleinen Aufschrei kein Umdenken bewirken werde, es wird im großen und ganzen ungehört verhallen und nichts wird sich ändern, die Leute werden weiter selig über solche Scherze lachen.
Aber es geht ja nicht nur darum, dass man die Welt aus den Angeln hebt, es geht darum, dass man überhaupt was tut. Sich eben NICHT einfach nur hinsetzt und meint, seine kleine Stimme hätte eh kein Gewicht. Und wenn’s nur besagte 2 Leute sind, die derartige Scherze in Hinkunft hinterdenken und vielleicht nicht mehr so lustig finden, dann habe ich schon etwas erreicht.
@ Be Bad: …den kulturellen Stellenwert erkennen – den er inzwischen selbst einnimmt – und mit der Verantwortung, die dieser mit sich bringt, um zu gehen wissen muß.
Danke, genau das meinte ich. Der Mann erreicht ein Millionenpublikum, und genau darin liegt dann die Verantwortung. Wenn ich in einem kleinen Kellerlokal vor 20 Zuhörern doofe Witze reiße, ist das was anderes, als wenn mir die halbe Nation oder (wie in o.g. Fall) eine gefüllte Carnegie Hall an den Lippen hängt. Je mehr Einfluss man hat, desto gründlicher sollte man sich überlegen, was man sagt und tut.
Im übrigen hat Loriot kürzlich selbst gesagt, dass er Witzen über das Dritte Reich sehr reserviert gegenüber steht, weil er der Meinung sei, darüber könne man sich nicht gedankenlos auf die Schenkel klopfen wie über alles herkömmliche. Solch eine Einstellung wünsche ich mir von seinem ‘Nachfolger’ eigentlich auch.
22.11.2007 um 10:21
Nach dem Lesen des Blogeintrags war ich zuerst einmal verwirrt. Und bin es jetzt, nachdem ich die Kommentare und den Spiegelartikel gelesen habe, eigentlich immer noch. Zuerst dachte ich, ich hätte eine Pointe verpasst und würde deshalb den Witz nicht sehen, ob er nun gut oder schlecht sei. Aber da ist nichts. Ich kann die Aussage immer noch nur als resigniertes, fragendes oder sarkastisches “Who cares?” verstehen oder aber als brutales oder verleugnendes “Who cares.”. Einen Witz, lustig gemeinten Kommentar oder auch nur dummen Spruch kann ich nicht erkennen.
Nina, ich möchte dir dafür danken, dass du als eine, die es eben kümmert, nicht schweigst. Nur wenn es uns kümmert und wenn wir uns getrauen, oder uns auch nur bemüssigen, nicht zu schweigen, nur dann können wir etwas ändern und die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.
22.11.2007 um 12:18
Seis drum, haßt mich, schlagt mich, im Grunde ist es mir egal, was irgendein mir nicht bekannter Musiker zur irgendwem irgendwann einmal gesagt hat, es ist mir egal, ob irgendwann, irgendwer über einen schlechten Scherz von irgendwem gelacht hat. Mir ist es vollkommen egal, wie groß denn die kulturelle Verantwortlichkeit irgendeines Küstlers ist.
Überhaupt, Kultur – HA – welche Kultur denn ? Meint ihr die Kultur, die sich über Jahrtausende nur durch Mord und Todschlag ausgezeichnet hat ? Die Kultur, die so ziemlich alles mit Füßen tritt, ohne Ausnahme ? Die Kultur, die Millionen in seichte Unterhaltung buttert, während andere verrecken ? Meint ihr die Kultur ? Oder gar eine andere ? Dann frage ich mich welche ? Denn es ist eben diese “Kultur” in der wir leben, es gibt eben keine andere. Es ist unsere Kultur, die auch heute noch, die meisten Kriegstreiber in der Vergangenheit als “Helden” verehrt. Heute noch sind Menschen allgegenwärtig, die lieber zur Waffe gegriffen haben, als eine friedliche Lösung zu suchen, während die anderen maximal eine Fußnote der Geschichte sind. Das ist unsere Kultur. Kommt mir nicht mit Kultur, das was wir als Kultur bezeichnen ist keine.
Kulturelle Verantwortlichkeit, wenn ich das schon höre. Welche Verantwortlichkeit ? Die, die wir ihm in die Schuhe schieben, weil wir ihn zu dem gemacht haben, der er halt nun mal ist ? Die Verantwortlichkeit, die wir ihm abverlangen, obschon wir ihn für seine Arbeit in den Olymp gelobt haben und nicht, weil er so ein reines und edles Gemüt hat ? Meint ihr die Verantwortlichkeit ? Oder eine andere ? Dann hört mal auf zu träumen, es gibt keine andere. Der macht seinen Job und aus. Wenn wir seinen Worten, die genau so unbedeutend sind wie die meinen, auch nur irgendeine Bedeutung zumessen, sind wir selber schuld. Wenn andere über seine Worte lachen, dann sind die selber Schuld. Wenn es sowas gibt wie Kultur, was ich bezweifle und wenn es sowas wie kulturelle Verantwortung gibt, was ich noch mehr bezweifle, dann sind wir es, die diese Verantwortung haben, wir und niemand sonst.
22.11.2007 um 13:01
Niemandes Worte sind unbedeutend. Alle landen irgendwo, wie abgeschossene Pfeile. Manche im Leeren, manche verletzen. Alle sind von denkenden Menschen formuliert worden, die damit irgend eine Absicht verfolgt haben.
Ein Gebot der Fairness ist, festzustellen wie das Originalzitat lautet. Nicht wenige der Aussagen, die ich mit eigenen Ohren im Original gehört habe, sind dann in einem Kontext zitiert worden, wie sie niemals gesagt, geschweige denn gemeint worden sind.
Sonst wäre zu sagen:
Die Aussage „who cares“ ist kaltschnäuziger Sarkasmus.
Wenn sich dieser gegen die eigene Person richtet, dann ist das ein Hinweis auf eine waidwunde Seele und tiefe Verzweiflung. Ähnlich den Verletzungen, die sich Menschen mit Rasierklingen zufügen.
Wenn sich Sarkasmus jedoch gegen andere richtet, dann ist es ein sehr deutlicher Hinweis auf rücksichtslosen Egoismus: ich bekomme Lacher, ich schockiere, ich errege Aufmerksamkeit, ich lenke davon ab, dass ich mir etwas zunutze mache, von dem ich selbst glaube, das es mir nicht zusteht. Und es ist leider auch ein deutlicher Hinweis auf mangelndes Mitgefühl und Neigung zur Grausamkeit.
Sarkasmus entsteht nicht aus Dummheit oder Gedankenlosigkeit: er erfordert einen scharfen Geist und eine gute Portion Witz. Gerade das macht ja den Umgang mit Zynikern so anregend, geistig befruchtend und faszinierend. Mann sollte nur die Verletzungsgefahr nicht unterschätzen und ein Abhängigkeitsverhältnis zu Zynikern vermeiden. (Sagt sich so locker!).
Die Tatsache, dass es für Menschenverachtung aktive Betreiber, Mitläufer, Dulder und Ignoranten schon immer gegeben hat, gerade eben jetzt hier und anderswo gibt und auch immer geben wird, ist kein Grund zur Resignation. Resignieren ist genau so kontraproduktiv, wie Schönreden und Nicht-wahr-haben-wollen. Laut rufen: „Er meint es nicht bös, er will nur spielen!“ wenn der Bluthund von der Kette ist, mag vielleicht zunächst zur Beruhigung beitragen, mindert aber die Gefahr keineswegs.
Was man tun kann? Sich verantwortlich fühlen, sich um Gerechtigkeit bemühen, abwägen, die Gefahr nicht unter- aber auch nicht überschätzen. Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen – Druck erzeugt Gegendruck, nicht nur in der Physik! Aber auch wachsam sein (constant vigilance), miese Motive aufdecken, Gefahren transparent machen, konsequent die eigene Meinung vertreten, Courage zeigen. Nur so steigen die Chancen, dass die Gruppe der „me cares“ als ernst zu nehmende Zielgruppe wahrgenommen wird, deren Gefühle zu berücksichtigen sind.
22.11.2007 um 13:11
@ Elliott: Gut, dir ist es egal. Herrn N.N. ebenfalls, denn ich schätze mal, er hat genau wie Melanie gesagt hat, einen eklatanten Mangel an Mitgefühl. Laut eigener Aussage hat er nie was Schlimmes erlebt, was jetzt entweder ein Zeichen von Verdrängung ist, oder aber er hat wirklich nie wie ein Schwein gelitten, dann hat er natürlich auch keine Vorstellung davon, wie sich das anfühlt und schaut auf Menschen, die vor Schmerz wimmern, verächtlich herab.
Mir ist es nicht egal und ich stehe dazu. Ich habe genügend Scheiße in meinem Leben durchmachen müssen, und das aus fast allen Richtungen. Ich könnte mich jetzt auch ins misanthrope Eck zurückziehen und alle Welt dafür hassen, dass es mir so schlecht ergangen ist. Aus welchem Grund auch immer habe ich aber eine vielleicht zu große Portion an Mitgefühl abbekommen, und deshalb kann ich auch nicht über das Schicksal anderer Menschen hinwegtrampeln. Selbst wenn die Welt immer schon so war. Das ist MIR wiederum egal.
P.S.: Ich bin also ein mitfühlender Zynist. Aber ich glaube, viele Zynisten sind mitfühlend, bloß verstecken sie sich hinter ihrer Bissigkeit. Und unterm Strich ist das Leben also solches doch purer Zynismus, nicht wahr?
22.11.2007 um 17:26
Den mitfühlenden Zynisten, tut aber ihre Bissigkeit in der Regel nachher immer leid. Dadurch unterscheiden sie sich ganz wesentlich von den kaltschnäuzigen Zynikern.
Natürlich ist das Leben als solches Zynismus pur. Das macht es ja so faszinierend und es hat zweifellos auch amusante Seiten.
Jüdische Weisheit: Wenn ein Tier Schmerz fühlt, schreit es, der Mensch kann auch lachen.
Nur sollte er nicht über andere lachen und schon gar nicht, wenn nicht er, sondern die anderen den Schmerz erleiden.
22.11.2007 um 17:49
Vor allem muss man auch über sich selbst lachen können, wie ich eben, weil ich doch tatsächlich “Zynist” geschrieben habe statt Zyniker. Dabei kam mir das Wort schon während der Eingabe so merkwürdig vor… X-D
Was ich noch zum Thema Kontext anmerken wollte:
Natürlich verzerrt es das Gesamtbild, wenn man nur einen Teil des ganzen hervorhebt. Bei dem Witz des Anstoßes wurde aber eigentlich kein Drumherum weggelassen, das einzige, was die Sache mit Sicherheit relativiert, ist die Art des Vortrags.
Wie ich N.N. kenne, der mit seinen 45 Jahren und bei guter Beleuchtung immer noch aussieht wie ein etwas zu groß geratener Lausbub, hat er diese Worte nicht spöttisch oder blasiert von sich gegeben, sondern mit der berühmten gezückten Augenbraue, einem etwas gelangweilten Gesicht und sehr jungenhaftem Tonfall. Er lebt ja zu etwa 65% vom Kindchenschema, wenn man ihn nicht wie ich gerade in den Hintern treten möchte, ist man geneigt, ihn permanent in die (Gesichts-) Backe zu kneifen. So ein niedliches Kerlchen kann dann natürlich Dinge sagen, die ihm keiner übel nimmt. Hätte er dunkles Haar, eine Hakennase und schiefe Zähne, wäre das vermutlich anders.
Aber das ändert meiner Ansicht nach nichts an der Kaltschnäuzigkeit. Schon auf seiner ersten DVD hat er einen Witz über Hitler und Mussolini eingebaut, der zwar nicht schlimm ist, der mir aber kurzfristig den Atem stocken ließ. Die Leute haben sich dennoch darüber zerkugelt.
De gustibus non est disputandum, es bewahrheitet sich immer wieder…
22.11.2007 um 19:29
Nina:
Nichts gegen die künstlerische Leistung aber zur Person an sich, so wie sich öffentlich darstellt (persönlich kenne ich ihn nicht): Ich für meinen Teil finde die berühmte gezückte Augenbraue höchst arrogant und blasiert und ich würde seinen Tonfall auch bei einem Lausbuben gar nicht liebenswert oder gar herzig finden. Aber wie Sie schon sagten: “De gustibus . . .”. Vielleicht geht es Ihnen bei ihm so wie mir mit den dunkelhaarigen hakennasigen Brombeeraugen Typen?
Wie eintönig wäre das Leben, wenn die Leute nicht so verschieden wären!
22.11.2007 um 20:25
Ist das nicht alles nur Hysterie? Sobald man als öffentliche Person auch nur ansatzweise vom Dritten Reich spricht, ist man sofort eine Unperson und wird von Journalisten niedergemäht.
Nehmen wir das Beispiel der Ex-Moderatorin. Ich habe ihr Buch nicht gelesen, soll sehr konservativ sein… aber ich habe mir ihren Auftritt bei Kerner angeschaut. Und es war unglaublich, was sich dort abgespielt hat: Sie wurde dort auf ein Zitat angesprochen, wo sie die Rolle der Frau im Dritten Reich verherrlicht hätte. Das Zitat wurde dann auch noch einmal vorgelesen und als Text gezeigt. Zugegeben: Man könnte das so deuten, aber man könnte es auch anders deuten. Und wie wir ja alle wissen, ist nicht alles, was aus unserem Munde kommt auch das, was unserem Hirne entspringt.
Diese Ex-Moderatorin hat dann bei Kerner versucht, das Zitat zu erklären und wies dann explizit darauf hin, daß Ihr Vorbild die Frauenrolle der Zeit vor dem Dritten Reich geweisen sei und daß sie versucht hat darzulegen, daß diese Frauenrolle nicht nur mit der 68er Bewegung sondern schon früher im Dritten Reich seinen Niedergang gefunden hat.
Das Einzige, was man ihr wirklich vorwerfen kann, ist die Tatsache, daß sie dies rhetorisch nicht so rüberbringen konnte, daß der Rest der Runde, allen voran Kerner, begriffen haben, daß der Grund, sie öffentlich hinzurichten, gar nicht vorhanden ist bzw. auf einem Mißverständnis beruht.
Noch ein Hinweis: Ich finde diese Ex-Moderatorin unsympatisch und sie hat für mich ein furchtbares Weltbild. Aber in diesem Punkt muß ich sie mal verteidigen, denn die Öffentlichkeit hat da ein ganz schiefes Bild bekommen, dann so hervorragender Journalisten… wer´s anschauen will, findet das Ganze vermutlich unter http://www.zdf.de
Das Hitlerreich war eine sehr dunkle Zeit, aber wie können wir uns von dieser bösen Vergangenheit freimachen, wenn wir immer gleich die Rosette zusammenkneifen, sobald auch nur ansatzweise etwas politisch inkorrekt scheint? Ist ja kein Wunder, daß in unseren Landen zu Rechtsextremismus geneigt wird…
22.11.2007 um 20:36
@ Denis:
1. Wenn du nochmal nachliest wirst du erkennen, dass ich die Moderatorin keineswegs für ihren Dritten-Reich-Sager verurteile, sondern sie mir wie dir generell unsympathisch ist. Im Gegenteil, ich habe sogar geschrieben, dass man über die Reaktionen im Bezug auf ihre Aussagen diskutieren kann.
2. Stimmt, man sollte die Vergangenheit thematisieren anstelle sie tot zu schweigen. Aber das bitteschön mittels Diskussionen, nicht flacher (und unkommentierter) Scherze! Es kann ja wohl nicht sein, dass wir uns alle nur dadurch von unserem Ballast befreien, indem wir möglichst viele platte Witze darüber reißen!
3. Ich bin genauso gegen das Totschweigen der Problematik, ebenso wie gegen überzogene Reaktionen. Aber die Geister scheiden sich wohl in der Frage, wo “überzogen” beginnt. Bei mir hört sich der Spaß eben dort auf, wo nicht mehr diskutiert, sondern nur noch polemisiert wird.
4. Mir gefällt die Aussage, dass menschliche Schicksale unerheblich seien nicht, egal, ob nun im Zusammenhang mit dem Dritten Reich getätigt oder nicht. Die öffentliche Person hat indes nicht vom Dritten Reich gesprochen. Bitte meinen Beitrag und die Kommentare nochmal gründlich zu lesen! Es geht um einen geschmacklosen Witz, der auch ohne seine unbedachte Äußerung in genanntem Zusammenhang nicht besser wird.
5. Um dies nochmal ganz deutlich hervorzuheben: Das, was mich hier stört, ist die Aussage an sich. Nicht der geschichtliche Kontext. Mich stört die Ignoranz, die halt in diesem Fall mit der Geschichte verwoben ist. Wie ich aber an dieser Stelle schon mehrfach schrieb: Mich würde ein derartiger Witz auch dann stören, wenn er sich auf die Flutopfer von Mexiko oder auf die Pariser Kommune bezöge. Oder meinetwegen auch auf einen einzigen Menschen, dem das Schicksal schwer zugesetzt hat. Ich finde Leid nicht belanglos.
22.11.2007 um 21:26
Liebste Nina,
die Aussage von N.N. drückt für mich die Stimmung in der heutigen Gesellschaft aus, wo grundlegende Werte de facto nicht mehr vorhanden sind. Das aber ist doch der Sinn des Kapitalismus, nämlich den eigenen Vorteil hervorzuheben, auch oder vielleicht sogar gerade durch den Nachteil Anderer.
Wir leben in einer Gesellschaft, wo uns doch vorgelebt wird, egoistisch zu handeln. In einer Gesellschaft, wo Manager mit bis zu 9 Mio Euro jährlich bezahlt werden, die selben Manager aber dafür Sorge tragen, daß weder genug Arbeitsplätze für Alle vorhanden sind, noch daß die bestehenden Arbeitsverhältnisse angemessen entlohnt werden. Ist doch irre, daß man als Vollzeitbeschäftigter Anspruch auf Sozialhilfe hat, weil das Gehalt so erbärmlich niedrig ist, während Andere in einem Jahr so viel Geld bekommen, wie man selbst in seinem ganzen Leben niemals haben wird. Aber: Das interessiert Niemanden. Im Gegenteil: Wenn jemand kaum weiß, wie er mit seinem Geld bis zum Monatsende auskommen soll, ohne sich wirklich etwas leisten zu können… who cares?
Das Gemeinschaftsgefühl ist einfach verlorengegangen in unserer Gesellschaft von Egomanen. Und N.N. drückt dies offenbar sehr punktiert aus. Schicksale Anderer sind belanglos geworden, außer vielleicht, sie befriedigen die Sensationsgeilheit der Menschen. Wichtig ist das Endergebnis: Daß ICH es gut habe, nein, daß ICH es besser habe als die meisten Anderen.
Es tut mir leid, aber das genau ist meine Wahrnehmung der heutigen Gesellschaft und sogar der Leute in meinem näheren Umfeld.
22.11.2007 um 22:30
@ Denis: Ich gebe dir recht. Und ich finde das betrüblich. Ich breche darüber nicht in Tränen aus, weil ich ja weiß, dass es so ist, aber ich lasse es mir nicht nehmen, periodisch immer wieder mal meine Stimme gegen diesen Gesellschaftszustand zu erheben. Ich bin halt mal ein Querulant, und ich werde noch aus dem Sarg rauspoltern, wenn mir irgendwas gegen den Strich geht – seid also schon mal gewarnt!
Im vorliegenden Fall wurde N.N. zu meinem Sündenbock. Vermutlich deshalb, weil er mit einem Thema zu tun hat, das mir persönlich sehr am Herzen liegt. Hätte er denselben Ausspruch im Zuge eines Fußballspiels oder einer Aktienkursberichterstattung getätigt, wäre es mir wohl nicht mal aufgefallen. Aber ich mag die Musik, die er spielt und deshalb nehme ich Anteil am Schicksal der Musiker. Und darum bringen mich solche Statements in Rage.
Unterm Strich ist es ein Auswuchs des Kapitalismus wie auch der Spaßgesellschaft. N.N. erscheint mir mit seinem Hang zur Verdrängung unangenehmer Details ein typischer Vertreter derselben. Ich frage mich, ob er sich dessen bewusst ist. Und ich hoffe im Stillen immer noch, dass ich mich irre…
23.11.2007 um 5:23
Nur ein kleiner Kommentar am Rande, oder aber besser eine Richtigstellung.
Der Mensch ist und war immer ein Egoistisches Wesen. Das war früher so, ist heute so und wird sich leider in naher Zukunft nicht ändern. Warum funktioniert wohl der Kommunismus nicht?
Eigentlich muß man fast sagen das heutzutage sogar MEHR Gemeinschaftsgefühl herscht als früher. Man nehme nur als Beispiel Wikipedia die ohne Selbstlose Leute nicht funktionieren würde. Vor allem die unzähligen Stunden (eigentlich Jahre) an Arbeitszeit die in einem einzigem! Themenportal stecken, um hochwissenschaftliche Themen der breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen, sind Beweis genug.
Ja wir entwickeln uns weiter! Und die Leute die dauernd jammern Früher war alles so viel besser sollte man doch mal darauf aufmerksam machen, dass es diese Sachen früher nicht gab!
Und wehe dem der mir jetzt mit Pensionen oder der verdorbenen Jugend kommt!
Letztendlich muß man sagen, dass das Gemeinschaftsgefühl nicht zuletzt durch die neuen Medien stark im steigen ist und sehr warscheinlich größer als in der ach so schönen alten Zeit.
Und Ausnahmen gibts immer! Damals wie heute im positiven wie auch im negativen!
Leben wir doch alle so, dass wir als Vorbild für die Nachwelt dienen können. Dies ist der einzige Weg etwas zu verändern.
Veränderungen beginnen bei uns selbst……
P.S.: Seien wir froh das wir doch Anspruch auf Sozialhilfe haben. Die Person in der 3ten Welt die vollzeit arbeitet hungert wahrscheinlich. Da ist nichts mit Sozialhilfe…. (eigentlich steckt ja in dem Wort Sozialhilfe schon Gemeinschaft irgendwie drinnen)
23.11.2007 um 7:29
Das ist genau der Punkt!!
Politik ist, wie schon der Name andeutet, etwas für alle!!!
Wenn einem menschenverachtende Sager gegen den Strich gehen, dann MUSS man dagegen auftreten.
Und man MUSS auch gegen menschenverachtende Arbeitsbedingungen auftreten und gegen die Zerstörung der Umwelt, die Lebensgrundlage nachkommender Generationen ist.
WIR selbst und nur wir sind für die Lebensbedingungen verantwortlich, die wir um uns aufbauen oder zulassen. Der liebe Gott hat die Welt vielleicht einmal erschaffen, aber sich um sie kümmern, das müssen wir schon selbst.
Und wenn man konsequent und überzeugend ist, kann man allerhand erreichen. Und dass jeder einzelne schaut, dass es ihm selbst zuerst gut geht, ist legal. Wenn es jedem einzelnen gut geht, dann geht es doch allen gut, oder? Sich im Unglück suhlen ohne was dagegen zu unternehmen, verbessert nicht die Lage. Da wir nun einmal eine Rudelgattung sind, muss jeder (auch der Schwache) eine Aufgabe übernehmen. Und zu diesen Aufgaben gehört es selbstverständlich auch, sich um noch Schwächere zu kümmern und deren Interessen auch zu vertreten.
Das Ende des zweiten Weltkriegs war der Supergau. In Wien gab es kaum Häuser, die Dach und Fensterscheiben hatten. In meiner Schulklasse waren wir 42 Kinder und nur zwei hatten Väter, die verfügbar waren. Alle anderen waren gefallen, im Lazarett, in Kriegsgefangenschaft oder (weil Nazis) auf der Flucht oder im Gefängnis. Damals war „Alleinerzieherin“ kein Thema.
Noch in den 60’ern gab es die 48-Stunden-Woche, nur 2 Wochen Urlaub, nur je 8 Wochen Mutterschutz vor und nach der Geburt eines Kindes (wenn nicht gestillt wurde, sogar nur 6 Wochen), kein Karenz“urlaub“. Es gab keine Gratisschulbücher (ich konnte mir bis zur Matura kein eigenes Mathematikbuch leisten), im staatlichen Gymnasium musste jedes Jahr Schulgeld bezahlt werden und an der Uni war für jede belegte Vorlesung eine Studiengebühr zu entrichten. Ich konnte damals von meinem Ganztagseinkommen als Versicherungssachbearbeiterin ohne Nebenjobs nicht übers Monat kommen. Es gab nämlich auch kein Konto, das überzogen werden konnte. Und – wer es nicht selbst erlebt hat, wird es kaum glauben – wir alle hatten das Gefühl, dass es uns schon viel besser geht, es war eine richtige Aufbruchstimmung!
Warum ich das erzähle, obwohl ich weiß, dass es niemand hören will? Es soll Mut machen! Verbesserungen sind möglich und in Demokratien verhältnismäßig einfach durchsetzbar, in Diktaturen allerdings lebensgefährlich.
23.11.2007 um 9:11
@Scrat: Ja, es geht uns heute in vielem besser und das “früher war alles besser”-Gelaber ist völlig fehl am Platz. Aber schon nur der Erhalt des Erreichten und erst recht ein Weiterkommen gibt es nur, wenn wir unsere Meinungen kundtun, wenn wir Missstände ansprechen, uns nicht auf unseren Lorbeeren oder dem Fernsehsessel ausruhen. Und auch in dem wir verklärende oder schlicht geschmacklose Blicke in die Vergangenheit als solche entlarven und nicht gleichgültig hinnehmen.
23.11.2007 um 11:40
@ Arthur: Danke. :-)
@ Melanie: Viele werden es wirklich nicht hören wollen, das ist leider wahr, weil man durch das Widerkäuen der ollen Kamellen ja vom Fun abgelenkt wird, aber ich schon. Deshalb danke für den Einblick in eine Vergangenheit, die die meisten von uns hier noch nicht erlebt haben.
Ein paar Worte zu meiner Philosophie: Man kann alles im Leben (die Natur, einen Organismus, die menschliche Gesellschaft) aus zwei Perspektiven betrachten: Einmal aus der Ferne, alles überschauend, und einmal aus der Nähe, die Details betrachtend.
Meine Fernsicht deckt sich im großen und ganzen mit deren, die sich hier ziemlich negativ und pessimistisch bezüglich des sozialen Zustandes unserer Spezies geäußert haben. Als ich so Anfang 20 war war das auch meine einzige Sicht auf die Welt, und entsprechend schlecht war ich auf die Menschheit zu sprechen. Ich war der festen Überzeugung, ein Misanthrop, ein Soziopath zu sein, dem alles egal sei und der bereit sei, über Leichen zu gehen, weil die Menschheit eh nichts wert sei.
Und dann passierte etwas, das so unspektakulär und kitschig ist, dass ich mich fast nicht getraue, es hier aufzuschreiben. Mit Sicherheit werden mir jetzt einige vorwerfen, ich sei ein Weichei, aber gut, soll sein:
Ich stand eines Tages an einer Kreuzung und war ganz besonders mies gelaunt, in richtiger Mörderstimmung. Ich hasste die Welt und hätte am liebsten jedem in die Fresse getreten. Die Ampel sprang auf grün, und ich wollte gerade losgehen, als mich plötzlich von der Seite ein altes Mutterl ansprach. Eine sehr betagte Frau mit Blindenschleife bat mich, ihr über die Straße zu helfen. Also nahm ich sie beim Arm und führte sie rüber. Drüben angelangt bedankte sie sich, merkte noch an, wie schön es sei, dass es so hilfsbereite junge Leute gebe und wackelte von dannen.
Ja, und da stand ich nun mit meinem Menschenhass und meiner Weltverachtung und kam mir ziemlich blöd vor. Scheiße.
Kurioserweise begegneten mir in den folgenden Jahren ständig alte Leute auf der Straße, die mich freundlich um Hilfe baten, das war fast schon wie verhext. Eine alte Dame ließ sich von mir die Einkaufstüten aus der Straßenbahn bis in ihre Wohnung tragen, und das einzige, was ich mir dabei dachte war, dass sie mit dem Verhalten hoffentlich nie an einen Menschen gerät, der ihre Unvorsicht ausnutzt und sie ausraubt. Irgendwann habe ich mir dann zähneknirschend eingestanden, dass ich kein Bluthund bin, sondern wohl eher ein Zwergpudel. Ich bin im großen und ganzen, also wenn ich die Gesamtheit betrachte, zwar auch ein Zyniker und höchst pessimistisch, was die Menschheit betrifft. Wenn es dann aber ins Detail geht, werde ich zum Robin Hood.
Ich weiß, die Geschichte klingt aufgesetzt, als hätte ich sie mir ausgedacht, aber es ist wirklich so passiert. Wie gesagt, das Leben ist Zynismus pur, und ich kann mir gut vorstellen, dass sich einer in dem Moment meiner Selbsterkenntnis über mein doofes Gesicht schief gelacht und ordentlich auf die Schenkel geklopft hat.
23.11.2007 um 11:57
Liebe Nina,
Kinder, Tiere und wirklich hilflose Leute wissen instinktiv, wer ein gutes Herz hat und wem sie zugehen können.
23.11.2007 um 14:16
@Melanie:
Kinder … weil sie’s nicht besser wissen.
So mancher, von dem man meint, er hätt ein gutes Herz, kann sich als Scheusal entpuppen. So gesehen lehrt die verbrannte Hand mehr als viele Worte bewirken können.
um beim Thema zu bleiben: Dazu fällt mir nur ein: quid quid agis prutender agas et respice finem. Das nehmen sich die wenigsten zu herzen. Die meisten handeln leichtfertig, die folgen sind ihnen wurscht und sie trampeln auf anderen herum.
das andere was mir dazu einfällt: Personen, die im öffentlichen Lichte stehen, sollten sich ihrer Vorbildwirkung und ihrer “Führungsposition” bewußt sein. Der durchschnittliche Bürger Otto-Normalo gafft diesen Kerl an und findet: boah, des is cool – und macht den scheiß nach oder verurteilt das ganze nichtmal – Schäfchen-Mechanismus sozusagen.
Da fällt mir gleich nochwas ein: Dem Gros der LEute ists wirklich scheißegal. Besagter Künstler hat wohl darauf angespielt mit seinem schmissigen “Who cares?” – Zumal Künstler bisweilen das Bedürfnis haben, ihren Äusserungen eine gewisse hintergründige Bedeutung zu geben – man muss ja den INtellektuellen raushängen lassen.
@nina: ich habe nochmal Deinen Artikel über den Schenkelklopfer durchgelesen – solches habe ich bisher nur bei Computern erlebt – und einen gewissen Fehler gefunden, der sich nach der ARt von gammastrahlen in meine Netzhäute eingebrannt und meine Stirnlappen frittiert hat. Das heißt nämlich Wermutstropfen. Wermut aka Absinth ist ja dieses … bittere … Gesöff, mit dem sich der VanGogh um sein Ohr gesoffen hat.
siehe auch: http://www.korrekturen.de/beliebte_fehler/wehrmutstropfen.shtml
23.11.2007 um 17:46
“Der Mensch ist und war immer ein Egoistisches Wesen. Das war früher so, ist heute so und wird sich leider in naher Zukunft nicht ändern. Warum funktioniert wohl der Kommunismus nicht?”
Kann ich leider nicht so stehen lassen, diese dumme (!) Polemik.
Der Mensch ist eindeutig ein Rudeltier. Sonst hätte sich z.B. die Sprache gar nicht entwickeln können. Und als Rudeltier ist man zwar, vornehmlich als Männchen, auf eine gute Stellung innerhalb des Rudels bedacht (Hackordnung), aber im Großen und Ganzen muß der Mensch soziales Verhalten schon allein aus Selbsterhaltung durchführen, um nicht aus dem Rudel rauszufliegen.
Man bedenke, daß der Mensch sehr unfertig auf die Welt kommt. Doch wie will ein Mensch heutzutage Sozialverhalten lernen? So ganz ohne Rudel? Wenn wir uns umschauen, finden wir kaum noch ein Rudel in unserer Gesellschaft. Nur kleine Familienverbände von einem und manchmal zwei Elterntieren. Geschwister gibt es auch kaum noch, insbesondere in reicheren Familen, wo schließlich die “Elite”, also die Manager, Politiker usw. herangezüchtet werden (in diesem Punkt verweise ich auf die Pisa-Studie und die dort berichtete fehlende Chancengleichheit).
23.11.2007 um 18:09
Darin liegt wohl die Problematik. WEIL der Mensch ein Rudeltier ist, neigt er dazu, sich mitunter den falschen Alphatieren anzuschließen. Nämlich denen, die einem das Denken abnehmen, seien’s nun politische oder religiöse Bewegungen.
Irgendwo beißt sich da die Katze in den Schwanz, oder? Um solchen Phänomenen entgegenzuwirken, sollte man meinen, es wäre sinnvoll, Individualität und Eigenverantwortung zu stärken, aber wenn das wieder zu weit ausschlägt, haben wir besagte Egozentrikergesellschaft, in der keiner sich keiner mehr um den anderen schert.
Leuteln, was uns fehlt ist die goldene Mitte! :-P
23.11.2007 um 19:42
Mal ein kleiner Kommentar zur Auflockerung (Stichwort: Hat sich eigentlich irgendjemand das Musikfile, das ich verlinkt habe, angehört? Es hat noch niemand etwas dazu gesagt, dabei fand ich es eigentlich ziemlich böse):
Ich habe das Kürzel N.N. in seiner mir geläufigen Bedeutung eines Namensplatzhalters verwendet. Ein Blick in die englischsprachige Wikipedia lehrt mich indes folgendes:
“NN may stand for Nickie Nina, a Pakistani fashion label for women”
;-)
24.11.2007 um 0:46
Oh ja, ich hab mir das Stück hm… angetan. Und ich gebe Dir mein Ehrenwort (so ein richtiges echtes), daß ich es mir bis zum Schluß angehört habe. Kann ich nun Schmerzensgeld von Dir verlangen?
24.11.2007 um 10:08
LOL! Nichts da. Was uns nicht umbringt, macht uns hart. ;-)
Und sieh’s mal so: Du kannst das Lied ja weiter geben, falls du mal auf jemanden sauer bist. *g*
24.11.2007 um 17:45
Hallo!
Ich habe den zitierten Witz gelesen, aber nicht verstanden. Weder sehe ich da einen Witz, noch sehe ich etwas Verwerfliches.
Es ist schwer, die Nazizeit nicht zu verteufeln, ohne als “Brauner Nostalgiker” dazustehen. Es war nicht Alles böse und schlecht, denn unsere Grosseltern haben sich in dieser oder zumindest in der unmittelbar folgenden Zeit gefunden! Um nur ein Beispiel zu nennen, das wohl jeder direkt oder indirekt erfahren kann.
Man darf aber weder vergessen, noch unterschlagen, daß es viel Leid und viele Zwänge gegeben hat, die die Nazis und die damalige Gesellschaft (!!) hervorgebracht haben. Auf ganz individueller Ebene, kann man den Verlust des Arbeitsplatzes bei vielen jüdischen Professoren und Lehrern anbringen. Die “Zwangsrekrutierung” in die Hitlerjugend. Die Opfer der jüdischen Familien, die versucht haben, bei allen Widrigkeiten weiterzukommen und auch widere Arbeiten aufgenommen haben. Die Vorteile, einen NSDAP-Abzeichen zu haben. Die Aberkennung der eigenen Werke in Form von “Vandalismus” in der Reichsprogromnacht oder der Bücherverbrennung.
Später die Kriegsgefangenenlager, die aus einer einfachen, umzäunten Wiese bestanden (s. Bergen-Belsen), die Zwangsrekrutierung zur Wehrmacht und schliesslich die Konzentrations-, Arbeits- und Vernichtungslager als heutige Symbole der Nazizeit.
Ich musste Schmunzeln, als Du Deine “zwei Weltsichten” erklärt hast, weil ich ähnlich denke.
In vielen Gesprächen und Diskussionen, die ich z.B. über die Einwanderung führe, klingt immer dieses “die da” und “wir hier” durch, das ich nicht mag. Ich habe mir angewöhnt, das makroskopische und plakative Weltbild, das uns die Medien vermitteln und die Politiker in ihren Sonntagsreden gerne verwerten, gleichberechtigt neben das mikroskopische, individuelle zu tun – und damit wichtige Unterscheidungen im makroskopischen Bild zu treffen.
Ich denke, daß im Mittelpunkt unserer Überlegungen nicht “die Nation” oder “die Deutschen/Österreicher/Franzosen …” stellen sollten, sondern vielmehr der Mensch. Im Einzelnen und als Ganzes.
Mit seinen Ängsten, Trieben, Gedanken, Emotionen. Mit seinem manchmal als Altruismus getarnten Egoismus.
Saluti!
Ludwig
24.11.2007 um 20:08
Hallo Ludwig!
Ich stimme dir völlig zu, vor allem auch was den Nationalitätenwahn betrifft. Bin jetzt bloß ein wenig schwindlig geworden beim Umfang deines Themas, das sich immer weiter vom Ursprung dieses Blogposts entfernt ;-), will daher jetzt nochmal kurz darauf zurück kommen:
Ich will ja nicht ausschließen, dass ich den Scherz falsch verstanden habe, obwohl ich das nicht glaube, weil ich wie gesagt N.N.s Humor kenne. So wie ich das sehe, hat er es wie folgt gemeint: (Man stelle sich pathetische Geigenmusik im Hintergrund vor, dazu ein melancholisch-verklärter Blick) “Musik ist ja immer aufs Engste mit Schicksal und persönlichen Tragödien verbunden gewesen…” (Musik stoppt urplötzlich, Blick wird leicht gelangweilt und schaut ins Publikum): “Aber wen interessiert’s”
Das mit der Musikuntermalung sage ich jetzt nur so dazu, damit man sich die Stimmung des Scherzes besser vorstellen kann. Er kommt aus derselben Kategorie wie wenn Homer Simpson im Kühlschrank nach Bier sucht, dabei auf eine Torte stößt auf der steht “Wir lieben dich, Daddy!”, kurz die Torte anblickt, diese dann wütend auf den Boden knallt und brüllt “Verdammt, wo ist das Bier?!” Es geht prinzipiell um schwarzen Humor. Aber, und davon lasse ich nicht ab, in diesem konkreten Zusammenhang ist er für meine Begriffe nicht angebracht.
Lassen wir das 3. Reich mal außer Acht. Sagen wir einfach, es geht um eine Gruppe von Menschen, die grausam ums Leben kamen. Egal wie, egal wann. In diesem Zusammenhang (auf offener Bühne vor hunderten von Leuten) zu sagen, die persönlichen Tragödien von denen sind mir wurscht – das ist brutale Kaltschnäuzigkeit. Und das ist mein Problem mit dem Witz. Ohne missionieren zu wollen, ich will ja bloß meine Gegenstimme erheben und in den Raum stellen, dass das aus meiner Sicht nicht in Ordnung ist.
24.11.2007 um 21:14
@ distantvoices: Tut mir leid, dass ich deinen Kommentar erst jetzt freigeschalten habe, der hat sich in den Tiefen des Spamfilters versteckt und nicht aufgemuckt.
Ich seh das genauso wie du. Danke. Auch für die Hinweise auf den Schreibfehler (ist korrigiert) und darauf, dass Absinth bitter ist. Jetzt werd’ ich mir nämlich Marilyn Mansons neuestes Merchandiseprodukt NICHT kaufen. ;-)
6.12.2007 um 10:41
Da möchte ich an ein altes Gedicht von Heinz Erhard erinnern: Flecke.
http://reinhold.blog.de/2006/02/23/heute_mal_was_nachdenkliches_zur_nacht~588042
15.12.2007 um 1:08
Ich muss ein Nachwort anbringen, sonst findet meine Seele keine Ruhe. Robin Hood reitet wieder.
Da ich es als enttäuschter und nicht mehr so sicherer Fan nicht lassen kann, konsumiere ich natürlich weiterhin Interviews mit N.N. Heute war eins im Fernsehen, konkret ein Talkshowauftritt. Und dabei hat N.N. Dinge gesagt, die ich nicht nur für absolut gut empfinde, sondern die auch meiner oben genannten Theorie von der emotionslosen Egozentrik widersprächen (so sie ernst gemeint waren). Natürlich wird niemand im Fernsehen offen sagen, dass ihm die Welt eigentlich ziemlich am A… vorbeigeht, aber er hat seine Argumente (konkret für die anständige Behandlung der Kreatur, gleich ob nun Tier und Mensch) ziemlich vehement vertreten – zumindest für seine sonst eher zurückhaltende Art.
Gut, vielleicht will ich ihn mir anständig reden, vielleicht habe ich auch bloß ein schlechtes Gewissen, weil ich über jemanden geschimpft habe, der sich nicht verteidigen kann (mal abgesehen davon, dass ihm dies hier selbst dann reichlich egal wäre, wüsste er davon)… aber ich möchte doch die abschließenden Worte anfügen: In dubio pro reo.
Sein “Who cares”-Witz ist immer noch mies und unlustig, vermutlich hat er mich aber deshalb so sehr aufgeregt, weil er eine persönliche Seite zum Schwingen brachte. Was weiß ich. Ich bin halt mal eine Bissgurrn (dt: eine Keifzange), das wurde mir schon in meiner Schulzeit bestätigt, wenn ich wieder mal zum Direktor lief um Unrechte anzuprangern, die Lehrer an anderen Schülern begangen hatten… aber genug davon. Ich schließe meinen Frieden.
21.4.2008 um 16:17
Nachtrag 2:
Es ist schon eigenartig – da war jahrelang nichts, Stillschweigen, kein Journalist hat Herrn N.N. darüber befragt, wie er zu der kritischen Zeit und der Judenverfolgung steht. Und jetzt auf einmal ein Interview nach dem anderen, in dem er darauf eingeht.
Vielleicht wurde er das nie gefragt, vielleicht wurde der Teil aber auch stets aus dem Interview gestrichen. Jetzt jedenfalls nimmt er dazu Stellung und betont, wie schlimm das alles war und wie traurig es ihn jedes Mal macht, wenn er so darüber nachdenkt. Und wie er seine ganz persönlichen Reminiszenzen an die Texter und Komponisten in seine Moderation einbaut.
Immerhin.